Strom- und Gaspreis

Heizen wird teurer

  • schließen

Die Versorger erhöhen die Strom- und Gaspreise stark.

Es ist schon fast ein Ritual. Wenn sich das Jahresende nähert, verschicken die Versorgungsunternehmen Briefe. In den allermeisten Fällen wird den Kunden darin erläutert, dass sie im nächsten Jahr mehr für Energie zahlen sollen. Für 2019 trifft es die Haushalte besonders hart. Sowohl beim Gas als auch beim Strom gibt es kräftige Aufschläge.

Bei der elektrischen Energie im Grundversorgertarif pendeln sie sich zwischen vier und fünf Prozent ein – mit regional großen Unterschieden. Es gibt bei einigen Stadtwerken sogar geringfügige Verbilligungen. Die Erhöhungen reichen bis zu 20 Prozent. Das Verbraucherportal Verivox hat für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden jährliche Mehrkosten von im Schnitt 55 Euro errechnet.

Beim Gas waren die Preise fünf Jahre lang weitgehend stabil. Laut Verivox haben 224 der 710 Grundversorger für Dezember und Januar Preiserhöhungen von durchschnittlich 7,7 Prozent angekündigt. Für das Beheizen eines durchschnittlichen Einfamilienhauses steigen damit die Kosten im kommenden Jahr um knapp 100 Euro.

In fast allen Mitteilungen von Stadtwerken an ihre Kunden wird darauf hingewiesen, dass sich die Großhandels- und Einkaufspreise in den vergangenen Monaten deutlich erhöht hätten und dass man diese Kosten weitergeben müsse. Was niemand bestreitet: Ein Stadtwerk, das sich jetzt die Stromlieferung fürs nächste Jahr sichern will, muss an der Börse rund 50 Euro pro Megawattstunde zahlen. Zu Beginn des Jahres waren es noch 37 Euro.

Was ist passiert? Mehrere Faktoren sind in den vergangenen Monaten zusammengekommen. Gas und der Brennstoff für Kohlekraftwerke haben sich deutlich verteuert. Die Betreiber von Kohlekraftwerken mussten zudem für CO2-Emissionszertifikate deutlich tiefer in die Tasche greifen. Außerdem schlage die extreme Trockenheit im Sommer durch, sagt Carlos Perez Linkenheil vom Berliner Beratungs- und Analysehaus Energy Brainpool. Deutschland exportiere auch mehr Strom. „Das verknappt hierzulande das Angebot.“

Anbieter wechseln 

Auch beim Gas zeigt der Extremsommer seine Spätfolgen. Die niedrigen Wasserstände der Flüsse haben dazu geführt, dass Kohlekraftwerke per Schiff nur mit beschränkten Mengen des Brennstoffs beliefert werden können. Gaskraftwerke müssen einspringen. Aber auch langfristig steigt der Bedarf, weil die Industrie verstärkt auf das umweltfreundlichere Erdgas setzt. Zudem verkauft Russland mehr nach Asien – so hat sich das Angebot in Westeuropa verknappt. An den Spotmärkten, wo sich Versorger kurzfristig eindecken können, sind die Preise exorbitant in die Höhe geschossen. Da sind Spekulanten am Werk, die auf einen kalten Winter und Versorgungsengpässe wetten.

Mit Blick auf die Strompreiserhöhungen weist Linkenheil darauf hin, „ dass die Unternehmen nicht erst jetzt ihren gesamten Strom für das nächste Jahr kaufen, sondern sich in der Vergangenheit in der Regel einen größeren Teil ihres Bedarfs zu günstigeren Preisen gesichert haben.“ Genau aus diesem Grund kritisiert Thomas Engelke vom Verbraucherzentrale Bundesverband die Preispolitik der Stromversorger: „Viele Versorger haben selbst langfristige Verträge abgeschlossen, daher sind die angekündigten kurzfristigen Strompreiserhöhungen so nicht nachvollziehbar.“ Verbraucherschützer raten den Bürgern, nach preiswerten Anbietern zu suchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare