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Ikea wächst auch dank angehobener Preise

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Von: Jan Christoph Freybott

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Auch wenn Ikea immer mehr online verkauft: Hauptvertriebsweg bleiben die Einrichtungshäuser.
Auch wenn Ikea immer mehr online verkauft: Hauptvertriebsweg bleiben die Einrichtungshäuser. © imago/Waldmüller

Ikea spürt in Deutschland noch nichts von einer Konsumflaute und wächst - allerdings auch dank höherer Preise. Die könnten in Zukunft noch weiter steigen.

Steigende Preise, leere Regale: Der Möbelriese Ikea sieht sich auf seinem wichtigsten Markt Deutschland weiter mit großen Unsicherheiten konfrontiert. Nach einem von Krisen und Kriegen gebeuteltem Geschäftsjahr will sich der neue Chef Walter Kadnar zwar mit aller Kraft gegen weitere Preissteigerungen stemmen. Dass die Teuerung aber auch in Zukunft auf die Ikea-Preisschilder durchschlägt, will der Manager bei der Zahlenvorlage am Dienstag nicht ausschließen. „Wir tun unser Bestes, aber gegen schließende Häfen und Pandemien haben auch wir kein Rezept“, so Kadnar.

Auf den ersten Blick aber sieht das präsentierte Zahlenwerk nicht schlecht aus. Der Umsatz kletterte im bis August laufenden Geschäftsjahr um gut sieben Prozent auf 5,7 Milliarden Euro nach oben. Die Zahl allein sagt allerdings wenig aus. Denn ein wesentlicher Anteil des Anstiegs dürfte auf gestiegene Preise zurückgehen; dann hätte Ikea nicht mehr verkauft, sondern nur teurer.

Wie groß der Anteil der Preissteigerungen am Umsatzplus ist, darüber hüllte sich der Konzern aber auch auf Nachfrage in Schweigen. Im vergangenen Dezember hatte der Mutterkonzern angekündigt, die Preise weltweit um rund neun Prozent anzuheben, und das mit Lieferengpässen und teuren Rohstoffen begründet. Wie viel davon auf dem deutschen Markt ankam und wie sich die Teuerung nach Beginn des Kriegs entwickelte, ist nicht bekannt.

Ikea: Mehr Menschen kamen in Möbelhäuser

Immerhin: Die 54 deutschen Einrichtungshäuser blieben im abgelaufenen Geschäftsjahr durchgängig geöffnet. Im Vorjahr hatten sie wegen der Lockdowns noch für fünf Monate schließen müssen. Die Besucherzahlen stiegen folgerichtig sprunghaft an, blieben aber unter dem Niveau von vor der Pandemie.

Sorgen bereiteten dem Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr andere Themen. Zu Beginn des Jahres waren viele Produkte nicht zu teuer, sondern schlicht nicht vorhanden. Wegen gerissener Lieferketten auch infolge des Kriegs in der Ukraine warteten Kundinnen und Kunden oft länger auf ihre Regale und Betten als gewohnt.

Ikea musste sich aus Russland zurückziehen

„Mittlerweile haben wir wieder mehr Ware verfügbar als noch vor einem Jahr“, sagte Kadnar. Die Lage in den Lieferketten, die etwa wegen Holz aus Russland angespannt war, habe sich gebessert. Zudem habe der Konzern seine Abläufe angepasst, etwa indem nicht mehr alle Regale in allen Farben angeboten würden. Grundsätzlich bleibe die Lage in der Lieferkette aber unsicher.

Darüber hinaus belastet die Inflation das Geschäft. Zum einen, weil Ikea durch steigende Kosten für Energie, Logistik und Rohmaterial selbst die Preise anheben musste. Zum anderen, weil die Konsumlaune in Deutschland eintrübt. Zumindest vom letzteren Effekt will Kadnar allerdings nichts bemerkt haben. „Die Bude ist voll, auch in den letzten Monaten“, so der Deutschland-Chef. Entgegen der Prognosen habe auch der Markt für Einrichtungshäuser insgesamt zugelegt.

Konsumlaune in Deutschland sinkt

Tatsächlich gingen wieder mehr Menschen in die Geschäfte: Während im vorigen Geschäftsjahr noch mehr als ein Drittel der Einkäufe online stattfand, war es jetzt nur noch knapp ein Viertel. Das Onlinegeschäft werde weiter wachsen, das Geschäft in den Einrichtungshäusern aber nicht ablösen, so Kadnar. „Die Leute möchten das Kaufhaus als Treffpunkt erleben“, sagte er. Ob sich die „Buden“ aber auch weiterhin füllen, bleibt abzuwarten.

Ein trübes Bild der Konsumlaune in Deutschland zeichnete am Montag eine Umfrage des Ifo-Instituts. Befragte Einzelhändler berichteten dort von einem spürbaren Kundenschwund - fast die Hälfte von ihnen beklagten weniger Kundschaft. Besonders frappierend für Ikea: Die Möbelhäuser schnitten in der Umfrage am schwächsten ab. Fast 79 Prozent von ihnen berichteten davon, dass weniger Kundinnen und Kunden kämen. Und auch Lieferengpässe treffen demnach die Möbelindustrie mit am härtesten.

Ikea spürt Folgen der steigenden Preise

Die steigenden Preise bei Ikea treffen das Unternehmen in seinem Markenkern, für die breite Gesellschaft erschwinglich zu bleiben. Auch deshalb betonte Kadnar, Preissteigerungen so gering wie möglich halten zu wollen. „Allerdings wird uns die Preisstabilität noch lange beschäftigen“, so Kadnar.

Dabei bleibt Deutschland der wichtigste Markt der Ikea-Gruppe, noch vor den USA, Frankreich und Großbritannien. Mit einem Marktanteil von neun Prozent ist Ikea Deutschlands größter Möbelhändler. Im Geschäftsjahr 2020/2021 hatte Ikea Deutschland coronabedingt einen Umsatzrückgang vermeldet und erstmals seit Jahren auch Marktanteile eingebüßt. Die Pandemie habe aber auch positive Trends angestoßen, so Kadnar. Viele Menschen arbeiteten auch über die Lockdowns hinaus zu Hause und legten Wert auf ihre Einrichtung. Zudem spielten Ikea Trends wie der zum Einpersonenhaushalt in die Karten. „Das Zuhause hat heute wieder einen Stellenwert bekommen wie zu Biedermeierzeiten“, so Kadnar.

Der Österreicher Kadnar leitet Ikea Deutschland erst seit Anfang Oktober, er folgte auf den Dänen Dennis Balslev. Zuvor war Kadnar in gleicher Funktion in Frankreich tätig. Weltweit hat das in Schweden gegründete Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um knapp sechs Prozent auf 39,5 Milliarden Euro gesteigert, wie die Ikea-Holding Ingka berichtete. (Jan Christoph Freybott)

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