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Corona zwingt zum Homeoffice: Wer zahlt, wenn der eigene PC kaputt geht?

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Weil weltweit das Coronavirus wütet, zeigt sich Deutschland flexibel. Viele Menschen arbeiten im Homeoffice. Doch wer zahlt, wenn der eigene PC kaputt geht?

Update vom 1. April 2020: Deutschlandweit sind viele Menschen zum Homeoffice gezwungen. Weil das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 weltweit wütet, sehen sich viele Arbeitgeber dazu gezwungen, die Belegschaft von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Doch wer trägt eigentlich die Mehrkosten? Schließlich müssen einige Arbeitnehmer den eigenen PC oder Laptop für die Arbeit im Homeoffice nutzen. Was passiert, wenn dieser jetzt kaputt geht?

„Grundsätzlich hat der Arbeitgeber die nötigen Betriebsmittel zur Verfügung zu stellen, die für die Erbringung der Arbeitsleistung nötig sind. Dies gilt auch im Homeoffice“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Christian Helmrich von der auf Arbeitsrecht spezialisierten Kanzlei AFA gegenüber „fr.de“*. Daher sei der Arbeitnehmer nicht verpflichtet, regelmäßig mit seinem eigenen PC zu arbeiten. 

Ist dies dennoch der Fall, kann der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber Aufwendungsersatz fordern. Und: „Geht der private PC kaputt, ist - soweit keine gegenteilige Vereinbarung getroffen wurde - grundsätzlich der Arbeitgeber verpflichtet, Ersatz zu beschaffen“, betont Helmrich weiter. Bezahlen muss der Arbeitgeber seinen Angestellten dann übrigens dennoch weiter, bis der PC ersetzt wurde, „auch wenn er seine Arbeitsleistung nicht erbringen kann.“

Corona zwingt zum Homeoffice: Wer zahlt eigentlich die Mehrkosten - und was kann ich absetzen?

Erstmeldung vom 31. März 2020: Homeoffice ist vielleicht das Wort der Stunde. Weil weltweit das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2* wütet, sind die Menschen dazu angehalten, von zu Hause aus zu arbeiten - wenn möglich. Die Ansteckung und Weitergabe des Virus soll vermieden werden, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) täglich betonen. Deutschland zeigt sich größtenteils flexibel und so mancher Esstisch dürfte mittlerweile schon die Staubränder eines Laptops aufweisen. Homeoffice lässt grüßen.

Die eigenen vier Wände werden zum Büro umfunktioniert, oftmals sogar der eigene PC oder Laptop zum Arbeitsgerät erhoben. Doch wer zahlt eigentlich die ganzen Mehrkosten? Und was lässt sich von der Steuer absetzen? 

Homeoffice wegen Corona: Wer zahlt die Mehrkosten und was kann ich von der Steuer absetzen?

Wer mit dem eigenen Laptop für das weiterführende Wohl seines Arbeitgebers sorgt, stellt sich in diesen Tagen und Wochen sicherlich häufiger die Frage: Wer zahlt mir das eigentlich? Lässt sich der Laptop jetzt von der Steuer absetzen*? Gilt das möglicherweise sogar für den Stuhl, auf dem ich sitze und für den Tisch, an dem ich arbeite? 

Jein, klärt der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH) auf. Nach aktuellem Steuerrecht lassen sich Kosten fürs Homeoffice nur dann absetzen, wenn der Arbeitnehmer zu Hause ein eigenes Arbeitszimmer hat. 

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Coronakrise zwingt zum Homeoffice: Kosten nur schwer von der Steuer abzusetzen

Das dürfte in der aktuellen Lage jedoch nur bei den Wenigsten der Fall sein. Die meisten Arbeitnehmer, die nun wegen der Coronakrise im Homeoffice sitzen, haben ihren Arbeitsplatz irgendwo zwischen Playstation-Konsole und Speisekammer. Das Arbeitsgerät ist oft der eigene Laptop oder PC mit Login-Zugriff auf den betrieblichen Server. 

