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Süße Träume.

Covestro

Hersteller verarbeitet CO2 zu Schaumstoff

Covestro stellt aus CO2 nun Matratzen her. Aus Sicht der Umweltverbände ist das ein ökologischer Alptraum.

Von Thomas Käding

Die Euphorie ist groß, von „Dream Production“ ist bei Covestro die Rede: Kohlendioxid wird zum Rohstoff für Schaumstoff. Schlafen auf Klimagift, heißt es. Denn die Matratze ist ein Produkt, für das jenes Polyurethan eingesetzt werden kann, in dem Bayers ausgegliederte Kunststoff-Sparte jetzt 20 Prozent CO2 verarbeitet. Nachdem Pilotversuche in Leverkusen erfolgreich verliefen, wird in Dormagen im industriellen Maßstab produziert. 5000 Tonnen pro Jahr schafft die Anlage, die am Freitag offiziell eingeweiht wurde.

Aus der Sicht von Umweltverbänden ist die Methode indes eher ein Alptraum: Das Molekül Kohlendioxid ist träge wie kaum ein anderes. Deshalb muss extrem viel Energie eingesetzt werden, um es zu einer Reaktion zu bringen. Hermann Fischer vom Naturschutzbund etwa kann sich „kaum eine ökologisch katastrophalere Strategie“ vorstellen. Aber es mache sich einfach gut, „mit einem Verfahren zu prahlen, welches das böse CO2 in harmlose und nützliche Verbindungen umwandelt“. Das sei nur „billige Pseudo-PR“.

Auch die wissenschaftlichen Begleiter des Forschungsprojekts sind zurückhaltend. Covestros Schaumstoff-Produktion sei nicht mehr als „ein Einstieg“, betonte Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen. Mit dem dort angesiedelten CAT-Institut haben die Kunststoff-Experten aus der Industrie zusammengearbeitet, um das größte Problem zu lösen: Kohlendioxid ist ein träger Stoff, der normalerweise nur reagiert, wenn viel weitere Energie zugeführt wird. Was das Verfahren zunächst ad absurdum führt. Ein brauchbarer Katalysator wurde schließlich gefunden, aus der „Dream Reaction“ wurde die „Dream Production“ – jedenfalls aus Sicht des Unternehmens.

Neben dem wissenschaftlichen Obmann Schmachtenberg betonte auch ein großer Förderer den Pilot-Charakter des Verfahrens. „Wir sind erst am Anfang“, erklärte Thomas Rachel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Sein Haus hat 7,5 Millionen Euro ausgegeben, damit das Projekt vollendet werden kann. Das ist die Hälfte dessen, was Covestro nach eigenen Angaben für die Dormagener Anlage gezahlt hat. Dass derart viel Steuergeld an eine hochprofitable Firma wie Covestro fließt, begründete Rachel damit, dass unter dem Bayer-Kreuz das „weltweit wohl größte Projekt für CO2-Nutzung“ laufe. Und es soll weitere geben: Bis 2019 wolle das Bundesforschungsministerium mit 17 Millionen Euro Ideen fördern, wie Kohlendioxid wiederverwendet werden kann. Denn die Bundesregierung wünsche sich, dass aus Rohstoffen mit CO2-Anteil „volkswirtschaftlich relevante Produkte werden“.

Was Covestros CO2-Schaumstoff angeht, kann das tatsächlich nicht mehr als ein Wunsch sein: Der niedrige Ölpreis macht ein Material, das mit großem Aufwand herstellt wird, für den Kunden nicht gerade attraktiv. Ein Verkaufsargument könnte das umweltfreundliche Image des Rohstoffs sein. Für Covestros Vorstandschef Patrick Thomas hat CO2 zwei Gesichter: das des bösen Treibhaus-Killers. Und das des „nützlichen Helfers“.

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