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Die Studenten und Elon Musk (mit Kappe und Sonnenbrille) mit einer ihrer Kapseln.

Elon Musk

Hyperloop: Münchner Studenten sind am schnellsten

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Für die einen ist es Science Fiction, für andere revolutionäre Transporttechnologie. Studenten der Münchner Eliteuni TUM glauben an die Kapsel und gewinnen zum vierten Mal den Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk.

Sie haben noch einmal nachgemessen. „Es war neuer Weltrekord mit 482 Stundenkilometern“, sagt Sandra Ter. Die angehende Wirtschaftsingenieurin spricht von einer geschossförmigen Kapsel, mit der ein knapp 50-köpfiges Studententeam der Technischen Universität München (TUM) soeben erneut den Hyperloop-Wettbewerb von Milliardär Elon Musk gewonnen hat. Es war nicht das erste Mal. Auch bei den drei Vorgängerwettbewerben des futuristischen Rennens hatte das TUM-Team stets die Nase vorn. 2018 hatten die Münchner gegen andere Studententeams mit 467 Stundenkilometern pro Stunde gewonnen. Diesmal wurden erst 464 pro Stunde gemessen, was locker für den ersten Platz gereicht hatte. Die härteste Konkurrenz aus der Schweiz war bei 257 Kilometer pro Stunde gelandet. Eine Nachmessung hat das TUM-Team dann aber noch mal jubeln lassen.

So schnell wie die TUM-Studenten hat noch niemand eine Hyperloop-Kapsel durch eine luftleere Röhre gebracht, soweit das öffentlich bekannt ist. Denn geforscht wird auch im Geheimen. Vollends zufrieden sind die 22-jährige Ter und ihr ein Jahr älterer Kommilitone Toni Jukic dennoch nicht. Letzterer ist der Chef des TUM-Teams und seit drei Jahren mit dabei. Ter macht erst seit vorigem Herbst mit, kümmert sich um Kontakt zu Sponsoren und fungiert als eine Art Pressesprecherin. Denn das Münchner Studententeam meint es mit Hyperloop so ernst wie dessen geistiger Vater Musk.

Nur zwei Erdbeben im Vorfeld des diesjährigen Hyperloop-Wettbewerbs auf dem Gelände der Musk-Raumfahrtfirma Space X hätten verhindert, dass der Pod, wie das Transportgeschoss im Jargon heißt, halbe Schallgeschwindigkeit und damit 600 Kilometer pro Stunde erreicht, vermuten die Studenten. Die Beben haben wohl die 1,2 Kilometer Vakuum-Röhre, die als Rennstrecke dient, minimal verschoben, was man aber erst im Rennbetrieb bemerkt hat. „Das hat uns abgebremst“, glaubt Ter.

„Der Pod ist das Ergebnis einer vierjährigen Evolution“, sagt Jukic. So lange arbeiten TUM-Studenten schon an der Technologie und ihren Prototypen. „Wir haben jedes Jahr dazugelernt“, sagt der TUM-Teamleiter. Jetzt wird weiter getüftelt und verbessert. Auch eine Machbarkeitsstudie für eine deutsche Strecke haben die Münchner Studenten in Arbeit. Sie soll noch dieses Jahr fertig werden und die Idee für eine erste Strecke erst zum Frachttransport ohne Menschenbeförderung liefern. „Damit wollen wir dann die Politik auf uns aufmerksam machen“, erklärt Ter. Die Studenten haben vernommen, dass Bayerns Staatsregierung ein offenes Ohr für Hightech hat.

Ihnen ist klar, dass die Hyperloop-Idee von vielen als Science Fiction abgetan wird. Das war allerdings auch bei anderen Visionen von Musk so, aus denen dann der Elektroautopionier Tesla oder das private Raumfahrtunternehmen Space X geworden sind. Musks Firma für Hyperloop heißt zweideutig The Boring Company. Das kann man als die langweilige Firma oder die Bohrfirma übersetzen. Ersteres ist humorig, Letzteres hat einen ernsten Hintergrund.

Denn Hyperloop soll einmal Menschen in einer Pod genannten Kabine mit Schallgeschwindigkeit von über 1200 Kilometer pro Stunde durch unterirdische Röhren schießen, in denen Vakuum herrscht. Um die zu verlegen, müsste gegraben werden. Das System sei mindestens zehnmal so energieeffizient wie jede andere Transportmethode, haben Hyperloop-Experten berechnet. Auf jeden Fall sei die dazu nötige Infrastruktur billiger als die für S- und U-Bahnen oder andere Züge, meint Ter. Die Pods könnten eng getaktet durch Vakuum-Röhren geschossen werden, was hohe Transportkapazität erlaube.

Warentransport 2030 möglich

Das TUM-Team hält eine erste Strecke zum Warentransport in Deutschland etwa im Jahr 2030 für realistisch. Für Menschen dauere es länger, weil man enorme Beschleunigungs- und Bremskräfte in den Griff bekommen müsse. Auch Virgin Hyperloop One habe für die USA ähnliche Zeitpläne, weiß Ter. Das ist eine weitere US-Firma, die an der 2013 von Musk präsentierten Idee arbeitet und an zehn Strecken in den USA, Kanada, Mexiko, Indien und Großbritannien plant.

Der diesjährige Hyperloop-Wettbewerb in Los Angeles hat die TUM-Studenten mit dieser Firma und auch The Boring Company in Kontakt gebracht. Denn Experten für die Zukunftstechnologie sind rar und die dort aktiven Firmen betreiben intensive Talentsuche. Die Münchner Studenten sind begehrt, weil sie ihr Können nun schon mehrmals unter Beweis gestellt haben.

Einladungen zu Bewerbungsgesprächen habe es bereits gegeben, erzählt Ter. Ein harter Kern des TUM-Teams denkt ehrgeiziger. Die zu den elf deutschen Exzellenz-Universitäten zählende TUM hat in anderen Bereichen schon einige Startups hervorgebracht. „Auch unsere Uni sieht viel Potenzial in der Hyperloop-Technologie“, sagt Ter. Die Ausgründung eines Startups dafür sei jedenfalls eine Option für die Zukunft. Noch bestehe aber großer Forschungsbedarf, wofür die TUM derzeit noch das beste Dach biete. Einige ihrer Kommilitonen seien in Gedanken aber bereits bei einem Hyperloop-Startup, verrät die 22-Jährige.

Die Kapseln der Zukunft

Bei Elon Musks alljährlichem Hyperloop-Wettbewerb in Los Angeles wird auf der Teststrecke noch auf Schienen gefahren. Sollte die Technologie einmal spruchreif werden, ist ein magnetischer Schwebeantrieb vorgesehen. Auch dafür hat das Münchner TUM-Studententeam bereits einen Prototypen entwickelt. Dafür haben sie aber keine eigene Teststrecke. Auf Schiene testen die Studenten auf dem TUM-Parkplatz auf einer rund 200 Meter langen Strecke. 

Hyperloop-Kapseln zum Transport von Menschen oder Waren sollen einmal durch luftleere Röhren geschossen werden. Ein solches Vakuum konstant auf langen Strecken zu schaffen, gilt als eine der größten technologischen Hürden. Auch deutsche Firmen wie Infineon glauben an die Idee. Der Münchner Chipkonzern sponsert das TUM-Team mit moderner Technik wie 288 Leistungshalbleitern und 24 Sensoren. 

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