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Huawei steht in der Kritik.

Handelskonflikt

Huawei, Donald Trumps Lieblingsfeind

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Die USA verschärfen ihr Vorgehen gegen Chinas Telekom-Riesen Huawei.

Der chinesische Technologiegigant Huawei steht im Verdacht der Industriespionage. US-Medien berichten, Ermittlungsbehörden in Seattle hätten bereits umfängliches Beweismaterial gesammelt. Eine Anklage stehe unmittelbar bevor. In den Fall ist auch die Telekom-Tochter T-Mobile US verwickelt – auf der Seite der Opfer. Nun macht sich die Bundesregierung Gedanken über Sicherheit der geplanten neuen Mobilfunknetze. 

Auch Verbraucherschützer schlagen Alarm. Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Klaus Müller, mahnt: „Das Thema Sicherheit sollte in der Debatte um den Netzausbau grundsätzlich eine größere Rolle spielen – auch unabhängig von der jetzigen Diskussion um Huawei“, sagte er auf Anfrage. „Hier geht es sowohl um den Schutz der Daten des einzelnen Verbrauchers als auch um den Schutz der vernetzten Wirtschaft.“ Müller fügte hinzu: „Adäquate Sicherheitsanforderungen an das Mobilfunknetz sollten genauso relevant sein wie der zügige flächendeckende Ausbau.“

Huawei ist eine der wichtigsten und zugleich verschwiegensten Tech-Firmen weltweit. Das 1987 gegründete Unternehmen ist mittlerweile der zweitgrößte Smartphone-Hersteller und die Nummer eins in der Netzwerktechnik für den Mobilfunk. Das alles war nur mit massiver Unterstützung durch den chinesischen Staat möglich. Ein linientreuer Manager steht an der Spitze des Konzerns: Ren Zengfei. Er war früher Major der Volksbefreiungsarmee. Ren betonte aber kürzlich, dass er nichts tun werde, womit er einem Land schade. Aber: In China sind Firmen verpflichtet, Behörden Daten zur Verfügung zu stellen, wenn es um Belange der nationalen Sicherheit geht, was weit gefasst werden kann. 

Huawei gehört indes zu den Lieblingsfeinden von US-Präsident Donald Trump. Aber auch seine Geheimdienste haben mehrfach vor der Nutzung der chinesischen Technik gewarnt. Sie vermuten, dass in Handys und Netzwerk-Komponenten Abhörtechnik eingebaut sein könnte. Technisch ist viel möglich, zumal solche Vorrichtungen auch von Experten nur schwer zu entdecken sind. Beweise für Spionage wurden bislang aber nicht publik. 

Laut Finanzdienst Bloomberg spielt bei den Ermittlungen in Seattle nun auch eine Rolle, dass Huawei-Leute bei einem Besuch des Mobilfunkers T-Mobile US, ein Gerät gestohlen haben, mit dem Smartphones getestet werden. Der chinesische Konzern ließ am Donnerstag mitteilen, dass dieser Fall schon 2017 beigelegt wurde, das Gericht habe weder einen Schaden noch böswilliges Verhalten festgestellt. 

Die US-Regierung macht derweil heftig Druck auf westliche Regierungen, Huawei bei der Vergabe von Aufträgen für den neuen Mobilfunkstandard 5G auszuschließen. Laut Handelsblatt prüft auch nun die Bundesregierung, wie Huawei beim Aufbau der neuen Netze außen vor bleiben kann. Die Funkfrequenzen dafür sollen demnächst versteigert werden. 

Huawei steht auch durch Vorwürfe wegen Bankbetrugs im Zusammenhang mit der Verletzung der Sanktionen gegen den Iran unter Druck. Die Tochter des Huawei-Gründers, Finanzchefin Meng Wanzhou, wurde deswegen in Kanada festgenommen. Die Top-Managerin, die bis zur Entscheidung über eine Auslieferung an die USA gegen Kaution aus der Haft entlassen wurde, aber in Vancouver bleiben muss, streitet dies ab.

Ihr Fall ist ein Politikum und belastet die Beziehungen zwischen Kanada und China. Nach ihrer Festnahme wurden in China zwei Kanadier festgenommen – der ehemalige Diplomat und Vertreter der unabhängigen internationalen Crisis-Group, Michael Kovrig, und der Geschäftsmann und Korea-Experte Michael Spavor. Ihnen werden Aktivitäten vorgeworfen, die „die nationale Sicherheit gefährden“. (mit dpa)

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