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Das Kernprodukt von Heidelberg Cement.

Merckle-Gruppe

Heidelberg-Cement baut zurück

Der Baustoffkonzern Heidelberg-Cement muss Beteiligungen verkaufen und sucht Geldgeber, um seine hohen Schulden bezahlen zu können. Das Unternehmen gehört zum Kern der Merckle-Gruppe.

Heidelberg. Der hochverschuldete Baustoffkonzern Heidelberg-Cement blickt wegen der schwächelnden Baukonjunktur einer düsteren Zukunft entgegen und will sich von Beteiligungen trennen.

Trotz massiver Einsparungen würden Umsatz und Ergebnis 2009 erstmals seit vielen Jahren sinken, teilte der zum Imperium des zu Jahresbeginn verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle zählende Konzern aus Heidelberg mit.

"Dauer und Ausmaß der globalen Rezession sind nicht absehbar", räumte der Vorstand ein. Um die milliardenschweren Schulden bedienen zu können, stehen Beteiligungsverkäufe und die Suche nach neuen Investoren ganz oben auf der Tagesordnung des Managements.

Der weltweite Konjunkturabschwung habe mittlerweile auch die Zementnachfrage in den Wachstumsmärkten Russland und Ukraine gedrückt, erklärte Vorstandschef Bernd Scheifele. Die jüngsten Rekorde bei Umsatz und Ergebnis seien daher nicht zu halten - obwohl Heidelberg-Cement durch Kürzungen bei den Ausgaben für Personal, Investitionen und Instandhaltung in diesem Jahr insgesamt mehr als 400 Millionen Euro sparen will.

Mit positiven Impulsen aus den staatlichen Konjunkturprogrammen rund um den Globus rechnet Scheifele erst von der zweiten Jahreshälfte an.

Damit folgt Heidelberg-Cement den jüngsten Hiobsbotschaften der Bauzulieferer in Deutschland und weltweit. Im vergangenen Jahr profitierten die Heidelberger noch von der Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson, was die Mitarbeiterzahl auf knapp 65.000 hochschnellen ließ.

Der Umsatz erhöhte sich durch die zugekauften Geschäfte in den USA, Großbritannien und anderen Ländern um 30 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn stieg auf 2,1 bis 2,2 Milliarden Euro von 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2007.

Folgen der Hanson-Übernahme bereiten Kopfzerbrechen

Die Übernahme von Hanson entpuppte sich jedoch als Achillesferse des 1873 gegründeten Konzerns, da Heidelberg-Cement damit seine Verschuldung hochtrieb und dadurch die Ratingagenturen weckte. Ende September betrug der Schuldenstand 12,3 Milliarden Euro. Bis Dezember sei die Verschuldung "spürbar" gesunken, sagte Finanzvorstand Lorenz Näger. Wegen sinkender Bonitätsnoten steigt die Zinslast.

Um die 2009 anstehende Tilgung oder Umschuldung von fünf Milliarden Euro schultern zu können, will sich das Unternehmen gesundschrumpfen und sucht händeringend nach neuen Investoren. Alle Geschäfte außerhalb der Kernaktivitäten Zement, Sand, Kies und Beton stünden zum Verkauf, bekräftigte Scheifele.

Dazu zählt er die mit Hanson übernommenen Geschäfte mit Beton- und Stahlröhren sowie Ziegeln und Kalkwerke. Die Verkaufsliste sei "umfangreich", ergänzte Finanzvorstand Näger. Wegen der angespannten Finanzmärkte sind die Verkaufsbedingungen jedoch alles andere als optimal - zumal sich auch Konkurrenten wie Cemex und Lafarge nach starker Expansion in den vergangenen Jahren von Beteiligungen trennen wollen.

Heidelberg-Cement macht nicht nur der eigene Schuldenberg zu schaffen, sondern ist indirekt auch von den Finanzproblemen der Großaktionärsfamilie Merckle betroffen, die noch gut drei Viertel hält. Um von den Banken Kredite zu erhalten, könnten außer Heidelberg-Cement auch Merckles Pharma-Töchter Ratiopharm und Phoenix in den kommenden Monaten ganz oder teilweise verkauft werden.

Es gebe "starkes Interesse" von "verschiedensten Investorengruppen", bei Heidelberg-Cement einzusteigen, sagte Finanzvorstand Näger. Finanzkreisen zufolge sind die Investmentgesellschaften Goldman Sachs, TPG und Bain Capital interessiert. Am liebsten wollten sie eine Mehrheit an dem an der Börse mit rund 3,9 Milliarden Euro bewerteten Baustoffkonzern übernehmen. (rtr)

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