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Baukräne in einem Neubaugebiet bei München.

Wohnen

Immobilien-Boom am Ende

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Die Corona-Krise bringt den Haus- und Wohnungsmarkt zum Erliegen.

Die Kurve ist nahezu makellos. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat am Donnerstag seinen aktuellen Häuserpreisindex präsentiert. In den vergangenen fünf Jahren ging es stetig nach oben. Doch nun wird ein Knick kommen. Die Corona-Krise hat den Immobilienmarkt zum Erliegen gebraucht. Wann er wieder in Schwung kommt, ist nicht absehbar.

Im vierten Quartal 2019 lagen die Preise für Wohnimmobilien laut Destatis im Schnitt um 5,7 Prozent über dem Vorjahr. In den sieben großen Metropolen waren Ein-und Zweifamilienhäuser 6,5 Prozent und Eigentumswohnungen sogar 9,5 Prozent teurer. Mit den Steigerungen ist es erst einmal vorbei. „Derzeit werden Verkaufsverfahren, die bereits laufen, noch abgewickelt. Danach wird sich bis zum Ende der Corona-Krise erst einmal deutlich weniger tun“, sagte Manfred Neuhöfer vom Immobilienberater und -marktforscher F+B dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Schon allein wegen des Gesundheitsschutzes würden derzeit kaum noch Besichtigungen von – bewohnten – Wohnungen und Häusern stattfinden. Abgesehen davon halten sich potenzielle Käufer wegen der Unsicherheiten durch die Corona-Krise zurück.

Die Immobilienexperten der Landesbank Hessen-Thüringen und andere Branchenkenner machen darauf aufmerksam, dass die Wachstumszyklen im Geschäft mit Häusern und Grundstücken in den vergangenen Jahrzehnten immer durch Rezessionen beendet wurden. Und dass eine Rezession kommen wird, ist unter Volkswirten ausgemachte Sache. Damit geht eine extrem lange Boomphase in der Immo-Branche von gut zehn Jahren zu Ende.

Derzeit ist ein Kurvenverlauf in Form eines „V“ populär. Erst geht es steil bergab – Branchenkenner erwarten Preisabschläge bis zu 30 Prozent für Häuser und Wohnungen. Bald aber würde es diesem Szenario zufolge ebenso steil wieder bergauf gehen. Immerhin, an der Wohnungsknappheit in den großen sieben Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) und anderswo hat sich nichts geändert. Die erhoffte Entspannung durch die Fertigstellung von Neubauten könnte sich sogar verzögern. Die Verbände der Baubranche haben in den vergangenen Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass es zwar einen großen Auftragsbestand gebe, dass es aber auf den Baustellen zunehmend an ausländischen Arbeitskräften fehle – vor allem bei Subunternehmen. Sie sind in ihre Heimatländer zurückgereist.

Für Marktforscher Neuhöfer ist die längerfristige Entwicklung schwer abschätzbar. Es sei aber erkennbar, dass es „monatelang keine Preissteigerungen für Immobilien mehr geben wird“. Dabei komme auch zum Tragen, dass bereits seit 2019 in einigen teuren Regionen „absolute Preisgrenzen“ erreicht wurden. Potenzielle Käufer waren nicht mehr bereit, etwa in München für ein Reihenhaus 1,5 Millionen Euro zu zahlen, auch wenn sie dazu in der Lage gewesen wären. „Dieser Trend verstärkt sich nun“, so Neuhöfer.

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