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Ist die österliche Reiselaune der Deutschen schuld an den hohen Spritpreisen?

Benzin und Diesel

Die Osterverschwörung: Was hinter den hohen Spritpreisen steckt

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Der Rohölpreis steigt, und damit auch der Spritpreis. Mal wieder pünktlich zum Fest. 

Liegt es am Osterhasen? Früher war die These beliebt, dass mit den nahenden Feiertagen die Spritpreise von den Tankstellen-Betreibern nach oben getrieben werden. Weil sich Deutschland mit dem Pkw in Bewegung setzt und deshalb die Nachfrage nach Benzin und Diesel steigt.

Fest steht, dass der Durchschnittspreis für Super E10 Ende Januar im Schnitt noch bei 1,30 Euro pro Liter lag. Danach ging es nach oben. In der vergangenen Woche dem ADAC zufolge noch einmal deutlich – und zwar um 2,6 Cent. Gerade wurde nach den Daten des Internetportals „finanzen.net“ die Marke von 1,40 Euro geknackt.

Die Autofahrerlobby führt dies aber nicht auf den Osterhasen, sondern auf die „zuletzt wieder gestiegenen Rohölpreise“ zurück. Branchenkenner gehen davon aus, dass Aufschläge an den internationalen Rohstoffbörsen sich mit einer Verzögerung von vier, fünf Tagen in Erhöhungen an der Tankstelle übersetzen. Das bedeutet in jedem Fall für diese Woche, dass Autofahrer erneut tiefer in die Tasche greifen müssen.

Das Angebot bestimmt das Geschehen am Ölmarkt

Die für den europäischen Markt maßgebliche Sorte Brent notierte am Montagnachmittag bei knapp 71 Dollar pro Fass – der höchste Wert seit etwa einem halben Jahr. Für Spekulanten, die auf steigende Preise gewettert hatten, war das erste Quartal des Jahres 2019 eines der erfolgreichsten im vergangenen Jahrzehnt. Noch an Weihnachten 2018 kostete das Fass 50 Dollar. Dabei wird allenthalben von konjunkturellen Dellen und drohenden Krisen geredet. Ein langsameres Wachstum oder gar eine schrumpfende Wirtschaft müssten eigentlich die Nachfrage nach dem sogenannten schwarzen Gold verringern und damit die Preise drücken. Jahrelang galt denn auch die Formel, dass die Nachfrage das Auf und Ab bestimmt. Insbesondere der Bedarf der Schwellenländer nach Treib- und Brennstoff war dominierend.

Doch die Dinge haben sich gedreht: „Aktuell bestimmt nicht die Nachfrage sondern das Angebot das Geschehen am Ölmarkt“, sagte Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank auf Anfrage. Da gebe es einerseits die freiwilligen Beschränkungen von Saudi-Arabien und Russland, aber auch von Kanada.

Im November hatte die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschlossen, rund 800 000 Fass weniger pro Tag zu pumpen. Fast die Hälfte davon wird von den Saudis getragen. Dazu kommen außerdem weitere Minderungen durch eine Reihe von Ländern, die nicht der Opec angehören. Allein Russland reduziert seine Förderung um 230.000 Fass. Die Einschränkungen werden bislang mit großer Disziplin eingehalten.

Seinerzeit wurde außerdem beschlossen, dass die Restriktionen für Venezuela und Libyen nicht gelten – wegen der politischen Krisen in den beiden Staaten. Doch in dem mittelamerikanischen Land ist die Lage inzwischen so prekär, dass die staatliche Ölfirma gar nicht mehr so viel fördern kann, wie sie darf. In Libyen sind Kämpfe zwischen der international anerkannten Regierung und der Rebellenarmee um Khalifa Haftar aufgeflammt. Die Rohöl-Produktion hat das zwar noch nicht unmittelbar beeinflusst. Vorige Woche wurde laut Finanzagentur Bloomberg mit 1,1 Millionen Fass täglich sogar ungewöhnlich viel gepumpt. Doch die Akteure an den Rohstoffbörsen befürchten, dass sich dies beinahe stündlich ändern könnte. Die Vorahnungen sind bereits in die Preise eingeflossen, die zudem davon geprägt wurden, dass die US-Regierung erwägt, die Handelssanktionen gegen den enorm wichtigen Öl-Produzenten Iran zu verschärfen.

