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Skihelme sind bei Spitzensportlern ein Muss - und auch bei den Freizeitsportlern stark gefragt.

Sportmesse Ispo

Helm statt Mütze

Die Sportartikelbranche jubelt mitten in der Rezession. Der Winter mit viel Schnee und Kälte heizt den Verkauf an. Bei der Sportmesse Ispo ist vor allem der Schutzhelm ein Boomprodukt. Von Thomas Magenheim

München. Ein Satz begeistert derzeit den Sportfachhandel. "Haben Sie noch Skihelme?", fragen immer mehr Kunden. Seit dem Zusammenprall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus mit einer anderen Wintersportlerin, die an den Unfallfolgen starb, steigt die Nachfrage nach dem Kopfschutz.

Auch in den Läden habe es einen Knall getan, sagt der Präsident des heimischen Sportfachhandels (VDS), Werner Haizmann, im Vorfeld der Sportartikelmesse Ispo in München. Ausverkauft sei die begehrte Ware zeitweise gewesen. Mittlerweile kann der Handel den Nachfrageschub befriedigen, weil der global führende Helmhersteller Uvex die Produktion steigerte.

"Toll, dass es so eine Firma gibt", schwärmt Haizmann. Das Besondere an Uvex ist, dass der Fürther Mittelständler mit 330 Millionen Euro Jahresumsatz als einer von wenigen in der Sportartikelbranche noch in Deutschland produziert. Das Werk Lederdorn im Bayerischen Wald läuft auf Hochtouren.

Produktion im Januar versechzigfacht

Während ausländische Hersteller wegen langer Order- und Transportketten nicht lieferfähig waren, profitiert Uvex vom flexiblen "made in Germany", sagt Firmensprecherin Barbara Spielmann. 20.000 Nachbestellungen binnen zwei Tagen, der Januar-Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr versechzigfacht, jubelt sie.

Seit vier Wochen laufen täglich 2.500 Helme vom Fließband, ein Ende der hohen Produktion ist nicht in Sicht. Vor zwei Jahren hat Uvex die Herstellung von Helmen aus Italien nach Deutschland zurückgeholt, in den Standort investiert, 50 Stellen aufgebaut und profitiert nun davon.

Die Mütze ist out

Ein Trend zum Skihelm ist seit zwei Jahren spürbar. "Mützenträger sind heute die Ausnahme", sagt Spielmann mit einem Blick auf die Pisten. 80 Prozent aller Kopfverletzungen beim Skifahren werden durch einen Helm vermieden, sagt der Deutsche Skiverband.

Gingen vergangenen Winter im deutschsprachigen Alpenraum noch rund 800.000 Helme über den Tresen, wuchsen die Verkäufe diese Saison auf bislang 1,4 Millionen Stück, schätzt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie, Adalbert von der Osten. "Wir stehen mitten in einer Wintersaison, die Freude macht", stellt er klar und blickt furchtlos nach vorn.

Skifahrer leihen sich die Bretter lieber

Denn auch Schnee und Kälte beflügeln die Wintersportbranche. Die andauernden Minusgrade hätten auch die Lager "für alles, was Kufen hat" geräumt, sagt von der Osten. Die Hälfte aller Hersteller beurteile die Geschäftslage als gut oder sehr gut. Missmutig macht sie nur die Tendenz zum Ausleihen von Skiern. Rund 350.000 Bretter würden heute in Deutschland pro Saison verkauft. Vor acht Jahren sei es noch das Doppelte gewesen.

Das ist aber für die Branche als Ganzes aber immer weniger schmerzhaft, weil sie ihr Geschäft heute schon zur Hälfte mit modischer Bekleidung macht, Tendenz steigend. "Was früher nur Bergsteiger trugen, zieht man heute zum Spaziergang im Park an", räumt von der Osten ein. Deshalb habe beispielsweise das Segment Outdoor nun das ganze Jahr über Saison.

Er und Haizmann glauben fest, dass die Sportartikelbranche krisenfest bleibt. Denn ihre Produkte werden vom Verbraucher vor allem auch mit Fitness und Gesundheit in Verbindung gebracht. "Der Kunde kauft im Sportgeschäft vor allem Gesundheit und daran spart man nicht", stellt Haizmann klar.

Sportfachhandel strebt auf Spitzenplatz

Sportliche Kleidung anziehen allein bringt allerdings wenig. Anders wäre es kaum zu erklären, dass zwei Drittel aller Männer und deutlich mehr als die Hälfte aller Frauen hier zu Lande einer aktuellen Untersuchung nach zu dick sind. Handel und Industrie kann es egal sein, ob ihre Ware von wirklich Aktiven gekauft wird oder von solchen, die es nur aus modischen oder Imagegründen tun. "Wir sind zuversichtlich, auch 2009 von allen im Einzelhandel am besten abzuschneiden", sagt Haizmann.

Trotz allgemeiner Rezession erwartet er dieses Jahr wieder ein leichtes Umsatzplus, nachdem 2008 drei Prozent mehr auf 7,1 Milliarden Euro Branchenerlös gebracht hatte. Auch die am Sonntag beginnende Ispo werde diese Aufwärtstendenzen widerspiegeln, ist sich Messechef Manfred Wutzlhofer sicher. Vier Tage lang präsentieren die knapp 2.000 Austeller dort ihre Produkte. Die Ispo ist ausgebucht.

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