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Pressefreiheit

Humor und Respekt

  • Gerlinde Manz-Christ
    VonGerlinde Manz-Christ
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Was das Beispiel Böhmermann uns lehrt

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, sagt der Volksmund und meint damit die Fähigkeit, angesichts herausfordernder Situationen den Spaß nicht zu verlieren. Humor bedeutet auch, über sich selbst lachen zu können. Der Diplomat bedient sich seiner dann, wenn er für Deeskalation sorgen oder auf Missstände verweisen will. Man kann darüber streiten, wie ausgeprägt der Sinn für Humor beim türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ist. Unstrittig hingegen ist, dass der deutsche TV-Moderator Jan Böhmermann mit seiner Art des Humors die Grenzen des Respekts überschritten hat. Hätte Erdogan auch gegen Böhmermann Anzeige erstattet, wenn dieser mit dem feinen Humor der Diplomatie gearbeitet hätte?

Deutliche Worte sind auch hier erlaubt, aber sie verzichten darauf, Menschen bloßzustellen und unter die Gürtellinie zu gehen. In Unternehmen kann Humor zum guten Betriebsklima beitragen – oder zur Verschlechterung führen. Nämlich dann, wenn Kollegen ständig Witze auf Kosten anderer machen, um sich im Gelächter der vom Witz verschonten zu sonnen. Oder wenn ein Chef vermeintlichen Humor nutzt, um Mitarbeiter verbal zu lynchen.

Zurück bleiben in beiden Fällen Teammitglieder, die sich gedemütigt fühlen und gekränkt sind. Das schürt alles andere als Loyalität oder Kollegialität. Der Klang zerbrochenen Porzellans hallt lange nach.

Unterstellen wir, das Ziel der Böhmermannschen Verbalattacke war, uns zum Nachdenken anzuregen, was Erdogan angeht. Hätte sich dies nicht besser erreichen lassen, wenn seine Worte deutlich, aber nicht menschenverachtend ausgefallen wären? Längst reden wir über Strafverfolgung, das Abwägen staatlicher Interessen, den Verlust von Pressefreiheit. Der Inhalt der Kritik ist mittlerweile weniger interessant als der Umgang mit ihr.

Humor kann ein geeignetes Transportmittel für Kritik sein, aber der Ton macht die Musik. Mit puren Beleidigungen lassen sich Ziele nicht erreichen. Wie wir mit Worten umgehen, spielt nicht nur im interkulturellen Umgang, sondern auch in Unternehmen eine entscheidende Rolle. Aus einem respekt- und verantwortungslosen Gebrauch erwachsen Konflikte, keine Kritikfähigkeit.

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