Die verschiedenen Faktoren zusammen genommen führen nach Weinbergs Analysen dazu, „dass wir aktuell eine weltweite Unterversorgung von rund 500.000 Fass pro Tag haben.“ Die Kurzfrist-Prognose des Experten der Commerzbank fällt denn auch wie folgt aus: „In den nächsten Monaten könnte der Brentpreis auf 75 Dollar pro Fass oder höher steigen.“ Denn der Ölmarkt habe in den vergangenen Wochen eine starke Dynamik entwickelt, die nur eine Richtung kenne: aufwärts. Das habe mittlerweile „die Qualität einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung angenommen“. Die Preise steigen, weil alle Akteure in der Branche erwarten, dass sie steigen.

USA drohen der Opec und die Saudis drohen den USA

Doch US-Präsident Donald Trump will all das nicht hinnehmen. Er hat Angst, Rückhalt bei seinen automobilaffinen Wählern zu verlieren. Seine Regierung bastelt deshalb an Gesetzen, die es möglich machen sollen, Opec-Länder wegen ihrer Absprachen in den Vereinigten Staaten zu verklagen – das Projekt, das das Kartell einschüchtern soll, läuft unter dem Schlagwort „Nopec“.

Das hat die Saudis auf den Plan gerufen. Die Araber drohen nun, dass ihr Öl künftig auf den Weltmärkten nicht mehr in Dollar gehandelt werden könnte – was den Amerikanern viele Vorteile brachte. Unter anderem eine Sicherheit gegen Verschiebungen der Währungsrelationen. Darunter leiden indes die Autofahrer in der EU. „Für den hiesigen Kraftstoffmarkt kommt als preistreibender Faktor hinzu, dass der Euro gegenüber dem Dollar verloren hat, wodurch sich der Import von Öl verteuert“, erläutert Weinberg.

Wie lange der Preisauftrieb anhält, ist schwer zu sagen. Ein Treffen des Kartells mit den alliierten Ölstaaten (Opec Plus), das für den 17. April geplant war, wurde abgesagt. So gilt die zusammengestutzte Förderung mindestens bis Ende Juni. Eine Verlängerung ist heftig umstritten. Die Entscheidung dürfte dann doch wieder stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängen. Hinzu kommt noch, was sich in den USA tut. Weinberg: „Zwar führen die gestiegenen Preise dazu, dass in den USA nun wieder mehr Bohrlöcher für Schieferöl in Betrieb genommen werden. Das wird das Angebot erhöhen, aber dieser Mechanismus wirkt nur mit starker Verzögerung.“ Er fügt allerdings hinzu: „Langfristig gehen wir deshalb nach einer kurzfristigen Verteuerung wieder von fallenden Preisen aus.“

Neues Preismuster an Tankstellen

Viermal am Tag – morgens, mittags, nachmittags und auch noch abends – haben Tankstellen bis Ende März laut einer Untersuchung die Preise für Kraftstoff erhöht – und zwischenzeitlich wieder gesenkt. Nun sei die Schlagzahl sogar auf fünf Erhöhungen am Tag gesteigert worden, fanden zwei Ökonomen der Goethe-Universität Frankfurt heraus. Ihren Angaben vom Freitag zufolge erhöhten die Tankstellen in Deutschland seit Anfang April am Vormittag ein weiteres Mal die Preise für Benzin und Diesel. Dabei könnten Preisschwankungen innerhalb eines Tages an einer Tankstelle bei bis zu zehn Cent pro Liter liegen.

Zwischen den Erhöhungen würden die Preise zwar nach wie vor gesenkt, erklärten die beiden Autoren der Studie, Steffen Eibelshäuser und Sascha Wilhelm. Aber die entsprechenden Tageszeiten hätten sich nun verändert. Am günstigsten sei der Kraftstoff vor beziehungsweise nach den fünf täglichen Preiserhöhungen, also zwischen 9 und 10 Uhr, von 12 bis 13 Uhr und von 15 bis 16 Uhr sowie von 20 bis 21 Uhr. Den Forschern zufolge können Kunden am günstigsten in den Abendstunden tanken, kurz bevor die Mehrheit der Tankstellen schließt.

Die regelmäßigen Preiszyklen kämen dadurch zustande, dass die Tankstellen durch gegenseitiges Unterbieten versuchten, die Kunden von der Konkurrenz abzuwerben, erklärt Eibelshäuser. Sobald ein niedriges Preisniveau erreicht sei, lohne sich das Unterbieten nicht mehr. „Es folgt eine starke Preiserhöhung und das Spiel beginnt aufs Neue.“ (dpa)

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