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Heizen mit Bits and Bytes

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Von: Joachim Wille

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Abwärme von Rechenzentren könnte laut einer Studie rund 350 000 Wohnungen versorgen.

Rechenzentren verbrauchen viel Strom und produzieren viel Abwärme, die bisher zumeist ungenutzt in die Atmosphäre geblasen wird. Angesichts der Erdgas-Krise setzt sich der Digitalverband Bitkom dafür ein, die Abwärme viel stärker als bislang für Heizung und Warmwasser-Bereitung zu nutzen. Nach den Bitkom-Berechnungen könnten damit bundesweit rund 350 000 Wohnungen versorgt werden – das entspricht fast dem Bestand in einer Stadt wie Bremen.

Für die Abwärmenutzung kommen laut Bitkom vor allem mittlere und größere Rechenzentren in Betracht. Diese kommen hierzulande zusammen auf eine Anschlussleistung von 965 Megawatt (MW). Davon kann in der Praxis rund die Hälfte für die Abwärmenutzung herangezogen werden, so die Studie, die vom Borderstep Institut durchgeführt wurde. Das sei ausreichend für die Beheizung von 31,9 Millionen Quadratmetern Wohnfläche.

Bisher liegt das Potenzial aus zwei Gründen weitgehend brach: An den Standorten der Rechenzentren fehlen oft Fernwärmenetze oder sie sind nicht direkt nutzbar, da die Abwärme mit rund 30 Grad meist nicht die für diese Netze nötige Temperatur hat. Doch hier gibt es laut der Studie Lösungsmöglichkeiten. Wo kein Fernwärmenetz liegt, könne die Abwärme genutzt werden, um die umliegenden Gebäude zu versorgen – also in neu zu bauenden Nahwärmenetzen. Und um höhere Temperaturen zu erreichen, können spezielle elektrische Wärmepumpen eingesetzt werden, die zudem Schwankungen beim Anfall von Abwärme ausgleichen können. Um diesen Markt anzuschieben, fordert Bitkom, diesen Einsatz von Wärmepumpen beim Strompreis von den Netzentgelten zu befreien.

Stromverbrauch steigt

„Um unabhängig von russischem Gas zu werden und den Klimaschutz weiter voranzutreiben, sollten alle verfügbaren Quellen ausgeschöpft werden“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Zudem könne durch eine Abwärmenutzung die Energiebilanz der stark wachsenden Rechenzentrumsbranche selbst deutlich verbessert werden.

Der Stromverbrauch aller deutschen Rechenzentren betrug im Jahr 2020 rund 16 Terawattstunden (TWh), was rund drei Prozent des gesamten Stromverbrauchs entspricht. 2010 waren es erst gut zehn TWh gewesen. Für die nächsten Jahre wird eine ähnlich starke Zunahme erwartet.

Problem: Rechner und die Kühlungssysteme werden zwar effizienter, doch der Bedarf an Rechenleistung und Speicherplatz in der Cloud steigt noch schneller. Auch die Ampel-Bundesregierung setzt deshalb auf Nutzung der Abwärme. Erste kleinere Projekte zur Abwärme-Nutzung gibt es bereits, etwa in Frankfurt. So wird dort ein Hotel im Eurotheum-Hochhaus, in dem zwei Etagen mit einem Rechenzentrum belegt sind, damit beheizt.

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