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In der Corona-Pandemie sollen mehr Erwerbstätige im Homeoffice arbeiten. Doch das ist nicht in jedem Beruf möglich.
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In der Corona-Pandemie sollen mehr Erwerbstätige im Homeoffice arbeiten. Doch das ist nicht in jedem Beruf möglich.

Regeln zum Homeoffice

Homeoffice muss ab jetzt möglich sein – Diese Regeln gelten ab sofort

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Um Corona-Infektionen zu verhindern, sollen Unternehmen künftig Homeoffice möglich machen, wo immer es geht. Das müssen Sie zu den neuen Regeln wissen.

  • Der Kampf gegen Corona geht weiter – mit verlängerten Regeln und einer neuen Regelung zum Homeoffice.
  • Die Homeoffice-Regeln werden über eine Verordnung des Bundesarbeitsministeriums festgelegt.
  • Künftig soll Arbeitnehmern Homeoffice möglich gemacht werden, „soweit dies nach den betrieblichen Gegebenheiten möglich ist“.

Im ersten Corona-Lockdown im April 2020 arbeiteten 27 Prozent der deutschen Erwerbstätigen im Homeoffice, derzeit sind es nur 14 Prozent der Erwerbstätigen. Doch durch hohe Corona-Infektionszahlen und die Sorge vor neuen, ansteckenderen Corona-Varianten wie der Corona-Mutante B.1.1.7 aus Großbritannien wuchs zuletzt der Druck auf die Politik: Mehr Erwerbstätige sollten vorübergehend ins Homeoffice umziehen, so die persönlichen Kontakte weiter reduzieren und mithelfen, das Coronavirus einzudämmen. Beim Corona-Gipfel im Bundeskanzleramt wurde am 19. Januar 2021 beschlossen: Das Bundesarbeitsministerium wird das Homeoffice über eine Verordnung regeln, die vorerst bis zum 15. März 2021 gelten soll.

Was über die neuen Homeoffice-Regeln bisher bekannt ist:

  • Arbeitgeber:innen müssen Beschäftigten Homeoffice anbieten, wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen.
  • Beschäftigte sind rechtlich nicht verpflichtet, das Homeoffice-Angebot anzunehmen.
  • Die Verordnung zum Homeoffice soll voraussichtlich am 27. Januar 2021 in Kraft treten und ist befristet bis 15. März 2021.
  • Kontrolliert werden sollen die Regeln durch die Arbeitsschutzbehörden.
  • Wer nicht im Homeoffice arbeiten kann, soll im Unternehmen besser geschützt werden.

Corona in Deutschland: Unternehmen müssen Homeoffice anbieten

In der Verordnung zum Homeoffice heißt es, Arbeitgeber hätten Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstünden. In den Erläuterungen zur Verordnung spricht das Ministerium von einer „Pflicht“, Homeoffice anzubieten, „soweit dies nach den betrieblichen Gegebenheiten möglich ist“.

Die Botschaft sei klar, findet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU): „Überall dort Homeoffice, wo es geht, aber eben auch nur dort, wo es geht“. Es gebe ja auch viele Berufe, die gar nicht von zu Hause aus ausgeübt werden könnten. Altmaier erwartet, dass Kontrollen in den Betrieben ganz selten nötig seien, „weil alle Beteiligten sich ihrer Verantwortung bewusst sind“. Doch die Möglichkeit, die Einhaltung der Homeoffice-Regeln zu prüfen, gibt es: Arbeitsminister Heil warnte Arbeitgeber davor, die Möglichkeit zum Homeoffice willkürlich zu verneinen und kündigte Kontrollen an: „Sie müssen klar sagen, wo es geht - und auch, wo es nicht geht. Wo es möglich ist, sollen sie es ermöglichen und das wird im Zweifelsfall auch von Arbeitsschutzbehörden überprüft.“

