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Der japanische Elektronikkonzern NEC will 20 000 Arbeitsplätze abbauen.

Japan

Immer tiefer in die Krise

Die Nachfrage nach Produkten "Made in Japan" sinkt, die Volkswirtschaft gerät immer tiefer in die Rezession. Der Elektronikkonzern NEC streicht 20 000 Stellen.

Tokio. Japan rutscht immer tiefer in die Rezession. Die Industrieproduktion der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt brach im Dezember zum Vormonat um bislang beispiellose 9,6 Prozent ein, da die Nachfrage nach Autos, Elektronik und Maschinen "Made in Japan" in der globalen Krise rapide abnahm.

Wie das Wirtschaftsministerium in Tokio weiter mitteilte, ging der Industrieausstoß zum Vorjahr sogar um mehr als ein Fünftel zurück. Zugleich stieg die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Die kaum noch spürbare Jahresteuerung lässt zudem Ängste vor einer Deflation, also einem Preisverfall auf breiter Front, aufkommen.

Die Verbraucherpreise stiegen im Dezember in der Kernrate ohne Saisonprodukte im Jahresvergleich nur noch um 0,2 Prozent. Im November hatte der Anstieg noch bei einem Prozent gelegen. Japan gilt in Sachen Deflation als gebranntes Kind, da eine Abwärtsspirale bei den Preisen die Wirtschaft bereits Anfang des Jahrzehnts lange Zeit gelähmt hatte.

Wahrscheinlich geht es weiter bergab

Wirtschaftsminister Kaoru Yosano blickt skeptisch in die Zukunft: "Wir haben einen solchen Einbruch der Industrieproduktion noch nicht erlebt. Wahrscheinlich wird es weiter abwärts gehen." Die Produktion in dem exportorientierten Land ist bereits auf dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren. Während die Kapazitätsauslastung dramatisch abnimmt, steigen die Lagerbestände bereits den vierten Monat in Folge.

Die Arbeitslosenrate ist im Dezember auf den für japanische Verhältnisse recht hohen Stand von 4,4 Prozent gestiegen. Ein Schlaglicht auf die wirtschaftliche Misere in der größten Volkswirtschaft Asiens wirft die Lage des lange Zeit erfolgsverwöhnten Automobil-Weltmarktführers Toyota.

Der Konzern wird offenbar einen noch höheren Milliardenverlust einfahren, als bereits angekündigt. Die Tageszeitung Nikkei berichtete ohne Quellenangaben, die roten Zahlen würden sich im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr wahrscheinlich auf umgerechnet 3,5 Milliarden Euro summieren. Der weltgrößte Autobauer hatte zuletzt einen Verlust von rund 2,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

NEC baut 20 000 Jobs ab

Auch die japanische Elektronikbranche ächzt immer stärker unter der Krise: Der Konzern NEC streicht weltweit 20 000 Stellen. Der Jobabbau, der auch die zuvor bekanntgegebene Reduzierung von 1200 Arbeitsplätzen in der Chipsparte umfasst, soll bis März 2010 vollzogen werden. Die Unternehmensgruppe beschäftigte Ende Dezember 150 000 Menschen. (rtr)

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