Umweltschädliche Subventionen

Hinter dem Lichtermeer

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Hauptsache, der Rubel rollt für die Branchenriesen. Die Kolumne "Gastwirtschaft".

Das Jahr hatte viele Überraschungen für uns bereit. Nicht überraschend aber umso bedenklicher ist die Schamlosigkeit, mit der der Einfluss der Konzerne auf das Geschehen in Berlin offen zutage trat.

Jahr um Jahr fordern Umweltverbände und Gutachten, umweltschädliche Subventionen zu streichen. Nichts geschieht. Niemand traut sich, dieses heiße Eisen wirklich anzufassen. Vor wenigen Tagen forderte ausgerechnet ein Vertreter der regierenden Automobilindustrie, die Subventionierung von Diesel abzuschaffen. Halleluja! Welch ein Geschenk für Umweltbewegte zur Weihnachtszeit.

Man stelle sich vor, was man mit den Einsparungen Sinnvolles tun könnte. Den Öffentlichen Nahverkehr attraktiv machen, Infrastrukturprojekte für den ländlichen Raum finanzieren und so auch den Zuwanderungsdruck auf die Städte abmildern, was ganz nebenbei einen Beitrag dazu leisten würde, die Mieten wieder bezahlbar zu machen.

2017 war in der Tat das Jahr, in dem wir verstanden haben, in welchem Umfang die CDU ihre schützende Hand über die Branchenriesen der deutschen Industrie hält. Ganz vorne weg die Automobilkonzerne. Und natürlich hat man in Berlin auch ein Herz für die Chemiekonzerne, die Braunkohleindustrie, die Luftverkehrsbranche und den agroindustriellen Komplex. Hauptsache der Rubel rollt. Nein, süßer die Kassen schon lange nicht mehr klingelten.

2017 war folglich auch das Jahr der Aktionäre. Der Dax legte einen „Höhenflug“ hin, der sprachlos macht. Billiges Geld flutet die Märkte und sorgt für noch mehr Wachstum, das inzwischen auch als Einnahmeüberschuss bei den öffentlichen Kassen ankommt.

„Deutschland“ geht es besser denn je. Nur die Armut und die Prekarisierung der Arbeitswelt bekommen wir leider nicht in den Griff: Kinderarmut, Altersarmut und die Schäbigkeit, mit der wir die knapp halten, die unsere Hilfe brauchen. Der Zynismus, mit dem über die stetig wachsenden Kollateralschäden (Artenschwund, Klimawandel, wachsende Wüsten und Wassermangel, Ausbeutung, Übernutzung der Ressourcen) hinweggesehen wird, ist atemberaubend. Hinter unserem weihnachtlichen Lichtermeer und all der verlogenen Freiheits-, Friedens- und Menschrechtsrhetorik zeigen wir immer deutlicher unser wahres Gesicht. Schön ist es nicht.

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