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Baustelle in Schwerin: Der Staat sollte jetzt in die Infrastruktur investieren, so Ökonomen.

Wirtschaft

Historischer Konjunkturabsturz

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Statistisches Bundesamt: Stärkster wirtschaftlicher Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009.

Nun ist das tatsächliche Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden infolge der Corona-Krise bekannt - zumindest für die ersten drei Monate des Jahres: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Berlin mitteilte. Der Rückgang sei im Quartalsvergleich der mit Abstand stärkste seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 und der zweitstärkste seit der deutschen Wiedervereinigung. Volkswirte sind überzeugt, dass damit das Schlimmste noch nicht überstanden ist.

„Obwohl die Ausbreitung des Coronavirus die Wirtschaftsleistung im Januar und Februar nicht wesentlich beeinträchtigte, sind die Auswirkungen der Pandemie bereits für das erste Quartal 2020 gravierend“, stellten die Wiesbadener Statistiker fest. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte brachten das Wirtschaftsleben ab Mitte März in großen Teilen zum Erliegen.

Die privaten Konsumausgaben und der Export brachen im ersten Vierteljahr ein. Unternehmen investierten deutlich weniger in Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen. Gestiegene Bauinvestitionen und Konsumausgaben des Staates verhinderten den Angaben zufolge einen noch stärkeren Absturz.

Volkswirte rechnen damit, dass der Einbruch im zweiten Quartal noch heftiger ausfallen wird. Das Münchner Ifo-Institut erwartet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von gut zwölf Prozent, Volkswirte der Deutschen Bank gar von 14 Prozent. Um sich dem entgegenzustemmen, plant der Bund für Anfang Juni ein Konjunkturprogramm. Konkrete Vorschläge dafür hat Bayern bei beim Ifo in Auftrag gegeben.

Es gehe darum, die drastisch einbrechende Konjunktur möglichst effektiv und zielgenau zu stützen, erklärt Ifo-Chef Clemens Fuest. „Besonders wirksam sind eine Ausweitung öffentlicher und vor allem kommunaler Investitionen sowie steuerliche Maßnahmen“, betonte er. Bei Letzterem setzt er auf das in Deutschland bislang kaum genutzte Instrument von Verlustrückträgen, das für Unternehmen unmittelbar liquiditätswirksam sei. Zudem seien die fiskalischen Kosten dafür relativ gering.

Dabei geht es darum, dass Firmen Verluste dieses Jahres rückwirkend mit Gewinnen aus Vorjahren verrechnen können, was Steuerrückzahlungen auslösen würde. In Deutschland ist das bisher nur für das unmittelbare Vorjahr möglich und auch das nur begrenzt. Die USA würden dagegen Verlustrückträge für die letzten fünf Jahre erlauben, erklärt Fuest. Änderungen hierzulande liegen in der Steuerhoheit des Bundes. Den forderte Aiwanger zum Handeln auf.

In der aktuellen Krisenphase sei es auch wichtig und effektiv, wenn der Staat verstärkt als Kunde auftritt, sagt Fuest. Sein Institut regt einen Kommunalfonds an, um klammen Städten und Gemeinden nötige Investitionen zu erlauben. Außerdem solle in klimafreundliche Technologien investiert werden. Wenig hält Fuest von Autokaufprämien, da diese nur dazu führten, dass der Autokauf vorgezogen werde. Um den Konsum zu stützen, schlägt das Forschungsinstitut vor, Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen steuerlich zu entlasten. (mit dpa)

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