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Schwester Bernice Klostermann an der Laube, die den Nonnen als Kapelle dient.

Pennsylvania

Mit himmlischem Beistand gegen die Gasindustrie

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In Pennsylvania wollen Nonnen den Bau einer Pipeline stoppen.

Selbst Gottes Beistand hat ihnen bisher nicht geholfen. Zu groß ist die Macht von Konzernen, Gerichten und Behörden. Seit mehr als drei Jahren kämpfen die Schwestern des Ordens „Anbeterinnen des Blutes Christi“ im US-Bundesstaat Pennsylvania gegen den Bau einer Gas-Pipeline. Der Orden besitzt gut 30 Hektar Land in Lancaster County, durch das künftig unterirdisch Gas zu einem Export-Terminal im benachbarten Maryland strömen soll, wo es als verflüssigtes Erdgas weltweit verschifft werden kann. Die 30 Nonnen sehen durch den Bau der Gasleitung ihre „tief verwurzelten religiösen Überzeugungen über die Heiligkeit der Erde“ verletzt. „Gottes Kreation gilt es zu respektieren“, sagt Schwester Bernice Klostermann.

„Die Pipeline läuft durch Gewässer und Wälder, sie zerstört den Lebensraum von Tieren, ruiniert die Farmen von Menschen“, sagt Klostermann. Sie fürchtet Verschmutzungen der Natur und Verunreinigung des Trinkwassers bis hin zu Explosionen. Ein Leck in einer Röhre mit einem knappen Meter Durchmesser, die unter vollem Druck steht, könne verheerende Folgen haben“, sagt sie.

Der Landkreis Lancaster County besticht durch Farmen, Felder und Weiden, die sich meilenweit ziehen. Tourismus und Landwirtschaft sind die wichtigsten Wirtschaftszweige. Pennsylvania ist zugleich aber auch einer der Staaten, in denen das meiste Erdgas gefördert wird.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die USA vom Gasimporteur zum großen Verkäufer gewandelt. US-Präsident Donald Trump möchte, dass sein Land zu den größten Exporteuren von Flüssiggas aufsteigt. Sein Ziel lautet: „Wir werden amerikanische Energie überall auf dem Globus exportieren.“ 2017 legten erstmals mit US-amerikanischem Flüssiggas beladene Tanker in Polen und Litauen an. Erst vor einigen Wochen sprachen sich Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker für höhere Gasexporte nach Europa aus. Vergangene Woche warben Richard Grenell, US-Botschafter in Deutschland, und Vize-Energieminister Dan Brouillette im „Handelsblatt“ für mehr Gaslieferungen nach Europa. „Die USA sind in der Lage zu liefern, und die Deutschen und Europäer würden davon profitieren.“

Im Bund mit Aktivisten

Anna Mikulska sieht das anders. „Ich glaube nicht, dass es in Europa einen großen Markt für Flüssiggas aus den USA gibt“, sagt die Energieexpertin der renommierten University of Pennsylvania in Philadelphia. Gas aus Amerika sei teurer als Flüssiggas anderer Anbieter, etwa Katar. Mit russischen Pipelines könnten die USA gar nicht konkurrieren. „Für Osteuropa sind die Lieferungen in erster Linie symbolische Gesten.“ US-Firmen würden vielmehr „nach Asien drängen, weil dort die Margen höher sind“.

Die Exporte könnten helfen, Handelsdefizite, etwa mit China, auszugleichen, sagt auch Charlie Riedl, Direktor des Center for Liquefied Natural Gas, einer Lobbyorganisation in Washington. Das Weiße Haus betrachte die Entwicklungen in Sachen Flüssiggas als positiv, weil neue Jobs in den USA entstünden. Hinzu kämen „signifikante Steuereinnahmen“, die jährlich Milliarden in den Haushalt spülen sollen.

Der ehemalige Präsident Barack Obama habe sich zu stark auf erneuerbare Energien konzentriert, sagt Riedl, Trump habe alle Industriezweige im Blick. Der Wandel von den schwindenden Ressourcen hin zu nachhaltiger Energie müsse so „effizient und sicher wie möglich“ vonstattengehen. Alle Unternehmen hätten zum Ziel, „so sicher und verantwortungsvoll wie möglich“ zu arbeiten.

In Lancaster County ist das Misstrauen zwischen Gasindustrie und ihren Gegnern jedoch tiefer als jedes Bohrloch. Weil die Gegenseite stark ist, haben sich die Nonnen Unterstützung geholt von einer Gruppe Aktivisten mit dem Namen Lancaster against Pipelines. Tim Spiese, der Anführer des Bündnisses, fürchtet, dass sich die Wirtschaft „unter Trump ermutigt fühlt“, weiterzuarbeiten wie bisher. Er warnt vor Auswirkungen auf Natur und Menschen. „Wenn es keine Farmen mehr gibt, wieso sollten dann Touristen kommen? Wir wollen nicht in einem Industriepark leben!“

Die Schwestern hatten sich auf einen langen Kampf eingestellt. In den folgenden Monaten rückten Bauarbeiter an, rissen die Erde auf. Bei Protestaktionen nahm die Polizei 50 Aktivisten fest. Widerstand gegen die fast 300 Kilometer lange Leitung gab es auch anderswo, aber nirgendwo war er so stark wie in Lancaster County. Jetzt liegen schwere Röhren betriebsbereit unter der Erde. Das Energieunternehmen Williams stützte sich dabei auf ein Gesetz, das ihm nach Zustimmung der Regulierungsbehörde das Recht gibt, Pipelines über fremdes Privatland zu verlegen.

Im Juli wies ein Bundesberufungsgericht eine Klage des Ordens ab. Bestätigt wurde die Entscheidung der unteren Instanz, die in dem Fall keine Verletzung der Religionsfreiheit sah. Doch die Nonnen wollen versuchen, das Verfahren vor den Obersten Gerichtshof zu bringen. Klostermann weiß, dass weniger als fünf Prozent der Anträge überhaupt zugelassen werden. Dennoch ist sie „voller Hoffnung“.

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