Klimawandel

Heißzeit ist kaum noch aufzuhalten

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Auch der Ausbau alternativer Energien produziert CO2. Deshalb bremst er den Klimawandel zu spät.

In einer Million Jahren hat die Natur CO2 aus der Luft in fossile Brennstoffe verwandelt, die wir in nur 150 Jahren in CO2 zurückverwandelt haben. „Nicht menschengemacht“? Von wegen! Wieso steigt dann aber trotz immer mehr alternativer Energien der CO2-Gehalt weiter an? Antwort: Die Ökonomen berechnen unter anderem die Herstellungsenergie falsch.

Bei einem Windrad ist das nicht nur die Energie für Produktion, Transport und Montage, sondern auch die für die Gewinnung aller erforderlichen Bodenschätze für alle Teile und Zulieferteile, bis hin zu Wartung, Reparatur, Abriss und Müllverwertung. Ferner müssen für diese gesamte Bandbreite die entsprechenden Anteile für notwendige Sekundärproduktionen einbezogen werden: Stromautobahnen, Produktionsmaschinen, Transportmittel, Spezialtransporter und -hebefahrzeuge, Planungs- und Produktionsgebäude, Computer und Werkzeuge. Hinzu kommt noch der Anteil des Ernergieaufwands für alle Fahrten aller Beteiligten zu allen Arbeitsstätten und zurück. Die Herstellungsenergie etwa für ein Elektroauto würde sich so (laut „heute“-Sendung) erst nach 86 Jahren amortisieren. Fazit: Allein mit alternativen Energien ist die Heißzeit nicht mehr aufzuhalten. Es geht nicht ohne Einsparung und Verkleinerung unseres ökologischen Fußabdrucks.

Eine ehrliche Ökonomie müsste alle notwendige Herstellungsenergie konsequent im Gegensatz zur Arbeitsunterlassung rechnen. Dann käme zum Beispiel noch der höhere Konsum infolge höherer Arbeitseinkommen hinzu. Genau das kann aber eine Ökonomie nicht leisten, die nach wie vor nach Arbeitsbeschaffung, Wachstum und westlichem Wohlstand strebt und die Physik der Dinge einfach ignoriert. Und auch die Politik kann schon aus wahlstrategischen Gründen niemals zugeben, dass nur die Ärmeren dieser Welt wirklich ökologisch leben, sofern sie nicht aus Not seltene Zugvögel essen müssen, wie in Afrika.

Natürlich ist der Aufbau alternativer Energien nicht falsch. Er hat nur viel zu spät, zu langsam, halbherzig und unehrlich begonnen. Erst wenn wir eines fernen Tages unsere gesamte Energie zu 100 Prozent solar erzeugen, können wir sagen: Von jetzt an wird die Heißzeit erstmals nicht mehr vom Menschen beschleunigt. Nur ist die dann bereits lange da und beschleunigt sich dank getauten Permafrostbodens, sowie Polar- und Gletschereises von selber.

Der Autor ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker.

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