Wirecard

Hoffen auf Jaffe

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
    schließen

Das Amtsgericht München hat für den Dax-Konzern Wirecard einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Während der mit Großpleiten erfahrene Michael Jaffe nun versucht zu retten, was zu retten ist, fehlt vom Ex-Vorstand Jan Marsalek jede Spur.

Zeitweise war es nicht einmal klar, ob es beim Pleitekonzern Wirecard für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens reicht. Nun hat das zuständige Amtsgericht München für Klarheit gesorgt, ein solches eröffnet und Rechtsanwalt Michael Jaffe als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Damit wird das Wirecard-Debakel nun durch zwei erfahrene Experten von unterschiedlichen Richtungen her bearbeitet. Jaffe ist vor allem Wirecard-Gläubigern verpflichtet und muss für sie retten, was zu retten ist. Im Fall von Banken sind das Kredite von rund 3,5 Milliarden Euro.

Auch die 5800 Beschäftigten von Wirecard hoffen auf Jaffe. Der 57-jährige Jurist ist in der Insolvenzszene bekannt, seit er 2002 die Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch gemanagt hat. Zuletzt hat Jaffe die hierzulande mutmaßlich größte Anlegerpleite aller Zeiten um den Schiffscontainerfirma P&R bearbeitet, wo 3,5 Milliarden Euro im Feuer stehen.

Bei Wirecard geht es mindestens um ähnliche Dimensionen. Strafrechtlich liegt die Aufarbeitung des Falls in Händen der Münchner Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Sie ist wie kaum eine zweite Ermittlerin erfahren mit großen Wirtschaftsdelikten wie dem Siemens-Bestechungsskandal 2006.

Marsalek stellt sich nicht

Jaffe und Bäumler-Hösl stehen jetzt bei Wirecard vor einer schweren Aufgabe. Wirtschaftlich scheint der tief gefallene Dax-Konzern zumindest kein hoffnungsloser Fall zu sein. Jaffe hat über ihn bereits ein Gutachten erstellt, das offenkundig die Sanierungsfähigkeit bescheinigt. Sonst wäre das Insolvenzverfahren gar nicht erst eröffnet worden. Es gilt jetzt, die Geschäfte am Laufen zu halten, zumindest diejenigen, die wirklich existieren. Denn große Teile des in Wirecard-Bilanzen stets als besonders lukrativ beschriebenen Asien-Geschäfts scheinen weitgehend frei erfunden zu sein.

Die Dimension der Scheinumsätze ist gewaltig. In machen Geschäftsjahren stammte ein Drittel aller Konzernumsätze aus Asien und dortigen Drittpartnern, hinter denen nun große Fragezeichen stehen. Zeitweise wurden ihnen die Hälfte aller Wirecard-Gewinne zugeschrieben.

Bäumler-Hösl wiederum muss nach den strafrechtlich relevanten Schlüsselfiguren fahnden und deren Rolle im Wirecard-Debakel herausfinden. Das sind nach Lage der Dinge ein philippinischer Treuhänder, der für die Einrichtung von Treuhandkonten über verschwundene 1,9 Milliarden Euro zuständig war, Mitarbeiter zweier philippinischer Banken, dubiose Partnerfirmen in ganz Asien oder das Wirecard-Management selbst.

Der ehemalige Konzernchef Markus Braun hat sich vor kurzem der Justiz gestellt, nachdem er mit Haftbefehl gesucht worden war. Gegen Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro ist er nun wieder auf freiem Fuß.

Noch gesucht wird sein Ex-Kollege Jan Marsalek. Der 40-Jährige war für das operative Geschäft vor allem auch in Asien zuständig und wollte sich nach Aussagen seines Anwalts eigentlich diese Woche ebenfalls der Münchner Justiz stellen. Das hat Marsalek aber nicht getan, womit er als flüchtig gelten muss. Vorige Woche hat er sich nach Erkenntnissen philippinischer Behörden im ostasiatischen Inselstaat befunden, soll sich mittlerweile aber nach China abgesetzt haben. Marsalek droht damit ein internationaler Haftbefehl.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare