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Hoffnung auf Millionen Jobs

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Von: Stefan Sauer

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Jeans-Schneiderin in Indien.
Jeans-Schneiderin in Indien. © dpa

Das Abkommen der Welthandelsorganisation für alle 160 Mitgliedsstaaten weckt große Erwartungen. Doch die Frage bleibt, wer wirklich davon profitiert?

Erstmals seit ihrer Gründung vor 20 Jahren hat die Welthandelsorganisation WTO ein Handelsabkommen für alle 160 Mitgliedsstaaten abgeschlossen. Mit der am Donnerstagabend in Genf erzielten Einigung ist der Weg zur Ratifizierung des 2013 beim WTO-Gipfel auf Bali vereinbarten Pakets aus mehreren Einzelverträgen endgültig frei.

Genau 13 Jahre sind seit dem Start der Verhandlungen in Doha, Hauptstadt des Emirats Katar, vergangen. Es hat viele Rückschläge gegeben seither, mehrfach schien das Abkommen vor dem Aus. Zuletzt stand das indische Subventionsprogramm für Grundnahrungsmittelpreise dem Abschluss im Wege, nun ist auch dieser Punkt ausgeräumt. Mithin ist es nicht übertrieben, das Abkommen als historisch zu bezeichnen.

Ob es eine Epoche allseitig wachsenden Wohlstandes einleiten wird, ist eine andere Frage. Die Verheißungen klingen zwar gewaltig: In den kommenden Jahren entstünden 20 Millionen Arbeitsplätze zusätzlich, Wachstumsimpulse von 800 Milliarden Euro seien möglich, schätzt die Internationale Handelskammer (ICC) mit Sitz in Paris. Und das Copenhagen Consensus Center (CCC) geht von Wachstumsgewinnen in Höhe von elf Billionen US-Dollar bis 2030 aus, die zu zwei Dritteln den Entwicklungsländern zugute kommen würden. Bis zum Jahr 2100 werde die Rendite des Doha-Abkommens bei sagenhaften 400 000 Milliarden Euro angelangt sein.

Auch die deutsche Wirtschaft verspricht sich Gewinne. Die heimische Exportindustrie könnte in den ersten fünf Jahren nach Inkrafttreten bis zu 60 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen, erklärte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier, in einer Stellungnahme.

Nichts als Kaffeesatzleserei

Ernst nehmen muss man solche Prognosen aber nicht. Schon die Vorhersage des saarländischen Bruttoinlandsprodukts 2020 ist Kaffeesatzleserei. Globalzahlen in Dagobert-Duck-Dimensionen bis zum Ende des Jahrhunderts basieren auf Rechenmodellen, die die Wirklichkeit nur recht unvollkommen erfassen. Man könnte auch sagen: Sie sind schlicht Humbug.

Interessanter ist die Frage, wem die Wohlstandsgewinne – in welcher Höhe auch immer – zufließen werden. Das CCC geht davon aus, dass Produktionsstandorte aus Kostengründen in Billiglohnländer verlagert werden, wo sie Einkommen, Wachstum und Wohlstand schaffen. Für manche Region wird das zutreffen.

Dass aber gerade Afrika zu den großen Nutznießern des Abkommens zählen wird, wie das CCC annimmt, ist zu bezweifeln. Die Öffnung der dortigen Märkte wird zu allererst der hocheffektiven industrialisierten Landwirtschaft des Nordens zugutekommen, deren Produkte lokale afrikanische Erzeuger schon heute in den Ruin treiben. Investitionen in industrielle Produktionsanlagen, die einen Teil der Wertschöpfung in den Tschad oder nach Simbabwe verlagern würden, sind aus begreiflichen Gründen nicht in Sicht. Es steht daher zu befürchten, dass die ärmsten Länder nicht werden aufholen können, sondern weiter zurückfallen.

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