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"Einzelne Branchen wie zum Beispiel der Bau berichten über zunehmende Schwierigkeiten, neue Arbeitskräfte zu gewinnen", schriebt das Ifo-Institut.
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"Einzelne Branchen wie zum Beispiel der Bau berichten über zunehmende Schwierigkeiten, neue Arbeitskräfte zu gewinnen", schriebt das Ifo-Institut.

Löhne

Hochkonjunktur in Deutschland

  • VonStephan Kaufmann
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Die Unternehmensgewinne steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt ? 2018 brechen gute Zeiten für Lohnverhandlungen an.

Im kommenden Jahr gibt es für abhängig Beschäftigte mehr Geld. Wie viel mehr, das hängt auch von den Gewerkschaften ab, die vor einigen harten Tarifkämpfen stehen. Am Ende der Verhandlungen dürften die Löhne im Durchschnitt um drei Prozent und mehr zulegen. Ob sich die Arbeitnehmer dann auch mehr leisten können, hängt allerdings von der Entwicklung der Preise ab, die 2018 wohl schneller klettern als dieses Jahr.

Die Voraussetzungen sind günstig: Das Geschäft der Unternehmen läuft gut. Alle vorsichtigen bis skeptischen Prognosen haben sich nicht bewahrheitet. Nach einem Plus von 2,3 Prozent 2017 dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2018 um etwa zweieinhalb Prozent zulegen. „Deutschland steht vor der längsten Erholungsphase seit 50 Jahren“, so Andreas Rees von der Bank Unicredit.

Das spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt. Die Erwerbslosenquote fällt auf immer neue Nach-Wende-Tiefs und wird nächstes Jahr voraussichtlich weiter sinken – von 5,7 Prozent 2017 auf 5,4 Prozent im kommenden Jahr und 5,1 Prozent im Jahr darauf, prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI. Das Ifo-Institut rechnet für 2019 sogar nur mit einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent. „Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen“, schreibt das Ifo. „Einzelne Branchen wie zum Beispiel der Bau berichten über zunehmende Schwierigkeiten, neue Arbeitskräfte zu gewinnen.“

Das Geschäftsklima ist so gut wie zuletzt im Boom 1969, noch nie klagten so viele Firmen über Arbeitskräfteknappheit – das stärkt die Verhandlungsposition der Gewerkschaften. Daraus müssten eigentlich stark steigende Löhne folgen. Bislang jedoch war die Entwicklung verhalten. „Ein außergewöhnlicher Lohn- und Preisanstieg, den man in einer Phase der Hochkonjunktur erwarten würde, blieb bislang aus“, so das Ifo. So legten 2017 die Tarifverdienste zwar um 2,3 Prozent zu. Angesichts einer Inflationsrate von 1,7 Prozent blieb real jedoch nur ein Plus von 0,6 Prozent.

Nach dem Willen der Gewerkschaften soll für die Beschäftigten nächstes Jahr mehr herausspringen – schon allein weil die Preise 2018 und 2019 etwas schneller steigen dürften. 2018 stehen Tarifverhandlungen für 9,7 Millionen Beschäftigte an. Das sind zwar etwas weniger als 2017, allerdings stehen einige wichtige Sektoren im Fokus. Den Anfang hat bereits die Metall- und Elektrobranche gemacht. Hier fordert die Gewerkschaft unter anderem sechs Prozent mehr Geld und das Recht auf Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich. Die Unternehmervertreter lehnen das ab, schon bald kann es zu Warnstreiks kommen. Sechs Prozent mehr Lohn peilt auch die IG Bau an, plus ein 13. Monatsgehalt. Im Januar stehen Verhandlungen bei Volkswagen, der Deutschen Post und der Deutschen Telekom an. Im Februar sind 2,5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst und im Bauhauptgewerbe an der Reihe, im Sommer folgt die Chemieindustrie.

„Lohnerhöhungen von drei Prozent und mehr werden als Messlatte für die Tarifverhandlungen im Jahr 2018 dienen“, so Stefan Schneider, Chefvolkswirt Deutschland bei der Deutschen Bank. Das Ifo-Institut rechnet damit, dass die Effektivverdienste je Arbeitnehmer 2018 um 3,4 und 2019 um 3,5 Prozent zulegen werden. Allerdings verteilen sich diese Zuwächse nicht gleichmäßig. Wo dieses Jahr keine Tarifverhandlungen anstehen, werden die Einkommen schwächer steigen. Zudem dürften vor allem qualifizierte Berufsgruppen mehr Geld erhalten – und hier vor allem jene Personen, die den Arbeitgeber wechseln, um ein verbessertes Angebot wahrzunehmen.

Die steigenden Pro-Kopf-Löhne ziehen auch die monetären Sozialleistungen nach oben, „die Renten werden voraussichtlich merklich angehoben“, erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI. Steigende Löhne, mehr Beschäftigung, höhere Unternehmens-, Vermögens- und Transfereinkommen sorgen laut RWI 2018 dafür, dass das gesamte verfügbare Einkommen um vier Prozent zulegt nach knapp drei Prozent im abgelaufenen Jahr. Dies wiederum übersetzt sich in einen privaten Konsum, der weiter kräftig expandieren und das Wirtschaftswachstum antreiben wird. „Deutschland befindet sich auf dem Weg in die Hochkonjunktur“, stellt das Ifo-Institut fest.

Ralph Solveen von der Commerzbank weist allerdings darauf hin, dass trotz allem die Reallöhne weiterhin deutlich langsamer zulegen als in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre oder während des Einheits-Booms Anfang der neunziger Jahre. Und dies, obwohl die Arbeitslosenquote heute niedriger liege als damals in Westdeutschland und die Unternehmen größere Probleme hätten, neue Arbeitskräfte zu finden. Laut Solveen ist dies der Globalisierung geschuldet, also der weltweiten Konkurrenz um niedrige Produktionskosten.

Insofern hält der Ökonom die Lohnrunde 2018 für einen Testfall: Legen die Tariflöhne im kommenden Jahr nur um gut zwei Prozent zu, „dann hätte die Globalisierung offensichtlich die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer so stark geschwächt, dass sie noch nicht einmal in der Hochkonjunktur einen deutlichen Anstieg ihrer Reallöhne durchsetzen könnten“.

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