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Immer wieder wird ein Schuh draus: der „Futurecraft Loop“.

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Hightech am Fuß

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Adidas und Puma arbeiten an den Sportschuhen der Zukunft - die binden sich selbst oder sind zu 100 Prozent recycelbar.

Die Zeiten, in denen man Sportschuhe bedenkenlos Schlappen nennen konnte, nähern sich ihrem Ende. Es sind nicht allein die heimischen Sportartikler Adidas und Puma, die derzeit immer mehr Hochtechnologie in ihre Laufschuhe bringen – aber vor allem sie. Adidas kann sichtbare Erfolge bei der Wiederverwertbarkeit vorweisen, während bei Puma der Tragekomfort im Fokus steht.

Erste dieser Hightech-Schuhe sind bereits zu haben oder stehen kurz vor ihrem Marktstart. Mit anderem wird noch experimentiert. Adidas nimmt für sich in Anspruch, den ersten voll recyclingfähigen Laufschuh auf den Markt zu bringen. Puma setzt auf selbstbindendes Schuhwerk und Nanomaterial, das sich dem Fuß anpasst oder auch durchlässig wird, wenn dieser schwitzt.

„Unsere Vision ist ein Paar Schuhe, das immer und immer wieder getragen werden kann“, sagt Adidas-Vorstand Eric Liedtke. Er meint damit einen neuen Laufschuh, der nach einem Jahrzehnt Entwicklungszeit im Frühjahr oder Sommer 2021 auf den Markt kommen soll und komplett wiederverwertbar ist. Recycelt werden Sportschuhe zwar heute auch schon. Aber weil sie üblicherweise aus komplexen Materialmischungen bestehen und bei der Produktion verklebt werden, können sie meist nur noch zu minderwertigen Produkten wie Wasserflaschen oder Tragetaschen weiterverarbeitet werden.

Adidas glaubt nun ein Verfahren gefunden zu haben, mit dem aus einem alten ein neuer Sportschuh gemacht werden kann. Schlüssel ist der Verzicht auf Klebstoffe und die Verwendung nur einer Materialart. Gefertigt wird zudem mittels konzerneigener Speedfactory-Technologie. Das sind hochautomatisierte Anlagen, bei denen Schuhe nicht mehr genäht werden. Nebenbei erlaubt das die Fertigung vor Ort in den Abnehmerländern. Speedfactory-Prototypen stehen in Deutschland und den USA.

Abfallfreie Produktion

Kunden sollen die neuartigen Recycling-Schuhe am Ende des Lebenszyklus an Adidas zurückgeben können. Sie würden dann gewaschen, in ihre Bestandteile zerlegt und zu einem Material verschmolzen, aus dem Komponenten für einen neuen Schuh entstehen, verspricht der Sportartikler. Der Prozess sei komplett abfallfrei. Sportschuhe aus in Ozeanen gesammeltem Plastikmüll fertigt Adidas bereits. Binnen Jahresfrist wurde die Produktionsmenge für 2019 auf voraussichtlich elf Millionen Paar verzehnfacht. Ist eine Technologie also erst einmal einsatzfähig und fragen Verbraucher sie nach, steigen Stückzahlen schnell.

Puma wiederum will 2020 einen Laufschuh auf den Markt bringen, der sich selbst bindet. Diese Arbeit übernimmt ein miniaturisierter Elektromotor. Finale Verbrauchertests laufen gerade an. Intelligent werden sollen Schuhe in einem weiteren Schritt, erklärt ein Puma-Technologieexperte. Dazu experimentiere man seit einiger Zeit in Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology in den USA und dem heimischen Fraunhofer-Institut auf Basis von bioaktiven Nanomaterialien. Erste Prototypen gibt es, aber der Marktstart ist noch offen.

Das Material soll zum einen automatisch seine Struktur verändern und schweißdurchlässig werden, wenn der Fuß schwitzt. Das entsprechende Signal ans Schuhgewebe sendet eine biologisch aktive Materialschicht, die dabei wie ein Schweiß- und Hitzesensor agiert. Zum anderen soll das Nanomaterial auch seine Form verändern und sich der individuellen Fußform seines Trägers anpassen können.

„Puma ist der einzige Sportartikler, der sich damit befasst“, heißt es bei den Franken. Ihre langfristige Hoffnung ist es, die Technologie einmal auch auf Bekleidung übertragen zu können, die sich dann ebenfalls der Körperform anpasst. Das Eis bei neuen Technologien brechen sollen aber erst einmal Sportschuhe als Schlüsselprodukt.

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