Pflege

Helden im Niedriglohn

  • Jan Sternberg
    vonJan Sternberg
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Fast ein Drittel der Altenpflegerinnen und -pfleger betroffen. Im Osten sind es sogar 40 Prozent.

Pflegekräfte gelten als Helden in der Corona-Krise. Doch Forderungen nach angemessener Bezahlung stoßen nach wie vor auf taube Ohren. Wie weit der Weg bis zu einem auskömmlichen Einkommen ist, zeigen neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegen.

Danach verdienten bundesweit 28,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Altenpflegerinnen und -pfleger in Deutschland nur einen Niedriglohn. Dabei bestehen große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. In Westdeutschland liegt der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten bei einem Viertel (25,3 Prozent) – im Osten weit höher bei 40,7 Prozent.

Von niedrigen Löhnen besonders betroffen sind Helfer in der Altenpflege, die keine Fachausbildung vorweisen können. Hier arbeiten insgesamt 58 Prozent im Niedriglohnsektor. Im Osten liegt der Anteil sogar bei 78,5 Prozent.

Große Unterschiede gibt es auch zwischen deutschen und ausländischen Pflegekräften. Bundesweit arbeiten 25,6 Prozent der deutschen Altenpfleger im Niedriglohnsektor, aber 42,6 Prozent der Ausländer. In Ostdeutschland liegt der Anteil der deutschen Altenpfleger bei 39 Prozent, der der ausländischen Pflegekräften sogar 61,5 bei Prozent.

Zwar zählt die Altenpflege zu den Mangelberufen, jedoch schlägt sich das in der Lohnentwicklung nicht nieder. Erfragt hat die Zahlen der AfD-Sozialpolitiker René Springer. Er sagte dem RND: „Mit einer sicheren Perspektive auf einen schlecht bezahlten Job wird man den steigenden Bedarf an Fachkräften in der Altenpflege nicht decken können.“ Er forderte eine „gesteuerte Zuwanderung, bei der bestimmte Löhne nicht unterschritten werden dürfen.“

Einen ersten Schritt in die Richtung machte jetzt das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg. Es sprache einer bulgarischen Pflegekraft eine Lohn-Nachzahlung von 30 000 Euro zu. Die Frau hatte eine 96-Jährige gepflegt und bei ihr als 24-Stunden-Kraft gewohnt, wurde aber nur für 30 Wochenstunden bezahlt.

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