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Abkühlung statt Shopping: Urlauber springen von einem Steg in den Allgäuer Hopfensee.

Wetter und Wirtschaft

Hitzschlag für Händler

Kunden gehen an den Strand statt zum Shoppen, Bauarbeiter leiden und die Schifffahrt bangt – was die Wärme für die Wirtschaft bedeutet.

Die jüngste Hitzewelle bekommen nicht nur die Bauern zu spüren. Auch ein Teil der Einzelhändler gehört zu den Leidtragenden der hohen Temperaturen. Einige Produkte bescheren den Märkten aber auch höhere Umsätze.

In Supermärkten und Discountern herrscht Flaute, wenn es draußen besonders heiß ist. „Bei 40 Grad geht wenig. Das zieht die Umsätze nach unten, weil keiner mehr Lust hat rauszugehen“, sagt Axel Haentjes vom Handelsverband Lebensmittel (BVLH). Doch wo es nicht ganz so warm sei, könne der Lebensmittelhandel mit sommerlichen Temperaturen gut leben. „Die Nachfrage verschiebt sich dann natürlich.“ Es werde weniger Schokolade gekauft, dafür gingen mehr Getränke, mehr Eis und mehr Grillgut über die Ladentheke.

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe sieht die momentane Hitzephase noch recht entspannt. „Ein paar Tage lang ist das völlig unkritisch“, sagte ein Unternehmenssprecher. Besonders hoch im Kurs stehe jetzt „alles, was zur gefühlten Kühlung beiträgt“ wie Obst, Getränke oder auch Fertigsalate. Engpässe gebe es aber bisher nicht. Viele Verbraucher nutzten zurzeit den frühen Morgen oder die Abendstunden zum Einkaufen, um so der größten Hitze zu entgehen.

Der Handelsverband Textil (BTE) sieht die Hitzewelle mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Die Nachfrage nach leichter Kleidung steigt natürlich“, sagte der stellvertretende BTE-Hauptgeschäftsführer Siegfried Jacobs. Doch andererseits dämpften allzu hohe Temperaturen die Lust der Kunden auf einen Shoppingbummel. Inzwischen bekämen die Läden sogar Anrufe, in denen sich Verbraucher erkundigten, ob die Geschäftsräume klimatisiert seien.

Bei Mineralwasserabfüllern wie Hassia im hessischen Bad Vilbel laufen wegen der Hitze die Anlagen auf Hochtouren. In der Produktion werde derzeit im Dreischichtbetrieb sechs Tage in der Woche gearbeitet, sagte eine Firmensprecherin. Die ausgestoßene Menge sei von 1,7 Millionen Litern auf 2,8 Millionen Liter pro Tag hochgefahren worden. Dabei habe auf den sechs Abfüllanlagen Mineralwasser den absoluten Vorrang vor den Limonaden. Derzeit werde weit mehr als 90 Prozent Wasser abgefüllt statt der üblichen 70 Prozent.

In den nicht-klimatisierten Hallen von Hassia dürfen die Beschäftigten so viel trinken, wie sie wollen, so das Unternehmen. Sie wurden auch mit leichterer Arbeitskleidung und Kühlwesten ausgestattet, bei denen die Kondensationskälte genutzt wird.

Nicht die Hitze, sondern eher die Trockenheit macht derweil den Binnenschiffern Sorgen. Allerdings halten sich die Probleme zumindest am Rhein noch in Grenzen, wie ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt sagte. „Die Lage ist noch weit entfernt von der Situation im letzten Jahr“, stellte er fest. 2018 hatte lang anhaltendes Niedrigwasser auf dem Rhein zu erheblichen Einschränkungen für die Binnenschiffer und ihre Kunden wie Stahlwerke oder Raffinerien geführt. Die Prognosen für die kommenden Tage gingen schon wieder von einem Anstieg der Pegelstände am Rhein aus, so der Verbandssprecher.

Keine Klimaanlage und auch kein hitzefrei gibt es für die Bauarbeiter in Deutschland. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat deshalb das aus dem Winter bekannte „Schlechtwettergeld“ auch für heiße Sommertage ins Gespräch gebracht. Man sei bereits in Verhandlungen mit den Arbeitgebern und werde dann mit dem Arbeitsministerium sprechen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft.

Grundsätzlich ist das „Schlechtwettergeld“ ein bauspezifisches, saisonales Kurzarbeitergeld, das von der Bundesagentur für Arbeit ausgezahlt wird. Es soll verhindern, dass die Arbeiter immer wieder kurzfristig entlassen werden. (dpa)

Milliarden für Eis

Für den kühlen Genuss greifen die Verbraucher in Deutschland an heißen Tagen gerne etwas tiefer in die Tasche. Allein im Lebensmittelhandel gaben die Bundesbürger von Juni 2018 bis Mai 2019 rund 1,7 Milliarden Euro für ihre Lieblingseissorten von Vanille bis Salted Caramel aus. Das entspricht rund 21,25 Euro pro Kopf, so eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Der heiße Sommer 2018 habe dafür gesorgt, dass die Verbraucher fast 20 Millionen Liter mehr Eiscreme in Supermarkt und Co. gekauft haben. Insgesamt gingen demnach innerhalb von zwölf Monaten fast 509 Millionen Liter Eis über die Ladentheken, ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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