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Nach der EU-Definition gilt als armutsgefährdet, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der gesamten Bevölkerung auskommen muss (relative Armut). Die Unesco bezeichnet dagegen jemanden als arm, der weniger als 1 bis 1,25 US-Dollar am Tag zur Verfügung hat (absolute Armut).
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Nach der EU-Definition gilt als armutsgefährdet, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der gesamten Bevölkerung auskommen muss (relative Armut). Die Unesco bezeichnet dagegen jemanden als arm, der weniger als 1 bis 1,25 US-Dollar am Tag zur Verfügung hat (absolute Armut).

Frankfurt

Immer mehr Menschen droht die Armut

  • VonStephan Kaufmann
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Die Armutsgefährdung in Deutschland nimmt zu. Besonders hoch stieg das Armutsrisiko in Frankfurt. Doch die Statistik ist trickreich.

Die Armutsgefährdung in Deutschland nimmt zu. Besonders hoch stieg das Armutsrisiko in Frankfurt. Doch die Statistik ist trickreich.

Die Armutsgefährdung in Deutschland hat in den vergangenen sieben Jahren zugenommen. Waren 2005 noch 14,7 Prozent aller Menschen armutsgefährdet, so lag diese Quote 2012 bei 15,2 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Besonders hoch stieg das Armutsrisiko in Frankfurt am Main. Statistiker warnten jedoch vor Fehlinterpretationen: „Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Menschen weniger Geld haben“, sagte Christian Prinz vom Statistischen Bundesamt.

Der Anstieg der Armutsgefährdung in Deutschland überrascht zunächst. Schließlich lag die Arbeitslosigkeit im Jahr 2005 bei zwölf Prozent, heute sind es kaum sieben Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen ist seitdem um über drei Millionen Menschen gestiegen, die Wirtschaftsleistung hat um 440 Milliarden Euro zugelegt.

Doch die Statistiker berechnen nicht die absolute Armut, sondern die relative Einkommensarmut. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen) zur Verfügung hat. Folge: Steigt das mittlere Einkommen, so können mehr Menschen als arm gelten, obwohl sie mehr Geld zur Verfügung haben.

Tatsächlich ist das mittlere Einkommen gestiegen. Folge: 2005 galt ein Ein-Personen-Haushalt im Bundesdurchschnitt ab einem Einkommen von 736 Euro als armutsgefährdet, 2012 waren es 869 Euro. Von diesem Anstieg von rund 18 Prozent ist allerdings die Inflation abzuziehen, die etwa zwölf Prozent betrug.

Armutsgefährdete heute reicher als vor acht Jahren

Dennoch sind die Armutsgefährdeten heute im Durchschnitt reicher als vor acht Jahren. „Die von uns berechnete Quote ist weniger ein Maß für Geldmangel als ein Maß für Ungleichheit und für die Einkommensverteilung“, erklärte Prinz. „Daher sprechen wir nicht von Armut, sondern von Armutsgefährdung.“

In Hessen legte die Armutsgefährdungsquote von 12,7 auf 13,2 zu. Noch immer ist das Risiko der Einkommensarmut in den neuen Bundesländern mit 19,7 Prozent deutlich höher als im Westen (14,0 Prozent). Dennoch – den größten Rückgang der Armutsgefährdung seit 2005 gab es in Thüringen und Sachsen-Anhalt, so die Statistiker.

Von den 15 bevölkerungsreichsten Großstädten Deutschlands war das Armutsrisiko im  Jahr 2012 am geringsten in München (11,4 Prozent) und Stuttgart (13,4 Prozent) und am höchsten in Dortmund (26,4 Prozent) und Leipzig (25,9 Prozent). Dazwischen liegt Frankfurt am Main, dort waren 2005 13,7 Prozent aller Menschen armutsgefährdet, 2012 waren es 15,2 Prozent.

Doch auch bei diesen Zahlen liegt der Teufel im Detail. Denn als Maßstab gilt das mittlere Einkommen für ganz Deutschland, der so genannte Bundesmedian. Allerdings sind die Einkommen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich - wobei diese Differenz durch die unterschiedlichen Preisniveaus allerdings zum Teil wieder ausgeglichen wird, so das Statistische Bundesamt, insbesondere durch die Miethöhe.

So gilt ein Ein-Personen-Haushalt in Hessen ab 922 Euro Monatseinkommen als armutsgefährdet, in Baden-Württemberg ab 953 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern, wenn man weniger als 723 Euro zur Verfügung hat. Folge: Gemessen am bundesdeutschen Einkommensniveau sind knapp 23 Prozent aller Bewohner Mecklenburg-Vorpommerns armutsgefährdet. Gemessen am regionalen Einkommensniveau sind es nur 13,5 Prozent.

Umgekehrt im reichen München: Gemessen am Bundesmedian sind dort nur 11,4 Prozent armutsgefährdet, gemessen am regionalen Medianeinkommen allerdings 18,5 Prozent und damit mehr als in Mecklenburg. „Die Armutsgefährdungsquote sagt eben nur etwas aus über die Einkommensverteilung aus, nicht über das Einkommensniveau“, so Prinz.

Misst man die Armutsgefährdung nicht am bundesweiten Medianeinkommen, sondern am regionalen, so hat sie in Hessen kräftig zugenommen.  In dieser Rechnung ist sie seit 2005 nicht von 12,7 auf 13,2 Prozent gestiegen, sondern von 15,3 auf 15,9 Prozent. Frankfurt kommt sogar auf einen Wert von 20,9 Prozent und lag damit im vergangenen Jahr an der Spitze aller deutschen Großstädte.

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