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Die EU-Kommission hatte zuletzt vor 5G-Technik-Anbietern von außerhalb der EU gewarnt.

Netzaufbau

5G: Huawei darf offenbar doch Teile liefern

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Der Aufbau des 5G-Netzes in Deutschland kommt nicht so recht in Gang. Die Bundesregierung denkt deshalb darüber nach, die Klausel, die den chinesischen Telekomriesen ausschließen würde, aus dem Sicherheitskatalog zu streichen.

Offenbar verzichtet die Bundesregierung beim Aufbau des 5G-Mobilnetzes darauf, Huawei auszuschließen. Stattdessen setzt sie darauf, dass der chinesische Telekommunikationsausrüster bei Problemen mit Spionage oder Sabotage in Regress genommen werden kann. Die Deutsche Telekom kündigte derweil an, ihre Beschaffungsstrategie zu überdenken.

„Systeme dürfen nur von vertrauenswürdigen Lieferanten bezogen werden“, hieß es noch im Frühjahr seitens der Bundesnetzagentur zu den Anforderungen, die die Provider beim Ausbau der 5G-Datenübertragung erfüllen sollten. Die damaligen Eckpunkte waren auch eine Reaktion darauf, dass Sicherheitsexperten und die US-Regierung in der Technik von Marktführer Huawei ein Sicherheitsrisiko sahen. Denn Huawei würde unter Umständen nicht nur Chips und Antennen liefern, sondern auch die Software, mit der diese betrieben werden – ein mögliches Einfallstor für chinesische Spionage. Auch die EU-Kommission hatte zuletzt vor 5G-Technik-Anbietern von außerhalb der EU gewarnt.

Der finale Sicherheitskatalog soll nun aber keine Klausel enthalten, die ausdrücklich einen nicht-vertrauenswürdigen Anbieter – also möglicherweise Huawei – vom Aufbau der 5G-Infrastruktur ausschließen würde, berichtet unter anderem das „Handelsblatt“. Stattdessen wolle sich die Bundesregierung damit begnügen, von den Herstellern der 5G-Technik eine Vertrauenswürdigkeitserklärung zu verlangen. Tauchen später trotzdem Sicherheitsprobleme auf, könnte die Bundesregierung die Provider zwingen, die entsprechende Technik abzubauen. Die Provider könnten dann bei den Herstellern Schadensersatzansprüche geltend machen.

Den neuen Ansatz bestätigt die Bundesregierung bislang nicht. Es solle kein Akteur von vornherein ausgeschlossen werden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das sei aber ein unveränderter Ansatz. Er betonte zugleich, dass die Bundesregierung beim Ausbau des 5G-Netzes für eine kontinuierliche Überprüfung der Sicherheit sorgen wolle. Federführend dabei könnte laut „Handelsblatt“ das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sein, das die Technik in kritischen Bereichen des 5G-Netzes durchleuchten solle.

Die Telekommunikationsanbieter wollen ungern auf Huawei-Technik verzichten. Das Unternehmen biete guten Service und sei als Marktführer schwer zu ersetzen, heißt es in der Branche.

Ohne Huawei wird’s teurer

Bislang nutzen alle deutschen Mobilfunk-Provider Technik von Huawei, oft kombiniert mit Produkten anderer Hersteller. Trotzdem ginge es kaum ohne die Technik aus China, heißt es bei Vodafone. „Ein Verbot würde dazu führen, dass der 5G-Ausbau wesentlich teurer und sich erheblich verzögern würde“, erklärte ein Sprecher.

Auch die Telekom bestätigte, bislang unter anderem Geräte von Huawei zu verbauen. „Vor dem Hintergrund der laufenden Expertendiskussion bewertet die Telekom derzeit ihre Beschaffungsstrategie neu“, teilte allerdings ein Sprecher mit. Noch sei nicht entschieden, mit welchen Herstellern das Unternehmen das 5G-Netz aufbauen wolle. Zugleich drängt aber die Zeit, die 5G-Frequenzen sind längst versteigert. Der Branchenverband Bitkom wünscht sich deshalb eine schnelle Entscheidung in Sachen Anforderungskatalog.

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