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Hilfe in der Transformation

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Die IG Metall will die Härten des technologischen Wandels hin zur Digitalisierung und E-Mobilität abfedern. Kurzarbeitergeld und ein Fonds sollen den Firmen helfen.

Kühltechnik für Batterien von Elektroautos statt Kühler für Verbrennungsmotoren. Aus Sicht von IG Metall-Chef Jörg Hofmann ist dies ein erfolgversprechendes Beispiel zur Bewältigung des technologischen Wandels. Doch es handelt sich eher um eine Ausnahme. Knapp die Hälfte der Betriebe der Metall- und Elektroindustrie hätten „keine oder keine ausreichende Strategie“ zur Bewältigung des Neuen, das da kommen wird, betont Hofmann. Er befürchtet, dass insbesondere Automobil-Zulieferer in nächster Zeit in existenzgefährdende Situationen geraten können. Massive Jobverluste wären die Folge. Um dies zu vermeiden, schlägt die Gewerkschaft ein Transformationskurzarbeitergeld vor.

Die IG Metall hat vor allem Arbeitsnehmervertreter in knapp 2000 Betrieben mit rund 1,7 Millionen Beschäftigten befragt, wie es um die Strategien zur Bewältigung der Digitalisierung, der Energie- und Verkehrswende steht. Die Ergebnisse wurden zu einem „Transformationsatlas“ zusammen getragen. Heraus gekommen ist: Das Umkrempeln der Industrie ist bereits voll im Gange. Maschinen sind vernetzt. Die Produktion wird zumindest teilweise automatisiert geplant und gesteuert. Das gilt schon für fast jedes zweite Unternehmen.

In gut 40 Prozent der Firmen wird bereits avancierte Informationstechnik für die Ferndiagnose und Fernwartung von Anlagen und Apparaturen eingesetzt. Noch unterbelichtet ist der Einsatz von Virtual-Reality-Brillen in der Fertigung und in der Wartung. Auch Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten, sind noch eine Rarität, ebenso wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz zum Zwecke der Automatisierung. Doch für Hofmann ist klar: „Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung.“

Zwar ist schwer vorhersehbar, was sich wann und wie durchsetzen wird. Doch für die Mehrheit der Befragten ist klar, dass die Arbeitsbelastungen und die Anforderungen an die Qualifikation steigen und dass die Zahl der Beschäftigten sinken wird.

„Im Nebel auf Sicht fahren“

Höchste Zeit also, etwas zu tun? Nur etwa eine Drittel der Betriebe hat wenigstens in Teilen Strategien entwickelt, um die Digitalisierung beziehungsweise die Umstellung auf Elektromobilität zu stemmen. Aus Hofmanns Sicht hat das einerseits mit Fatalismus im Management zu tun. Man mache sich schlicht keine Gedanken, solange die Auftragsbücher voll seien. Das Management müsse vielfach aber auch „im Nebel auf Sicht“ fahren, weil es bei der Energie- und der Mobilitätswende große politische Unsicherheiten gebe. Als Beispiel nennt er einen Hersteller von Erdkabel, die für den Transport von Strom eigentlich dringend gebraucht würden. Doch die Firma müsse Kurzarbeit machen, weil Netzbetreiber derzeit bei Investitionen zurückhaltend seien.

Oder Energieanlagenbauer: Für die Energiewende werden in den nächsten Jahren Gaskraftwerke gebraucht – derzeit wird Strom aus solchen Anlagen in rauen Mengen aus dem Ausland importiert. Doch Energieunternehmen scheuen den Bau neuer Anlagen, weil unklar ist, wie stark die Erneuerbaren wachsen, was eng mit dem Bedarf nach Gasstrom für die nächsten Jahre verknüpft ist. Die Windenergie steckt in einer Krise inklusive Stellenabbau, weil die Bundesregierung den Ausbau so stark gebremst hat, dass sie ihre eigenen Ziele für den Öko-Strom nicht mehr erreichen kann.

Besonders große Sorgen macht den Metallern, was mit kleinen und mittelständischen Zuliefer-Unternehmen geschehen soll, die Komponenten für Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren fertigen. Was tun, wenn das alte Produkt (Kühler oder Motorgehäuse) immer weniger benötigt wird und neue Komponenten wie Elektroaggregate noch nicht im ganz großen Stil nachgefragt werden. Um Jobs zu sichern, macht sich die IG Metall für das Transformationskurzarbeitergeld stark. „Wir wollen damit Brücken bauen“, erläutert Hofmann. Bei Auftragseinbrüchen soll so die Belegschaft gehalten und den Beschäftigten sollen zugleich Angebote zur Weiterbildung gemacht werden, um alsbald für neue Tätigkeiten qualifiziert zu sein.

Doch für die Gewerkschafter ist klar, dass dies allein nicht reichen wird. Denn im Mittelstand ist die Kapitaldecke häufig ziemlich dünn. Deshalb fällt es schwer, einen Umbau aus eigener Kraft zu stemmen. Notwendig seien deshalb, so Hofmann, Mittelstands- und/oder regionale Beteiligungsfonds. Letztere weil die IG Metall erwartet, dass der Strukturwandel in bestimmten Regionen wie Mittelhessen oder Thüringen mit ihrer großen Zahl von Automobilzulieferern besonders heftig ausfallen wird. Die Fonds sollen „Geldsammelstellen für geduldiges Kapital“ (Hofmann) sein. Privaten Investoren sollen sie schmackhaft gemacht werden, etwa indem die Staatsbank KFW für einen Teil der eingesetzten Mittel geradesteht.

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