Homeoffice-Verordnung: Beschäftigte müssen Angebot nicht annehmen

Für die Beschäftigten besteht dagegen keine Verpflichtung zur Annahme eines Homeoffice-Angebots. „Wir können Beschäftigte nicht dazu zwingen, dazu gibt es keine Rechtsgrundlage“, betonte Heil in einem Pressestatement. Durch die neue Verordnung sollen auch jene geschützt werden, die nicht im Homeoffice arbeiten können. Mehr Homeoffice führe dazu, dass weniger Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzten. „Davon haben auch die etwas, die nicht im Homeoffice arbeiten können und mit Bus und Bahn zur Arbeit pendeln“, so Heil. In den Betrieben müssten die Arbeitgeber darauf achten, dass „Kontakte am Arbeitsplatz so weit wie möglich reduziert werden“

Homeoffice wegen Corona: Kritik aus der Wirtschaft

Die neuen Homeoffice-Regeln sind noch nicht in Kraft, da kommt bereits erste Kritik aus der Wirtschaft: Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, nannte die beschlossenen Vorgaben für mehr Homeoffice nach dem Bund-Länder-Gipfel „inakzeptabel“. Noch im November habe Heil verkündet, von diesem Vorhaben abzusehen. „Dieses nun unter dem Etikett der Pandemiebekämpfung einzubringen, erweckt den Eindruck, als nutze der Minister die Pandemie für parteipolitische Zwecke“, teilte Zander mit.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) regelt das Homeoffice in der Pandemie per Verordnung.

Andere – etwa der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat eine andere Perspektive auf die Beschlüsse zum Homeoffice: „Es ist eine wichtige Nachricht für viele Handwerksbetriebe und ihre Beschäftigten, dass es jetzt erst einmal nicht zu einem kompletten Wirtschafts-Lockdown kommt“, so ZDH-Präsident Peter Wollseifer nach dem Corona-Gipfel. „Damit ein solch harter Lockdown auch künftig ausgeschlossen bleibt und damit - im Gegenteil - die derzeit geschlossenen Handwerksbetriebe endlich wieder arbeiten können, kommt es jetzt umso mehr auf konsequenten Gesundheitsschutz an.“

Homeoffice-Verordnung: „Es wurden zu viele Büros offengelassen“

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sieht die neuen Homeoffice-Regeln positiv: „Es ist gut, dass die Arbeitgeber jetzt per Verordnung zu mehr Homeoffice-Angeboten gebracht werden sollen“, so Montgomery gegenüber der „Rheinischen Post“. „In dieser zweiten Welle wurden noch viel zu viele Büros offengelassen. Es gab sogar Unabkömmlichkeitserklärungen, die an Arbeitnehmer verschickt wurden, obwohl dies nicht unbedingt nötig gewesen wäre.“ Aus seiner Sicht haben Arbeitgeber:innen „einen Anteil daran, dass die Infektionszahlen noch einmal so stark steigen konnten“.

Wie Homeoffice Corona-Infektionen senken könnte

Eine Umfrage der Vereinigung bayerische Wirtschaft (vbw) zeigt, dass fast 40 Prozent der Arbeitsplätze in den etwa 5700 teilnehmenden Unternehmen mit mehr als 1,3 Millionen Beschäftigten für Homeoffice geeignet sind. Vor der Corona-Krise hätten 26,5 Prozent der Beschäftigten, für die es möglich war, im Homeoffice gearbeitet, im ersten Corona-Lockdown sei der Anteil der Beschäftigten auf 72,6 Prozent gestiegen. Derzeit arbeiten der Umfrage zufolge 71,7 Prozent der Beschäftigten mit Homeoffice-geeigneten Arbeitsplätzen von zu Hause aus.

Bleiben mehr Beschäftigte im Homeoffice, könnte das die Zahl der Corona-Infektionen deutlich verringern, zeigen Berechnungen von Forschenden um den Ökonomieprofessor Hans-Martin von Gaudecker. Erhöhe sich die Homeoffice-Quote von derzeit geschätzten 25 Prozent auf 35 Prozent, könnte die Zahl der Corona-Neuinfektionen dadurch Ende Februar um gut ein Viertel geringer sein. (Tanja Banner mit Agenturen)

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