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Hohe Stückzahlen, niedrige Kosten

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Von: Katharina Frohne

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Gleichförmig, aber hell und freundlich: die neue Modulbauweise als Simulation.
Gleichförmig, aber hell und freundlich: die neue Modulbauweise als Simulation. © C. Bloch/Max Bögl Modul AG

Seriell hergestellte, mehrgeschossige Fertighäuser sollen für erschwinglichen Wohnraum sorgen.

Eine bezahlbare Mietwohnung zu finden, ist längst nicht mehr nur in München, Frankfurt oder Berlin ein Problem. In einem Drittel aller deutschen Kommunen fehlt es laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos an erschwinglichem Wohnraum. Um den Bedarf in Deutschland zu decken, müssten nach Einschätzung der Regierung bis Ende der Legislaturperiode 1,5 Millionen neue Wohnungen entstehen.

Das Problem: Die Planung und Prüfung neuer Bauten frisst viel Zeit. Zeit, die sich durch serielles Bauen deutlich reduzieren ließe – so versprechen es zumindest der Wohnungswirtschafts-Verband GdW, das Bundesbauministerium, die Bundesarchitektenkammer und Partner aus dem Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen. Im vergangenen Jahr hatten sie einen europaweiten Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben, deren Ergebnisse am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden.

Die Idee: Seriell herzustellende, mehrgeschossige Fertigwohnhäuser, die sich schnell und vergleichsweise günstig bauen lassen. Rund 50 Bewerbungen wurden eingereicht, neun Gewinnerentwürfe ausgewählt. Aus ihnen sollen Wohnungsunternehmen künftig wie aus einem Wohnhaus-Katalog wählen können. Bundesbauministerium, Wohnungswirtschaft, Bauindustrie und Bundesarchitektenkammer haben dazu eine Rahmenvereinbarung über fünf Jahre unterzeichnet.

Alle Entwürfe eint, dass sie aus so genannten Modulen bestehen, also vorgefertigten Gebäudeteilen, etwa Balkonen oder Badzellen, die sich auf verschiedene Weise zusammensetzen lassen. Durch die Fertigbauweise sollen die Bauten nicht nur deutlich schneller fertiggestellt werden können, sie sollen sich außerdem flexibel an unterschiedliche Grundstücksgrößen anpassen lassen. Baulücken in den Städten sollen so vergleichsweise schnell geschlossen und vorhandene Stadtquartiere ausgebaut werden können. Auch finanziell soll sich das serielle Bauen rentieren: Hohe Stückzahlen für die industriell vorgefertigte Module sollen Kosten sparen.

Weg vom Unikat und hin zum Massenprodukt: Das Bauen in Serie weckt in vielen die Angst vor neuen Plattenbausiedlungen. Könnte die Platte also eine Renaissance erleben? Nein, sagt Baustaatssekretär Gunther Adler. Die Gebäude hätten lediglich die praktische Modulbauweise mit den tristen Kästen der 60er- und 70er-Jahre gemein. Er spricht von architektonischer Qualität und hohen baukulturellen Ansprüchen – und meint damit: Was künftig das Bild deutscher Städte prägen könnte, soll nicht nur praktisch sein, es soll auch gut aussehen.

Die Entwurfszeichnungen zeigen schlichte Wohnhäuser mit Flachdach, bodentiefen Fenstern, Holzapplikationen, Balkonen und Laubengängen. „Designerkleidung als Stangenware“, hatte die ehemalige Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) gesagt, als sie das Projekt vergangenen Sommer vorstellte. Denn die Modulbauten sollen zwar modernen ästhetischen Standards genügen, aber auch günstig sein. Nach Angaben des GdW liegt der Preis mit im Schnitt 2370 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche deutlich unter den 2444 Euro pro Quadratmeter, die der Bau eines herkömmlichen Mehrfamilienhauses in Großstädten bereits 2016 gekostet hat.

„Es muss möglich sein, dass ein Normalverdiener in eine Mietwohnung einziehen kann, ohne dass sie staatlich gefördert ist“, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Der erste Schritt zu mehr Wohnraum sei mit dem neuen Rahmenvertrag gegangen. Nun sei es an den Ländern, mitzuziehen. Sie müssten eine bundesweite Typengenehmigung schaffen, um langwierige Prüfverfahren für jedes einzelne Bauvorhaben zu umgehen. Außerdem müssten die Kommunen Grundstücke zur Verfügung stellen. Auch das beste Konzept nütze nichts, wenn es kein bezahlbares Bauland gebe.

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