Gesetzentwurf

Hebammen müssen studieren

  • schließen
  • Rasmus Buchsteiner
    Rasmus Buchsteiner
    schließen

Gesundheitsminister Spahn will die Attraktivität des Berufs erhöhen.

Wer Hebamme werden will, muss künftig studieren. Das sieht ein Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor, der dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt. „Die Anforderungen an die Geburtshilfe steigen ständig. Dafür ist ein duales Studium mit einem großen praktischen Anteil die beste Vorbereitung“, sagt Spahn. „Dadurch erhöht sich auch die Attraktivität des Berufes insgesamt“, betonte der CDU-Politiker.

Bislang wurden Hebammen an Hebammenschulen ausgebildet. Bewerben konnte sich dort jeder mit mittlerer Reife oder gleichwertigem Schulabschluss. Künftig ist eine zwölfjährige Schulausbildung unabdingbar. Neben dem dualen Studium mit einem hohen Praxisanteil sind künftig keine anderen Ausbildungswege mehr möglich.

Spahn setzt damit nicht nur ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag um, sondern auch eine Richtlinie der Europäischen Union (EU). Sie schreibt vor, dass die Ausbildung für das Berufsfeld bis spätestens Anfang 2020 reformiert werden muss. Vorgegeben von der EU sind zwölf Jahre Schulbildung und mehr Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten aus den Bereichen Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Allgemeinmedizin und Pharmakologie.

Anspruchsvolle Geburtshilfe

„Hebammen sollen den Anforderungen des komplexer werdenden Gesundheitssystems durch eine anspruchsvolle, stärker wissenschaftlich ausgerichtete und gleichzeitig berufsnahe Ausbildung begegnen können“, heißt es in dem Entwurf von Spahn. Die Gesundheitsversorgung sei in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt, aber auch spezifisch für die Hebammen, anspruchsvoller geworden, wird argumentiert. „Die hohe Kaiserschnittrate in der Geburtshilfe macht evidenzbasierte Konzepte für die hebammengeleitete Geburtshilfe dringend erforderlich“, heißt es weiter. Hebammen müssten zudem in der Lage sein, ihr eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. Der medizinische Fortschritt eröffne darüber hinaus neue Möglichkeiten in der Diagnostik, Therapie, Prävention, Rehabilitation und Pflege. Auch die Digitalisierung verändere die Gesundheitsversorgung.

In dem Gesetzentwurf wird auch auf die bestehenden Engpässe in der Hebammenversorgung verwiesen. „Eine qualitativ hochwertige, modern ausgestaltete Hebammenausbildung soll entscheidend zur Attraktivität des Hebammenberufs beitragen“, wird prognostiziert.

Eine Änderung wird es auch für männliche Interessenten an dem Beruf geben. „Das Hebammengesetz führt die Berufsbezeichnung „Hebamme“ einheitlich für alle Geschlechter (weiblich/männlich/divers) ein“, heißt es im Gesetzentwurf. Die männliche Sonderbezeichnung „Entbindungspfleger“ werde nicht weitergeführt, kündigt das Gesundheitsministerium an. Der deutsche Begriff „Hebamme“ kommt vom germanischen „Hevianna“ und bedeutet „Großmutter, die das Neugeborene aufhebt“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare