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Haushaltshilfen privat beschäftigen – Diese Regelungen müssen Sie beachten

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Von: Mechthild Henneke

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Wer Zuhause eine Haushaltshilfe beschäftigt, sollte diese bei der Minijobzentrale anmelden. Dies bringt neben Rechtssicherheit noch andere Vorteile.

Frankfurt – Viele Privathaushalte beschäftigen eine Hilfe für den Haushalt oder den Garten. Doch meistens arbeitet die Person schwarz. Wird das illegale Arbeitsverhältnis bekannt, droht ein Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit für den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin von bis zu 5000 Euro. Wenn sich bei der Schwarzarbeit ein Unfall ereignet, kann die Unfallversicherung die Kosten der Behandlung vom Privathaushalt zurückfordern. Es ist also eine gute Idee, Haushaltshilfen anzumelden. Ein Überblick darüber, wie das geht und welche Folgen das hat.

Private Haushaltshilfen – Anmeldung über mehrere Wege möglich

Anmeldung: Arbeitgeber:innen müssen sie bei der Minijob-Zentrale, Teil des Verbundsystems der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, anmelden. „Die privaten Arbeitgeber haben dafür drei Möglichkeiten“, sagt Christiane Krüger, Sprecherin der Minijob-Zentrale. Sie können die Anmeldung online unter www.minijob-zentrale.de vornehmen. Das sogenannte Haushaltsscheck-Formular kann auch als PDF-Datei heruntergeladen, ausgefüllt und ausgedruckt werden. Arbeitgeber:innen können es anschließend per Post oder Fax an die Minijob-Zentrale senden. Die dritte Möglichkeit ist das Telefon: Arbeitgeber:innen können die Minijob-Zentrale montags bis freitags zwischen sieben und 17 Uhr unter 0355/2902-70799 erreichen. Neben den Angaben zur Person des Arbeitgebers muss die Steuer-ID genannt werden.

Die Minijobber:innen müssen dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin persönliche Angaben zur Verfügung stellen und mitteilen, ob noch weitere Minijobs ausgeübt werden. Teil davon ist die Rentenversicherungsnummer, auch Sozialversicherungsnummer genannt. Diese kann auch über die Minijob-Zentrale herausgefunden werden, wenn Name, Geburtsdatum und Adresse bekannt sind.

Rechtliche Vereinbarung: Für eine haushaltsnahe Dienstleistung muss kein Arbeitsvertrag geschlossen werden. Allerdings müssen Arbeitgeber:innen dem oder der Minijobber:in einen Nachweis über die wesentlichen Arbeitsbedingungen schriftlich und unterzeichnet aushändigen. Einen Musterarbeitsvertrag gibt es auf der Homepage der Minijob-Zentrale.

Minijob bei Arbeitslosigkeit oder ALGII: Wer Arbeitslosengeld I (ALG I) oder II (ALG II) erhält, kann sich mit einem Minijob etwas dazuverdienen. Wichtig ist, dass der Minijob bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter gemeldet wird. Übersteigt der Verdienst aus dem Minijob eine bestimmte Verdienst- oder Arbeitszeitgrenze, kürzt die Agentur für Arbeit beziehungsweise das Jobcenter die Leistungen.

Viele Privathaushalte beschäftigen eine Hilfe für den Haushalt oder den Garten – und das meistens schwarz. Das birgt viele Risiken.
Viele Privathaushalte beschäftigen eine Hilfe für den Haushalt oder den Garten – und das meistens schwarz. Das birgt viele Risiken. © Moritz Wienert

Minijobber zu Hause beschäftigen – Verdienstgrenzen variieren nach Lebenssituation der Arbeitenden

Bei ALG I und II sind diese Grenzen unterschiedlich. Beim ALG I beträgt der Freibetrag 165 Euro bei weniger als 15 Arbeitsstunden pro Woche. Liegt der Verdienst über dem Freibetrag, werden die Leistungen gekürzt. Bezieher von ALG I dürfen regelmäßig weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten. Sollten es mehr werden, gelten sie nicht mehr als arbeitslos. Beim ALG II beträgt der Freibetrag 100 Euro. Die wöchentliche Arbeitszeit spielt keine Rolle. Wenn mehr verdient wird, wird der Verdienst anteilig auf das ALG II angerechnet.

