Konjunktur

Hoffnung für 2021

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Wirtschaftsweise prognostizieren ein ziemlich „ausgeprägtes V“.

Die Konjunkturforscher unterliegen häufig einer Art Herdentrieb: Sie neigen dazu, sich in ihren Prognosen über die Wirtschaftsentwicklung gegenseitig übertreffen zu wollen. Derzeit kann der Ausblick der meisten Ökonomen wegen der andauernden Pandemie nicht pessimistisch genug ausfallen. Die sogenannten Wirtschaftsweisen der Bundesregierung folgen dem Trend allerdings nicht: In ihrer am Dienstag veröffentlichten neuen Prognose haben die Regierungsberater zwar ihre eigene Einschätzung vom März deutlich nach unten korrigiert, sie bleiben aber gemessen an anderen Erwartungen vergleichsweise moderat.

Die Wirtschaftsweisen gehen nun davon aus, dass die Konjunktur in Deutschland in diesem Jahr um 6,5 Prozent einbricht, um sich dann im kommenden Jahr mit einer Wachstumsrate von 4,9 Prozent wieder zu erholen. Den Konjunkturverlauf beschreiben sie mit einem „ausgeprägten V“ – also ein schneller, tiefer Einbruch, gefolgt von einem ebenso raschen Aufschwung. „Eine Rückkehr auf das Niveau des BIP vor der Pandemie ist nicht vor dem Jahr 2022 zu erwarten“, erklärten sie aber auch. Für den Euroraum rechnet der Sachverständigenrat mit einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um 8,5 Prozent und einem positiven Wachstum von 6,2 Prozent 2021.

Verschiedene Ökonomen, Institute und Verbände rechnen derzeit für 2020 mit einem Einbruch zwischen sieben und zehn Prozent. Die Wirtschaftsweisen hatten im März lediglich mit einem Rückgang in Höhe von 2,8 Prozent gerechnet. Dabei war aber nur ein Lockdown von fünf Wochen unterstellt worden, tatsächlich dauerte er doppelt so lange. Zudem brach der Außenhandel insbesondere wegen der Auswirkungen der Pandemie in den USA stärker ein als erwartet.

In der neuen Prognose ist bereits das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket berücksichtigt. Den von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) versprochenen „Wumms“ sehen die Experten allerdings so nicht. „Wir sind vorsichtig, was den Wumms betrifft“, sagte der Chef des Beratergremiums, Lars Feld. Sie billigen dem Paket allenfalls einen Wachstumsimpuls von rund einem Prozent zu.

Bei der Mehrwertsteuersenkung sehen die Wirtschaftsforscher vor allem den Effekt, dass Verbraucher Käufe vorziehen, wodurch 2021 der Konsum wieder nachlässt. Ohnehin gehen sie davon aus, dass nur rund die Hälfte der Steuerentlastung bei den Verbrauchern in Form niedrigerer Preise ankommt. „Die Corona-Pandemie wird voraussichtlich den stärksten Einbruch der deutschen Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik verursachen“, so Feld.

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