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Weniger vom Ersparten: Immer mehr Banken nehmen Negativzinsen.
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Weniger vom Ersparten: Immer mehr Banken nehmen Negativzinsen.

Tipps

Strafzinsen: Im Zweifel einfach die Bank wechseln

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Wie umstrittene „Verwahrentgelte“ für größere Guthaben umgangen werden können.

Schon in Kinderköpfen setzen sich so manche Sprichwörter fest. „Kleinvieh macht auch Mist“ oder „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ sind Sätze, die sicher auch heute noch viele Eltern ihrem Nachwuchs mitgeben. Um sie damit zum Sparen zu ermuntern. Doch viele Menschen fragen sich, ob Sparen überhaupt noch lohnt. Denn immer mehr Finanzinstitute erheben Negativzinsen – sie selbst nennen das meist Verwahrentgelte – auf Tagesgeld-, Giro- und Sparkonten. Laut der jüngsten Erhebung des Finanzportals Biallo verlangen inzwischen 450 Banken und Sparkassen von ihren privaten Kundinnen und Kunden Negativzinsen.

Allein seit Jahresanfang hätten fast 200 Geldhäuser Negativzinsen für Privatkund:innen eingeführt, heißt es bei Biallo. Rund ein Drittel davon gewährten nur noch einen Freibetrag von 25 000 Euro oder weniger, der von den Strafzinsen ausgenommen ist.

„Lukrative Einnahmequelle“

Die Kreditinstitute erklären die Strafzinsen damit, dass sie damit nur die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank weitergäben. Sie müssen der EZB nämlich 0,5 Prozent Zins für Geld zahlen, das sie kurzfristig bei ihr anlegen. Tatsache ist aber, dass die EZB den Instituten relativ hohe Freibeträge einräumt. Und die Banken natürlich nur einen kleinen Teil ihrer liquiden Mittel überhaupt bei der EZB parken.

Kritische Fachleute bezeichnen die Rechtfertigung der Banken daher als „Narrativ“ oder sogar „Märchen“ und glauben, dass der unter Ertragsproblemen leidende Bankensektor in den Verwahrentgelten einfach eine lukrative Einnahmequelle erkannt hat. Einige Geldhäuser verlangen von ihren Kund:innen sogar höhere Strafzinsen als die 0,5 Prozent, die sie an die EZB zahlen müssen.

Niels Nauhauser, Bankenexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hält es für „rechtlich dünnes Eis“, auf dem die Kreditinstitute sich bewegen. Er verweist darauf, dass im Bürgerlichen Gesetzbuch festgehalten ist, dass nur Schuldner an Gläubiger Zinsen zahlen. „Die Banken stellen das Darlehensverhältnis auf den Kopf“, kritisiert er. Daher sprechen die Banken auch nicht von Straf- oder Negativzinsen, sondern von Verwahrentgelten. „Das ist aber kein Verwahren wie in einem Schließfach“, sagt Nauhauser. Denn die Banken verliehen das Geld ja weiter.

Bei Gerichten sind zahlreiche Klagen, auch verschiedener Verbraucherzentralen und des Verbraucherzentrale Bundesverband, zu den Entgelten anhängig. Zuletzt urteilte das Landgericht Leipzig zugunsten der Sparkasse Vogtland. Sie darf demnach für Neukund:innen und Bestandskund:innen, die das Kontomodell wechseln, ein Verwahrentgelt erheben – und das zusätzlich zu Kontoführungsgebühren.

Dies sei – insbesondere bei Bestandskund:innen – eine unzulässige Doppelbepreisung, kritisiert Michael Hummel, Rechtsexperte der klagenden Verbraucherzentrale Sachsen. Diese will beim Oberlandesgericht Dresden in Berufung gehen.

Was aber können betroffene Kundinnen und Kunden tun, wenn die Bank Verwahrentgelte verlangt? Momentaner Stand ist, dass die Finanzinstitute bei Bestandskund:innen die Genehmigung für die Erhebung des Verwahrentgelts einholen müssen – wenn sie nicht gerade das Kontomodell wechseln. Manche Fachleute raten den Kund:innen dazu, mit den Banken über die Höhe des Zinses zu verhandeln. Oft gibt es dort Spielraum.

Einige Banken wollen die Kund:innen dann überzeugen, Geld in andere Anlageformen – etwa Fonds – umzuschichten. Das kann aus Renditegesichtspunkten zwar tatsächlich sehr sinnvoll sein. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät allerdings zur Vorsicht bei den Beratungsgesprächen. Denn die Verkäufer:innen der Banken „bieten unseren Beobachtungen zufolge keine bedarfsgerechte Beratung an, sondern vielmehr provisionsgeleitete Verkaufsgespräche“. Alternativ können sich Bürgerinnen und Bürger etwa bei den Verbraucherzentralen beraten lassen.

Lehnen Kund:innen Verwahrentgelte ihrer Bank ab, kann ihnen durchaus die Kündigung des Kontos drohen. In Deutschland gibt es allerdings keinen Mangel an Alternativen. Es gibt immer noch Institute, die von Neukund:innen keine Verwahrentgelte erheben. Verschiedene Vergleichsplattformen wie Biallo oder Verivox zeigen Kund:innen Optionen an.

Geld auf Institute verteilen

Es ist auch immer eine Möglichkeit, Geld auf verschiedene Banken zu verteilen und dabei die Freigrenzen für Verwahrentgelte auszuschöpfen. Dabei sind die alte wie die neue Bank gesetzlich sogar verpflichtet, den Kund:innen beim Kontoumzug zu helfen. Grundsätzlich raten Verbraucherschützer:innen dazu, pro Kontoinhaber:in bei einer Bank nie mehr als 100 000 Euro anzulegen, weil die gesetzliche Einlagensicherung auf diesen Betrag begrenzt ist. Zudem sollten Kund:innen nur Institute mit deutscher Einlagensicherung wählen. Damit können sie relativ sicher sein, auch im Fall der Pleite ihrer Bank ihr Geld wiederzubekommen.

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