Gastwirtschaft

Von Helden und Püppchen

Wie weihnachtlicher Konsum Geschlechter reproduziert. Unsere Gastwirtschaft.

Es ist Adventszeit und wieder Zeit, sich in die Spielzeugläden zu begeben, um das perfekte Geschenk für die Jüngsten unserer Gesellschaft zu finden. Die meisten Spielzeughersteller vermarkten ihre Produkte in zwei Linien: blau-grüne Welten mit Helden, Robotern, Autos einerseits und lila-rosafarbene Spielfigürchen in Tutus andererseits. Aus Sicht der Unternehmen ist es sinnvoll, zwei Geschlechteridentitäten zu verfolgen, die möglichst unterschiedlich sind. So wird selbst Geschwistern quasi verunmöglicht, mit denselben Gegenständen zu spielen, und die Profite erhöhen sich.

Noch vor hundert Jahren hätte sich jedoch ein anderes Bild ergeben: Rot war als teure Farbe für Männer reserviert, während blau als Farbe der Gottesmutter Maria eher Frauen zugeschrieben wurde. Dieses Beispiel zeigt, dass die Zuordnung von Attributen und Charakteristika zu einem Geschlecht ein Produkt gesellschaftlicher Entscheidung ist.

Ergebnisse der Geschlechterforschung besagen, dass es kein biologisches Geschlecht gibt oder zumindest die binäre Unterscheidung zwischen Mann und Frau aus biologischer Sicht nicht gegeben ist. Sie entsteht erst durch die stillschweigende gesellschaftliche Übereinkunft, aus bestimmten körperlichen Attributen ein Geschlecht abzuleiten.

Dieser Vorgang, „doing gender“ genannt, wird in der Interaktion zwischen Menschen so oft wiederholt und institutionalisiert, bis diese an die wahre Existenz der Geschlechter und ihrer Unterschiede glauben. Dieser Glaube, der von Kindesbeinen an vermittelt wird, formt dann Charakter, Verhalten und sogar Körper. So ist es logisch, dass ein Mädchen, dem beigebracht wird, dass es nicht Fußball spielen soll, später weniger Muskelmasse aufbaut.

Viele Unterschiede, die wir als gegeben und unveränderlich ansehen, müssen nicht notwendigerweise so sein und haben auch nicht zu allen Zeiten, in allen Gesellschaften existiert. Diese Überlegungen lassen sich auf viele Gebiete der Gesellschaft beziehen. Für unser Beispiel bedeutet es: Mädchen haben keine natürliche Veranlagung, Puppen zu mögen oder Werkzeuge zu schmähen. Ebenso haben Jungs nicht ein natürlich besseres Raumverständnis, sondern trainieren dieses durch auf sie zugeschnittene Baustein-Spiele intensiver.

Die Geschenkejagd der Adventszeit bietet eine Möglichkeit, diese Muster herauszufordern. Statt Interessen so lange vorgegeben zu bekommen, bis es ihre eigenen werden, sollten Kinder die Möglichkeit haben, diese selbstständig und geschlechtsunabhängig zu entdecken.

Die Autorin ist Mitglied des Kollektivs für Gesellschaft und Ökonomie.

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