Ein Flieger des Welternährungsprogramms wirft Nahrungspakete über einem Dorf im Südsudan ab. Foto: AFP
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Ein Flieger des Welternährungsprogramms wirft Nahrungspakete über einem Dorf im Südsudan ab. 

Corona-Krise

Immer mehr Menschen hungern

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Millionen Menschen auf der Welt haben zu wenig zu essen. Laut Welternährungsprogramm: sind 82 Prozent mehr  Menschen als im Vorjahr von Hunger betroffen.

Die Corona-Krise verschärft das Hungerproblem in der Welt. Nach Einschätzung des Welternährungsprogramms (WFP) könnte sich die Zahl der akut von Hunger betroffenen Menschen in diesem Jahr deutlich erhöhen – auf 270 Millionen Menschen. Das wären 82 Prozent mehr als 2019. Besonders stark betroffen sind den Angaben zufolge Lateinamerika sowie West-, Zentral- und Südafrika.

In den Staaten Lateinamerikas hat sich laut der UN-Organisation die Zahl der Menschen, die auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind fast verdreifacht. Auch in West- und Zentralafrika sei der Hunger sprunghaft angestiegen, nämlich um 135 Prozent, das südliche Afrika verzeichne einen Anstieg um 90 Prozent.

Der Corona-Lockdown hat die Hungerkrise auf verschiedene Weise verschärft. Teilweise funktionieren die Transportwege für Nahrungslieferungen in ländlichen Regionen nicht mehr. Stark betroffen sind aber auch Stadtbewohner in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die in die Armut getrieben wurden – durch Jobverlust und den rapiden Rückgang von Geldüberweisungen von Familienmitgliedern, die im Ausland leben.

Das WFP warnt vor einer Zuspitzung: Die Zahl der Coronavirus-Infektionen steige ausgerechnet jetzt an, wo die Nahrungsmittelvorräte in einigen Teilen der Welt bereits niedrig seien und viele Bauern auf die neue Ernte warteten. „Sturm- und Monsunsaisonen beginnen, Heuschreckenplagen in Rekordgröße überschwemmen Ostafrika und verschärfte Konflikte verschlechtern die ohnehin schon schwierigen Aussichten der Hungernden der Welt“, so die Organisation. Bereits in den letzten vier Jahren vor Ausbruch der Corona-Pandemie war die Zahl der Menschen, die akut Hunger leiden, um fast 70 Prozent angestiegen, so das WFP. Das Virus verschärfe nun die Folgen des Klimawandels, bestehende Konflikte sowie wirtschaftliche und soziale Schocks in Regionen, die zuvor von schwerem Hunger verschont geblieben waren.

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) beziffert die Zahl der Menschen, die wegen geringer Ernten oder mangelnder Kaufkraft das Jahr über immer wieder an Ernährungsunsicherheit leiden, auf über zwei Milliarden Menschen – also rund ein Viertel der Weltbevölkerung. Sie sind regelmäßig gezwungen, Mahlzeiten auszulassen, weniger oder billige, aber minderwertige Nahrung zu sich zu nehmen. Hierzu gehören auch acht Prozent Bevölkerung in Europa und Nordamerika. Diese Zahlen dürften wegen Corona ebenfalls zugenommen haben.

Das WFP warnt, dass ohne Nahrung ein dramatischer Anstieg von sozialen Unruhen und Protesten, unsicherer Migration, Konflikten und weitverbreiteter Unterernährung drohe – „in Bevölkerungsteilen, die bisher immun gegen Hunger waren“. Die Organisation will daher in diesem Jahr die Hilfen deutlich ausweiten. Rund 138 Millionen Menschen sollen Nahrungsmittellieferungen, Gutscheine oder Bargeld zum Kauf von Essen erhalten. Das seien über 40 Millionen mehr als 2019, als bereits eine Spitzenzahl von 97 Millionen Bedürftigen unterstützt wurde.

Nötig ist für das ausgeweitete Hilfsprogramm jedoch mehr Geld. Das WFP beziffert die noch nicht finanzierten Kosten für den Einsatz in 83 Ländern im nächsten halben Jahr auf rund 4,9 Milliarden US-Dollar. Rund 60 Länder unterstützen das WFP bisher, größtes Geberland sind die USA, gefolgt von Deutschland. Die Organisation appelliert an alle Geberländer, sich noch stärker als bisher zu engagieren, aber auch an Privatleute, zu spenden.

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