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Vor der VW-Zentrale in Wolfsburg: Die Kläger hoffen am Ende auf einen Vergleich mit dem Autobauer.

Interview

"Ich denke da an einen Witz"

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Dirk Weddigen von Knapp vom Händlerverband Volkswagen und Audi über misstrauische Kunden und fragwürdige Abgasmessungen.

Herr Weddigen, Volkswagen oder den Töchtern wird Betrug bei den Abgaswerten vorgeworfen. Viele Kunden klagen gegen die Mitglieder Ihres Verbands, die Händler. Fühlen Sie sich an den Pranger gestellt?
Na klar. Uns geht es da nicht anders als den Herstellern. Dazu kommt, dass viele Partner besonders unter der Situation leiden, weil sie ihre Kunden stellenweise seit Jahrzehnten persönlich kennen. Da ist ein Vertrauensverhältnis entstanden, das nun erschüttert wird.

Wie stellt sich das aus Ihrer Sicht dar?
Kunden werden zumeist von Anwälten getrieben, deren Sicht auf die Dinge durchzuboxen. Auf diese Art und Weise müssen die Händler zeitweilig Kosten vorfinanzieren, bis sie die Gelder vom Werk zurückbekommen haben. Normalerweise wären diese Kosten zu vermeiden, weil wir mit unseren Kunden ein gutes Verhältnis pflegen und auch vernünftige Einigungen selbst herbeiführen können.

Wie wirkt sich das auf den Verkauf der Autos neuester Generation aus?
Sie haben es als Verkäufer permanent mit misstrauischen oder unzufriedenen Kunden zu tun. Die Verunsicherung ist ziemlich groß.

Sind Sie sauer auf Volkswagen?
Dass wir als Händler nicht glücklich sind mit der ganzen Dieselaffäre, ist doch sonnenklar. In der rechtlichen Auseinandersetzung sitzen wir zwischen Baum und Borke. Wir haben einen Lieferanten und stehen vor Gericht auch für ihn gerade. Auf der anderen Seite wollen wir unsere Kunden nicht verlieren. Das ist eine ärgerliche Situation.

Die kennen Sie aber durch die Übernahme der Gewährleistung für VW - oder?
Ja, aber hier reden wir über lauter spezielle Einzelfälle, nicht über massenhafte Klagen. Viele Klagen wurden doch in der Vergangenheit vermieden, weil Händler ihre Kunden gut kennen und ein maßgeschneidertes Angebot vorlegen, auf das Käufer gern eingehen. Das ist doch selbstverständlich.

Was halten Sie von den diskutierten Nachrüstungen?
Möglich ist alles. Ich erinnere gern daran, dass wir vor Jahren Katalysatoren eingebaut und die Fahrzeuge dadurch sogar etwas veredelt haben.

Sollten die Kunden an den Kosten beteiligt werden?
Das muss in der Dieselaffäre politisch beantwortet werden. Die Regierung schummelt sich bislang um die Antwort herum. Durch eine Nachrüstung würden die Autos ja besser. Nach meinen Erfahrungen sind Kunden bereit, sich daran zu beteiligen. Dabei ist die Höhe entscheidend. 

Wie beurteilen Sie das Handeln der Politik seit dem Dieselrückruf, dem Wertverfall der Autos und den gerichtlich verordneten Fahrverboten?
Welches Handeln meinen Sie denn? Der Dieselgipfel war in Wahrheit ein Dieseluntergang. Es ist eine Diskriminierung von Bürgern, wenn in 14 Städten Einfahrmöglichkeiten geschaffen werden, deren Umgebung und alle anderen Dieselfahrer aber außen vor bleiben. Und da war Mainz, wo letzte Woche ein Dieselfahrverbot erlassen wurde, noch gar nicht drin. Bürger, egal ob Autofahrer oder nicht, erwarten hier Antworten aus Berlin und keine inkonsequenten, kaum durchführbaren Pläne.

Was erwarten Sie von der Politik?
Dass sie zum Beispiel die Deutsche Umwelthilfe DUH stoppt, die sich das Wirrwarr europäischer Emissionsgrenzwerte, Umweltwerte und Effizienzwerte zunutze macht, um Hersteller und vor allem Händler abzukassieren und damit Fahrverbotsprozesse anzustrengen. Zudem erwarten wir, dass die europäischen Richtlinien zur Luftreinheit endlich richtig gelesen und gelebt werden. Die europäischen Nachbarn kommen beim Verfolgen unserer Debatten und Prozesse nicht aus dem Lachen heraus.

Wie meinen Sie das?
Ein Beispiel: Porto stellt seine Umweltmessstationen wie vorgeschrieben auf. Mit freiem 270-Grad-Feld, unbelastet von Stadtmauern oder anderen Begrenzungen. Alles in Ordnung. Wir stellen sie ans Stuttgarter Neckartor, rückseitig durch eine Wand abgegrenzt, unbelüftet also. Da fängt Politik an, die mit Bürgernähe nichts mehr zu tun hat. Ich denke da an einen Witz.

Ja?
Vor ein paar Tagen sah ich eine Einfahrverbote-Weltkarte. Sie war weiß, bis auf einen winzigen roten Punkt. Das war Deutschland.

Interview: Thoralf Cleven

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