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Her mit dem Helikoptergeld!

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Von: Rainer Voss

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Es ist besser als alle Alternativen

Nach dem Treffen der Hohen Priester der Zentralbanken in den USA muss man kein großer Prophet sein, um für den Herbst eine Diskussion um das sogenannte „Helikoptergeld“ vorauszusagen. Mit dem Begriff wird eine geld- oder auch fiskalpolitische Maßnahme beschrieben, bei der der Bevölkerung Geld ausgezahlt wird, von dem man sich erhofft, dass es unmittelbar in den Konsum fließt und so endlich die inflationäre Wirkung entfaltet, die es den Zentralbanken ermöglicht, ihre monetären Ziele zu erreichen.

Anders als in den pragmatisch orientierten USA wird diese Diskussion vor allem in Deutschland mit großer ordnungspolitischer Inbrunst geführt werden. Man wird sich in Talkshows empören, dass es nicht sein kann, dass Geld ohne erkennbare Gegenleistung ausgezahlt wird; Referenzen an die Zeit der Hyperinflation werden bemüht werden, kurzum: Die apokalyptischen Reiter werden galoppieren!

Dabei geht es gar nicht um die Frage, ob Helikoptergeld eine feine Sache ist oder nicht, sondern darum, ob es besser ist als seine Alternativen! Diese Alternativen sind Ankaufprogramme beispielsweise  für Staatsanleihen durch die Zentralbanken und/oder negative Zinsen. Um es klar zu sagen: Wir haben bereits so etwas wie Helikoptergeld. Allerdings mit verheerenden Verteilungswirkungen, weil dieses Helikoptergeld nur Besitzern der Anleihen zu Gute kommt, die die Zentralbanken kaufen oder – im Falle der negativen Zinsen – weil diese das klassische Geschäftsmodell der Banken zerstören.

Im Vergleich zu diesen unpräzisen, schwierig zu kalibrierenden Instrumenten wirkt Helikoptergeld mit chirurgischer Präzision. Es kommt ohne Umwege bei den einzelnen Haushalten an, die dann die Alternative haben, es auszugeben oder zu sparen; letzteres könnte durch eine Art Ablaufdatum verhindert werden. Kein Bankensystem, durch das das neu geschaffene Geld erst wie durch einen Kaffeefilter sickern muss, um seine endgültige Bestimmung zu erreichen und auch keine krasse Verzerrung der Preise von Vermögenswerten, die den Begriff „Kapitalmarkt“ verhöhnt.

Lassen wir uns also nicht durch die Rhetorik der „schwäbischen Hausfrauen“ verwirren, sondern akzeptieren wir, dass wir in der nächsten Rezession, die durch noch niedrigere Zinsen und eine hartnäckige Stagnation geprägt sein wird, zu ungewöhnlichen Mitteln greifen müssen.

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