Glyphosat

Hedgefonds mischt bei Bayer mit

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Angesichts von tausenden Klagen gegen Monsanto in den USA setzt Bayer auf eine neue juristische Strategie. 

Die Aktie des Bayer-Konzerns schoss am Donnerstagnachmittag um mehr als acht Prozent in die Höhe. So etwas hat man bei den Leverkusenern lange nicht gesehen. Das Plus ist als Applaus für eine Kehrtwende in Sachen Unkrautvernichter Glyphosat zu werten. Verknüpft mit der Hoffnung auf weitere Kurssteigerungen der Dividendenpapiere. Auch weil ein Schnäppchenjäger in Sachen Aktien Druck macht.

Was ist geschehen? Der Aufsichtsrat hat beim Bewältigen der Klagen gegen die US-Tochter Monsanto die Kontrolle übernommen. Er hat einen Sonderausschuss gegründet, der von einem Anwalt beraten wird, der laut Mitteilung des Aufsichtsgremiums „eine frische und unabhängige Sichtweise“ einbringen soll.

In den USA wurden Tausende von Klagen eingereicht, mit denen Monsanto-Kunden Schadenersatz erzwingen wollen. Sie werfen dem Unternehmen vor, die Krebsgefahren, die von Glyphosat ausgehen, über Jahre vertuscht zu haben. In den ersten drei Verfahren in Kalifornien haben die Kläger recht bekommen. Gleichwohl wollte der Vorstand um Konzernchef Werner Baumann die Verfahren bislang durch alle Instanzen bis zum bitteren Ende durchfechten, was mehrere Jahre gedauert hätte.

Unter den Glyphosatklagen hat das Unternehmen massiv gelitten. Es hat seit der Übernahme von Monsanto im vorigen Jahr mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Auf der Hauptversammlung vor einigen Wochen gab es massive Kritik an Baumann. Aufsichtsratschef Werner Wenning versprach, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Jetzt hat er mit der Einsetzung des Ausschusses gehandelt und damit auch Baumann die Sache aus der Hand genommen. Alles deutet nun darauf hin, dass die Kontrolleure zügig außergerichtliche Einigungen anstreben werden. Wie das konkret umgesetzt werden kann, soll der US-Anwalt John Beisner klären, der schon in zahlreichen anderen komplexen Verfahren Vergleiche ausgehandelt hat. Beisner steht zudem Ken Feinbein zur Seite, der Bayer bei einem gerichtlich angeordneten Schiedsverfahren zu Glyphosatklagen vertreten soll.

Analysten erwarten, dass die Deals Bayer bis zu zehn Milliarden Dollar kosten können. Das US-Recht ist so gestrickt, dass es außergerichtliche Einigungen provoziert. Das mussten in der Vergangenheit auch die Deutsche Telekom oder VW schon erfahren.

Droht die Aufspaltung?

Der neue Kurs des Aufsichtsrats ist ganz offenbar nach Gesprächen mit wichtigen Investoren beschlossen worden. Denn auffallend ist, dass nur etwa eine halbe Stunde nach der entsprechenden Mitteilung der Kontrolleure der berühmt-berüchtigte US-Hedgefonds Elliott sich am Mittwochabend erstmals zum Fall Bayer öffentlich äußerte und sich dabei als Großaktionär outete. Die Amerikaner halten Papiere im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro, was einem Anteil von gut zwei Prozent entspricht. Das hört sich nach wenig an. Doch Elliott gilt als sogenannter aktivistischer Aktionär. Das sind Anteilseigner, die mit teils höchst fragwürdigen Mitteln massiv Druck auf Manager ausüben, um eigene Interessen durchzusetzen. Und die zielen in der Regel darauf ab, in kurzer Zeit viel Geld zu machen. Voraussetzung dafür ist ein sogenanntes unterbewertetes Unternehmen, das tatsächlich also mehr wert ist, als es der Aktienkurs hergibt.

Bei Bayer ist eine derartige Konstellation beinahe idealtypisch gegeben. Der Leverkusener Konzern bringt gerade einmal noch 54 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung auf die Waage, wobei aber allein die Übernahme von Monsanto schon mehr gekostet hat.

Eliott begrüßte denn auch den Kurswechsel und die Einrichtung des Sonderausschusses und geht bereits von einem grundlegenden Schwenk in der Prozessstrategie aus. Die Manager des Hedgefonds sind davon überzeugt, dass nun der Weg für „einen vernünftigen, fairen und zeitnahen Vergleich“ gegeben ist. Laut Branchenkennern gehen die Amerikaner davon aus, dass Bayer an Glyphosatopfer maximal sechs Milliarden Dollar zahlen muss. Der große Vorteil für Aktionäre wäre, dass die rund 13 000 anhängigen Verfahren innerhalb weniger Monate abgeschlossen werden könnten.

Doch der Investor Paul Singer, der hinter Elliott steht, denkt offenbar schon weiter. In der Mitteilung des Hedgefonds heißt es: Man sei davon überzeugt, „dass der aktuell niedrige Aktienkurs von Bayer den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegelt“. Das lässt sich getrost als Drohung lesen und zwar als Forderung nach einer Aufspaltung des Konzerns, über die schon länger spekuliert wird.

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