Frauenrechte

Hillary allein macht es nicht

Auch mit einem Sieg der Demokratin bei den US-Wahlen wäre der Feminismus nicht am Ziel

Von Signe Moe

Frauenquoten, Elternzeit und Kindergärten. Das sind die bekannten Kämpfe der Frauenbewegung. Hillary Clinton und anderen Frauen haben sie den Weg bis an die Spitze des globalen Machtapparates bereitet. Viel ist gewonnen, könnte man meinen. Führende Frauen in der Weltpolitik sind jedoch kein Endziel des Feminismus, sondern erinnern viel eher daran, wie komplex und wie tiefgehend unsere Gesellschaften noch verändert werden müssen. Die feministischen Kämpfe sind progressiv, fügen sich aber komplett in die kapitalistische Logik von Wachstum und Gewinnmaximierung ein. Sie verschärfen den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und bringen neue Führungsstrategien hervor.

Trotz aller Erfolge benachteiligt unsere Wirtschaftsordnung weiterhin systematisch Frauen. Dies ist der kapitalistischen Logik einbeschrieben. Die feministische Ökonomin Friederike Habermann hat in ihrem Buch „Homo Oeconomicus und das Andere“ von 2008 gezeigt, wie die Ökonomik vom Konzept des wirtschaftlich handelnden weißen Mannes geprägt ist. Rationalität und Kalkül werden belohnt, Reproduktionsarbeit wird unsichtbar gemacht, Emotionalität ausgeschlossen. Andersherum gesagt, handeln Männer nach dem Konzept rational und kalkuliert, Frauen sind emotional getrieben und für die Reproduktionsarbeit zuständig. In dieser Logik sind auch die mächtigen Frauen von heute gefangen, entsprechend reproduzieren sie die Ausbeutung von Frauen genau wie ihre männlichen Kollegen. Auch mit einer Frau im Präsidentenamt der USA wird Pflegearbeit, ob bezahlt oder unbezahlt, weiter als minderwertig angesehen. Emotionalität wird weiter als irrational und unprofessionell betrachtet werden. Und es werden hauptsächlich Frauen sein, die die Doppelbelastung von Lohnarbeit und Haushalt ertragen müssen.

Es ist daher gefährlich, einen Erfolg von Hillary Clinton bei der Wahl im November als ein Endziel des Feminismus zu sehen. Wird ihm zu große Bedeutung zugesprochen, werden die breiten ökonomischen Frauenkämpfe gegen rücksichtslose Gewinnmaximierung, gegen Doppelbelastung, gegen Lohnunterschiede schnell unsichtbar gemacht. Die Mechanismen, nach denen Frauen ausgebeutet werden, existieren weiterhin und müssen auf allen Ebenen herausgefordert werden. Nicht nur im Wahlkampf um das Weiße Haus.

Die Autorin ist Mitglied des Kollektivs für Gesellschaft und Ökonomie. Es kritisiert und politisiert Ökonomisches aus feministischer Perspektive.

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