Koru Kids

Hilfe für berufstätige Eltern

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Britisches Start-up bildet Kinderbetreuer aus und vermittelt sie dann.

Rachel Carrell hatte von den Schwierigkeiten, mit denen frischgebackene Eltern konfrontiert sind, keine Ahnung. Bis sie selbst Mutter wurde. Plötzlich stellte die Chefin einer Gesundheitsfirma fest, wie schwierig es ist, eine Kinderbetreuung zu finden – und wie teuer, wenn man einmal eine hat. Sie hörte die Horrorgeschichten anderer Familien, die mit der Kinderbetreuung unzufrieden waren. Und sie sah auch viele weibliche Kolleginnen, denen es nicht möglich war, nach der Geburt ihres Kindes an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren – oder die einen Job annahmen, der gar nicht zu ihren Karrierevorstellungen passte, nur weil er sich mit der Kinderbetreuung vereinbaren ließ. Sie fand das falsch und unfair.

Carrell schmiss ihren Job und machte sich stattdessen daran, nach einer Lösung für ihr Problem und das von tausenden Eltern zu suchen. Ein Problem, das nicht nur berufstätige Eltern in und um London kennen, sondern in Städten auf der ganzen Welt. Herausgekommen ist Koru Kids, eine Plattform, die Studenten rekrutiert, ausbildet und an Eltern vermittelt. Und die sich um Arbeitsverträge, Altersvorsorge und Versicherung der Nannys kümmert. Am Dienstag hat sie ihr Unternehmen als eines der vielversprechendsten Startups, die es derzeit weltweit gibt, auf der Technologiekonferenz Web Summit in Lissabon vorgestellt.

Die Nannys verpflichten sich, mindestens drei Nachmittage in der Woche den Familien zur Verfügung zu stehen. Sie holen die Kinder von der Schule ab, machen Hausaufgaben mit ihnen, spielen und kochen Abendessen. Bevor die Studenten auf die Kinder losgelassen werden, werden sie unter anderem in Psychologie und Didaktik ausgebildet. So, dass die Kinder eine Betreuung von hoher Qualität erhalten. Ein Algorithmus bringt die Familien und Nannys zusammen, die am besten zueinander passen. Und wer nicht ganz so viel Geld hat, kann sich eine Nanny mit einer anderen Familie teilen. Die Studenten erhalten umgerechnet mindestens 10,30 Euro pro Stunde, wenn sie die Kinder von zwei Familien betreuen, sind es 12,30 Euro.

Nicht nur Familien und Studenten gefällt das Angebot, die Gründerin hat von Investoren in diesem Jahr umgerechnet vier Millionen Euro erhalten. Sie sollen dem Unternehmen helfen, zu wachsen.

Carrell plant, über die Grenzen Großbritanniens hinaus zu expandieren, wie sie der Frankfurter Rundschau sagte. Ob es ihre Dienstleistung auch bald in Deutschland geben wird, wollte sie allerdings noch nicht sagen. Willkommen wäre der Service aber vermutlich auch hierzulande. Schließlich haben auch hiesige Eltern trotz Anstrengungen der Politik weiterhin größte Mühe, ihre Kinder in verlässliche Hände zu geben. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung fehlen in Deutschland fast 300 000 Kitaplätze für Kinder unter drei Jahren.

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