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Saab gehört wie Opel in Deutschland zum US-Konzern General Motors (GM) und will mit einem neuen Eigner überleben.
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Saab gehört wie Opel in Deutschland zum US-Konzern General Motors (GM) und will mit einem neuen Eigner überleben.

Saab

Hoffen und Bangen in Trollhättan

Der insolvente schwedische Autohersteller Saab fährt die Bänder wieder an und hat angeblich acht Kaufinteressenten.Von Hannes Gamillscheg

Von Von Hannes Gamillscheg

Frankfurt. Im Saab-Werk in Trollhättan wird seit Donnerstag wieder gearbeitet. Tags davor hatte die Belegschaft die Fließbänder stoppen müssen, weil notwendige Komponenten wegen unbezahlter Zollrechnungen an der Grenze festgehalten worden waren. "Das ist geregelt", versichert Saab-Chef Jan-Åke Jonsson nun.

Doch die Episode unterstreicht, wie nahe die schwedische GM-Tochter am Abgrund balanciert. Vor einer Woche hatte Saab Insolvenz angemeldet und gleichzeitig eine Neukonstruktion angekündigt, ohne die Konzernmutter General Motors, die selbst vor der Pleite steht und daher kein Geld mehr nach Schweden schleusen will.

So prägt nun Hoffen und Bangen die Menschen in Trollhättan, die fast alle direkt oder indirekt von den 4100 Arbeitsplätzen bei Saab abhängig sind. Jonsson bemüht sich um gute Stimmung. Es gebe "sieben bis acht ernsthafte Interessenten" für die Edelmarke, die seit 20 Jahren fast nur rote Zahlen schreibt, versicherte er der Zeitung "Svenska Dagbladet".

Darunter seien sowohl Finanzinvestoren wie Autobauer, heimische Kandidaten wie ausländische. Opel ist sicher nicht dabei. Ein Zusammenschluss der beiden (noch) zum GM-Imperium gehörenden Firmen wird inzwischen von beiden Seiten ausgeschlossen. Was soll Opel auch mit einem derart finanzschwachen Partner?

Und Jonsson betont, dass man einen "starken Eigner" benötige, nicht einen, der selbst ums Überleben ringt. Indem man die eigentlich nach Rüsselsheim ausgelagerte Produktion der 9-3-Serie nach Trollhättan zurückholen will, trägt Saab gar noch zur Misere von Opel bei.

Saab-Chef setzt auf Modellprogramm

Der Saab-Chef glaubt fest an eine Zukunft für sein Unternehmen. Den Optimismus gibt ihm das Modellprogramm, das vor der Fertigstellung steht: erst der neue 9-5 als Spitzenmodell, dessen Prototyp schon getestet wird, dann ein Mini-Großraumwagen, schließlich ein generalüberholter 9-3 als Massenauto.

"In drei Jahren bauen wir mindestens 125.000 Autos, und dann sind wir rentabel", prophezeit Jonsson. Doch im Vorjahr waren es nicht mal 100.000, und seit Jahresende kam der Verkauf fast völlig zum Erliegen. Keine der bekannten Automarken ist vom Einbruch des Marktes so stark betroffen wie Saab.

So setzt die schwedische Regierung den frohen Kunden der Firmenleitung denn auch ein gehöriges Maß an Realismus entgegen. Warum sollte Saab gerade in der tiefsten Krise auf Gewinnkurs kommen, wenn man selbst in den besten Jahren der Branche nicht profitabel war?

Die Forderung aus Detroit, mit Staatsgeldern zur Rettung von Saab beizutragen, wies Stockholm brüsk zurück. Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt beschuldigte General Motors, der Regierung "eine Falle stellen" und sich selbst aus der Eignerverantwortung stehlen zu wollen.

Zulieferer für Volvo?

Kreditgarantien will das bürgerliche Kabinett erst dann geben, wenn klar ist, wer als Eigentümer von Saab auftritt. Im Klartext: entweder bekennt sich GM zu seiner schwedischen Tochter, oder ein Käufer übernimmt den Laden. Sonst sind die Tage der Traditionsmarke, die vor 60 Jahren als Nebenprodukt der Flugzeugproduktion entstand, gezählt.

Während der drei Monate, die eine Rekonstruktion normalerweise dauern darf, werde sich eine Lösung zeigen, hofft Jonsson, schließt aber nicht aus, dass die Übergangsphase auch ein Jahr währen könne. "Es gibt auch heute noch kapitalstarke Investoren, in- und außerhalb der Autoindustrie", ist er überzeugt.

Die Menschen in Trollhättan können sich eine Zukunft ohne Saab nicht vorstellen. Doch es ist nicht ausgemacht, dass in der (nur halb ausgelasteten) Fabrik unbedingt Autos gebaut werden müssen. Auch eine Rolle als Zulieferbetrieb für den zweiten angeschlagenen schwedischen Autokonzern Volvo ist im Gespräch, und Industrieministerin Maud Olofsson regte kürzlich an, dass man in der Anlage auch Windmühlen bauen könne.

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