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#IchBinArmutsbetroffen: Menschen am Existenzminimum vereinen sich auf Twitter

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Alles wird gerade teurer – das bekommen vor allem die zu spüren, die ohnehin wenig haben. Unter #IchBinArmutsbetroffen haben sich einige auf Twitter vereint.

Frankfurt – Lebensmittel, Gas, Strom, Benzin: Alles wird teurer – nicht zuletzt wegen der hohen Inflation. Die, die besonders wenig Geld haben, trifft es am härtesten. Laut einer aktuellen Berechnung des Paritätischen Gesamtverbands sind 13,8 Millionen Deutsche von Armut betroffen – das macht einen Anteil von 16,6 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland aus. Die Armut in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht.

Zwar hat die Bundesregierung bereits Entlastungen auf den Weg gemacht, weitere seien geplant, Geringverdienern komme momentan aber nur ein Bruchteil davon zugute – laut dem Paritätischen Gesamtverband zwei von 29 Millionen Euro. Dazu zählen mittlerweile nicht mehr nur Empfängerinnen und Empfänger von Sozialhilfe, sondern auch Arbeitslose, Berufstätige, Studierende, Rentnerinnen und Rentner.

Twitter-Hashtag: Unter „IchBinArmutsbetroffen“ vereinen sich Hartz-IV-Empfänger und Geringverdiener

In dem sozialen Netzwerk Twitter hat sich unter dem Hashtag „IchBinArmutsbetroffen“ eine ganze Reihe von Menschen zusammengefunden, die mit geringem Einkommen oder Hartz IV über die Runden kommen müssen. Sie teilen dort ihre Schicksale und Alltagserlebnisse zwischen Ausgrenzung, Abwertung und Angst, erfahren dort aber auch gegenseitige Unterstützung.

Gerade Hartz-IV-Empfänger trifft die Inflation hart.
Gerade Hartz-IV-Empfänger trifft die Inflation hart. © Peter Steffen/dpa

Manche von ihnen teilen zum Beispiel ihre Amazon-Wunschliste unter dem Hashtag „IchBinArmutsbetroffen“ – so wie Claudi: „Egal ob Lebensmittel oder anderes, mein Sohn und ich freuen uns über jeden, der uns eine Freude machen möchte. Bücher und Spiele, gern auch gebraucht“, schreibt sie dazu.

Andere, so wie Katinka, lassen einfach mal ihrem Frust freien Lauf: „Ich fühle mich total ausgeliefert und kraftlos. Inzwischen lebe ich mit Kind von 314 Euro. Ich bin inzwischen psychisch so fertig, dass ich immer wieder Fieber bekomme, kaum noch die Kraft habe irgendetwas zu machen, außer zu heulen. Jeder Tag ist eine Katastrophe, begleitet von Angst. Es wäre toll, wenn uns jemand vielleicht Gutscheine vom Lidl oder Aldi senden könnte, um die Zeit zu überbrücken“, lauten Auszüge ihres Twitter-Posts.

Hartz-IV-EmpfängerRegelsatz pro Monat
Alleinstehende und Alleinerziehende449 Euro
Partner (beide volljährig)404 Euro
14 bis 17-Jährige in einer Bedarfsgemeinschaft376 Euro
Über 25-Jährige ohne eigenen Haushalt360 Euro
Kinder im Alter 6 bis 13 Jahren311 Euro
Kinder bis 6 Jahre285 Euro (Sozialgeld)
Quelle: Bundesregierung

#IchBinArmutsbetroffen auf Twitter: Entlastungen für Hartz-IV-Empfänger und Geringverdiener gefordert

Auch eine Petition wurde unter dem Hashtag „IchBinArmutsbetroffen“ gestartet, die sich mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, Arbeitsminister Hubertus Heil, Finanzminister Christian Lindner und andere Abgeordnete des Bundestags richtet. Gefordert werden unter anderem armutsfeste Mindestlöhne, eine Grundsicherung für Kinder, die Abschaffung der Bedarfsgemeinschaft und die Anhebung von Regelsätzen „auf ein lebenswürdiges Niveau“.

Wie am Mittwoch, 6. Juli, offiziell beschlossen wurde, sollen Empfänger von Sozialleistungen im Rahmen des Entlastungspakets 2022 nun einen Corona-Bonus bekommen, berichtet die Kreiszeitung. Darauf hatte sich die Ampel-Koalition bereits im März geeinigt und den eigentlichen Betrag sogar verdoppelt. Bisher herrscht noch Verwirrung um den Termin der Auszahlung. Zudem steht eine weitere Änderung bevor: Hartz IV soll durch das Bürgergeld ersetzt werden. (Lea-Sophie Mollus)

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