Schließlich soll der aktuelle Zustand in Zeiten von Corona nur eine Übergangslösung sein. Bis alles wieder normal ist. Bis Corona nicht mehr ist. Wer richtet sich also jetzt extra ein ganzes Zimmer dafür ein, wenn es nicht schon vorab existierte? 

Kosten bei Homeoffice wegen Corona: Was das Finanzamt nicht anerkennt

Klar ist: Mit Laptop am Küchentisch im Homeoffice sitzen, erkennt das Finanzamt nicht an. Das Arbeitszimmer muss fast ausschließlich für den Beruf genutzt werden, klärt VLH auf. Wer ein Arbeitszimmer hat, wird dementsprechend Kosten von der Steuer absetzen können. Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit, können die Kosten in voller Höhe abgesetzt werden. 

Viele Menschen arbeiten während der Coronakrise im Homeoffice.

Wird das Zimmer jedoch nur für bestimmte berufliche Zwecke verwendet, können maximal 1.250 Euro im Jahr als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Das gilt zum Beispiel für Lehrer.

Mehrkosten im Homeoffice dank Coronavirus: Wozu der Arbeitgeber verpflichtet ist

Die Arbeitnehmer, die aufgrund der Corona-Pandemie im Homeoffice sitzen, aber kein separates Arbeitszimmer haben, gehen leer aus. Nicht ohne Grund empfiehlt die VLH, die Bestimmungen angesichts der Coronakrise zu lockern, um auch die Kosten für eine Arbeitsecke absetzbar zu machen. 

Doch die Geschichte mit der Steuer ist nur die halbe Wahrheit. Bei all dem Umfunktionieren und den Corona-Nachrichten fällt nämlich gerne mal hinten runter, dass der Arbeitgeber eigentlich vertraglich dazu verpflichtet ist, den Heimarbeitsplatz seiner Angestellten komplett auszustatten. Heißt übersetzt: PC, Laptop, Bildschirm, Tastatur, Maus, Schreibtisch, was eben so nötig ist. 

Homeoffice wegen Corona sorgt für Mehrkosten: Das empfiehlt ein Experte

In der Theorie muss der Arbeitgeber sogar darauf achten, dass alle Arbeitsschutzauflagen eingehalten werden. „Stellt der Arbeitgeber keine Arbeitsmittel zur Verfügung, besteht grundsätzlich ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Erstattung der mit der Einrichtung des Arbeitsplatzes verbundenen Kosten“, erklärt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht, bei „RTL“. 

Da die tatsächlichen Kosten in der Realität allerdings oftmals nur schwer zu ermitteln sind, sieht die Praxis anders aus. Zwar dürfte jedem klar sein, dass Homeoffice die Stromrechnung erhöht, der genaue Wert dürfte aber nur schwerlich auf den Cent genau zu beziffern sein. Görzels Tipp: „Ich empfehle meinen Mandanten, eine monatliche Aufwandspauschale in Höhe von 50 Euro zu vereinbaren.“ 

Das ginge entweder über eine individuelle Vereinbarung oder aber über den Betriebsrat. Dann aber bitte nicht per direkten Kontakt. Schließlich gilt in Deutschland ein bundesweites Kontaktverbot wegen Corona*.

Coronavirus zwingt zum Homeoffice: Wie gehe ich mit Mehrkosten um?

Auch die VLH hat Empfehlungen für Arbeitnehmer im Homeoffice parat: 

  • Egal, ob mit oder ohne separates Arbeitszimmer: Arbeitnehmer sollten sich eine schriftliche Bescheinigung ihres Arbeitgebers geben lassen, in welchem Zeitraum ihr Arbeitsplatz im Unternehmen nicht zur Verfügung stand und der Arbeitnehmer daher im Homeoffice* arbeiten musste 
  • Zudem sollen Arbeitnehmer exakt aufzeichnen, wann sie ihre Arbeitsecke oder -zimmer genutzt haben (Datum, Stunden)
  • Rechnungen für Arbeitsmaterial oder auch Strom- und Telefonkosten sollten aufgebewahrt werden

Grundsätzlich gilt laut VLH: Je genauer die Aufzeichnungen und Nachweise sind, umso größer ist die Chance, dass das Finanzamt die Aufwendungen anerkennt. 

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Rubriklistenbild: © picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

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