Minijob bei Rente oder Berufstätigkeit: Wie viel Rentner:innen hinzuverdienen dürfen, hängt von der Rentenart ab und davon, ob sie die Regelaltersgrenze bereits erreicht haben. Vor Erreichen der Regelaltersgrenze beträgt die jährliche Hinzuverdienstgrenze für eine Altersrente in voller Höhe 6300 Euro. Diese Grenze gilt auch für Erwerbsminderungsrentner:innen. Ein 450-Euro-Minijob ist also möglich. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze dürfen Rentner:innen so viel dazuverdienen, wie sie möchten. Ihre Rentenbezüge werden nicht gekürzt.

Minijobber zu Hause beschäftigen – Neuer Mindestlohn und neue Verdienstgrenze ab Oktober 2022

Arbeitslohn und Sozialleistungen: Der Minijobber oder die Minijobberin hat Anspruch auf den Mindestlohn. Seit dem 1. Juli gilt ein gesetzlicher Mindestlohn von 10,45 Euro pro Stunde. Ab dem 1. Oktober 2022 wird dieser auf zwölf Euro erhöht. Ebenfalls ab Oktober erhöht sich die monatliche Verdienstgrenze auf 520 Euro. Sie orientiert sich zukünftig an dem jeweils geltenden Mindestlohn und ist dynamisch. „Ab Oktober 2022 ist daher bei einem Stundenlohn von zwölf Euro eine maximale Stundenanzahl von 43,3 Stunden monatlich möglich, bei einem höheren Stundenlohn entsprechend weniger“, sagt Krüger. Die Verteilung der Arbeitsstunden auf den Monat kann frei bestimmt werden.

Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin zahlt Abgaben in Höhe von 14,79 Prozent des Verdienstes. Diese werden an die Minijob-Zentrale geleistet. Sie zieht die Beträge zweimal im Jahr jeweils für die zurückliegenden sechs Monate im Lastschriftverfahren vom Konto des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin ein.

Minijobber:innen und Rente: Minijobber:innen zahlen in die Rentenversicherung ein. Das ist positiv, denn sie können dadurch Anspruch etwa auf eine Reha erhalten. Die Pflichtbeiträge werden in vollem Umfang für die Erfüllung verschiedener Warte- beziehungsweise Mindestversicherungszeiten für Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt.

Minijobber:innen mit einem Verdienst unter 175 Euro haben Folgendes zu beachten: Es sind mindestens 32,55 Euro im Monat zur Rentenversicherung zu zahlen. Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin zahlt dabei stets einen Anteil von fünf Prozent des tatsächlichen Verdiensts. Eine Haushaltshilfe, die monatlich 150 Euro verdient, muss 25,05 Euro von dem Rentenanteil selbst tragen, denn der Arbeitgeber muss nur 7,50 Euro (fünf Prozent des tatsächlichen Entgelts) übernehmen.

Minijobber zu Hause beschäftigen – Befreiung von der Rentenversicherungspflicht möglich

Es besteht die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen. Eine individuelle Beratung, wie sich die Versicherungspflicht beziehungsweise die Befreiung auswirkt, erhalten Minijobber:innen bei den Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

Minijobber:innen und Unfallversicherung: Mit der Anmeldung der Haushaltshilfe bei der Minijob-Zentrale informiert diese auch den zuständigen Unfallversicherungsträger. Die Leistungen der Unfallversicherung reichen von der Übernahme der Behandlungs-, Pflege- und Transportkosten über die Zahlung von Verletzten- und Übergangsgeld bis zu Rentenzahlungen.

Steuerliche Vorteile: Die Einkommensteuer des Arbeitgebers ermäßigt sich um 20 Prozent der Gesamtkosten durch den Minijob: dem monatlichen Verdienst zuzüglich der Abgaben an die Minijob-Zentrale. Maximal können 510 Euro pro Jahr geltend gemacht werden. Durch die geringen Abgaben, die ein Arbeitgeber an die Minijob-Zentrale zahlt, kann der Steuervorteil größer sein als die Mehrkosten, die durch die Anmeldung entstehen. Die Höhe des Vorteils kann mithilfe eines Online-Rechners auf der Webseite der Minijob-Zentrale vorab ermittelt werden. (Mechthild Henneke)

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