Carbonfasern

Hyperloop und Bakterien-Strom

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Das Unternehmen SGL Carbon stellt Innovation in den Vordergrund - der Umsatz steigt.

Aus salzigem Meerwasser trinkbares Süßwasser zu erzeugen, könnte in einer Welt mit zunehmender Trinkwasserknappheit immer wichtiger werden. Existierende Verfahren arbeiten gut, sind aber sehr energieintensiv und damit teuer. Zudem ist die Senkung des Stromverbrauchs wichtig für den Klimaschutz. Eine Lösung könnten Bakterien aus dem Abwasser sein. In Spanien wird gerade eine Forschungsanlage gebaut, die Meerwasser mit deutlich weniger Energie entsalzen soll als bisherige Anlagen, indem der Strom von Bakterien hergestellt wird.

Die Entsalzungszellen bestehen aus Carbonfasern des Wiesbadener Unternehmens SGL Carbon - die extrem dünnen Fasern bieten den Bakterien Halt und leiten den von ihnen produzierten Strom weiter.

Bei SGL haben sie ständig mit solchen Zukunftsprojekten zu tun. Das Hyperloop-Team der TU München, das vor kurzem zum vierten Mal den Wettbewerb von Tesla-Gründer Elon Musk gewonnen hat, konstruiert seine Transportkapseln, in denen irgendwann Menschen und Güter mit Überschallgeschwindigkeit durch eine Röhre sausen sollen wie früher die Rohrpost, ebenfalls mit Hilfe von SGL Carbon.

In der Nähe von Karlsruhe steht ein turnhallengroßer Energiespeicher, der ein ganzes Dorf für einen Tag mit Strom versorgen kann - gespeist beispielsweise aus zuvor eingespeicherter Wind- oder Solarenergie. Um den Speicher zu bauen, wurden Batteriefilze und Bipolarplatten von SGL verwendet.

Leichtbau mittels carbonfaserverstärktem Kunststoff klingt da fast schon altbacken, ist aber eine Technologie mit Zukunftspotenzial. Eingebaut wird sie bereits etwa in Autos von Audi, BMW oder Volvo. Genau dieser Bereich CFM, den SGL eigentlich wegen höherer Margen stärken will, lief im ersten Halbjahr 2019 aber nicht so gut wie der zweite Geschäftsbereich GMS, der Graphit als Werkstoff liefert.

Insgesamt ist SGL zufrieden: Im ersten Halbjahr lag der Umsatz bei 562 Millionen Euro, sechs Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2018. Der Gewinn ist auf 10,1 Millionen Euro gesunken, nachdem er im Vorjahr mit 47,3 Millionen wegen eines Sondereffekts besonders hoch war. Die Firma hält trotz schlechterer Konjunktur an ihren Zielen für das Gesamtjahr fest.

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