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Häufig sind es die vermeintlich kleinen Zahlungen, die sich über den Monat hinweg läppern.

Haushaltsbuch

Mit dem Haushaltsbuch die Ausgaben im Blick behalten

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Wer überflüssige Kosten erkennen und vermeiden will, sollte ein Haushaltsbuch führen. Dafür gibt es hilfreiche Apps - auch die Sparkassen bieten eine Webanwendung.

Wer weiß schon genau, für was er oder sie monatlich wie viel Geld ausgibt. Also auf den Euro genau. Was geht für Lebensmittel drauf? Wenn hie und da nach Feierabend im Supermarkt noch schnell ein paar Kleinigkeiten gekauft werden. Was für Versicherungen? Auch wenn es sich hierbei um feste Beträge handelt, werden nicht alle monatlich abgebucht und geraten schnell in Vergessenheit. Wie viel fließt in Klamotten? Was geht in den täglichen schnellen Kaffee to go oder das belegte Brötchen vom Bäcker?

Häufig sind es die vermeintlich kleinen Zahlungen, die sich über den Monat hinweg läppern. Oder Lastschrifteinzüge, die einmal erteilt wurden und so aus dem Blick geraten – etwa das Abo für den Streamingdienst, der dann doch nur selten benutzt wird. Die Liste ließe sich noch viel weiter fortsetzen.

Wissen könnte das alles nur, wer präzise ein Haushaltsbuch führt und jede Ausgabe penibel auflistet. Das ist mühsam. Sich einmal einen Überblick zu verschaffen, ist aber durchaus sinnvoll. „Erst wer sich vor Augen führt, wie groß die einzelnen Posten sind, macht sich überhaupt bewusst, wo sich leicht sparen ließe und wo Ausgaben vermeidbar wären“, sagt Sally Peters, Finanzexpertin beim Institut für Finanzdienstleistungen (iff Hamburg) und ehemalige Schuldnerberaterin.

Auch schon drei Monate lang Buch zu führen schafft Überblick. Die festen Kosten sind schnell ausgemacht: Miete, Strom, auch das Busticket, sofern ein monatliches Abo abgeschlossen worden ist. Wird der Betrag nur einmal im Jahr abgezogen, sollte die Zahlung auf zwölf Monate herunter gerechnet werden, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Das gilt auch für Versicherungen oder den Rundfunkbeitrag, für den der Lastschrifteinzug auch nur halb- oder ganzjährlich erteilt werden kann.

Anschließend kommen die variablen Kosten dran: Geld, das ausgegeben wurde für den Restaurantbesuch, die Bestellung im Onlineshop, die Kinokarten oder den schnellen Kaffee. Einziges Hindernis: Wer bar bezahlt, kann die Abrechnung später nicht bequem auf dem Kontoauszug nachvollziehen. Und beim Bäcker erhält man selten einen Kassenbon.

Also Zettel und Stift raus und nach jedem Bezahlvorgang die Summe notieren? Wie man sich den Überblick verschafft und in wie viele unterschiedliche Kategorien man die Ausgaben einteilt, da müsse jeder seinen eigenen Weg finden, sagt Peters. Für manche ist es vielleicht tatsächlich die klassische Variante, ein Haushaltsbuch im Wortsinn mit Stift auf Papier zu führen, oder die Ausgaben später gesammelt in eine Excel-Tabelle einzutragen, bei der die Posten automatisch addiert werden können. Längst gibt es gibt aber auch spezielle Apps, die das Eintragen und Ausrechnen in vorgegebenen Kategorien vereinfachen und die Ergebnisse dann noch grafisch aussagekräftig aufbereiten – vor allem aber kann auch von unterwegs darauf zugegriffen werden. „Schon wenn man mehrmals am Tag sein Handy zücken muss, um wieder eine Summe nachzutragen, wird man sich bewusst, wie sehr sich die vermeintlich kleinen Ausgaben über die Zeit läppern“, sagt Peters.

Die Apps heißen Moneycontrol, Money Stats oder Daily Budget. Sie unterscheiden sich nach der Anzahl der Kategorien und auch danach, wie viel nach und nach automatisiert eingetragen wird. Auch die Sparkassen vertreiben Haushaltsbücher und haben eine eigene Webanwendung namens Finanzchecker entwickelt. Kostenlos nutzen können sie nicht nur Sparkassenkunden, sondern alle Verbraucher. Eine direkte Übertragung der Abbuchungen vom Sparkassenkonto würde ohnehin nicht funktionieren: Man habe sich bewusst dafür entschieden, Kontodaten und Nutzereingaben zwecks Datenschutz zu trennen, heißt es bei der Sparkasse. Wenn ein Großteil der Eingaben ohne eigenes Zutun in die Anwendung einliefe, würde man sich selbst außerdem nicht aktiv damit auseinandersetzen. Die Versuchung es dann einfach laufen zu lassen ohne reinzuschauen, ist dann umso größer.

„In Hinblick auf die großen finanziellen Herausforderungen – die eigene Altersvorsorge, den Erwerb von Wohneigentum oder den Aufbau von Vermögen – kommt man nicht umhin, konsequent Geld für später auf die Seite zu legen. Das geht meist nicht, ohne sein Ausgabeverhalten kritisch zu hinterfragen und manch liebe, teure Gewohnheit abzustellen“, sagt Korina Dörr, Leiterin von Geld und Haushalt, dem Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe, und spricht damit die nächste unbequeme Wahrheit an: Ein Haushaltsplan kann nur der erste Schritt sein. Sind die Ausgaben erst einmal komplett erfasst, gilt es, sich diese genauer anzuschauen und Fragen zu stellen: Braucht es den Handyvertrag für 40 Euro monatlich oder tut es auch ein günstigerer? Haben in einem Haushalt beide Partner eine Haftpflichtversicherung und ist es nicht preiswerter, die Policen zusammenzulegen?

Gleichzeitig kann man aber auch die Entscheidung treffen, dass es einem wert ist, 50 Euro im Monat für das Fitnessstudio auszugeben oder täglich Mittagessen zu gehen, anstatt ein belegtes Brot mit ins Büro zu nehmen. „Wer bewusst Entscheidungen trifft, welche Ausgaben er für wichtig hält, dem fällt es auch leichter, sich an anderer Stelle einzuschränken und zu sparen“, sagt Peters.

Wer einschätzen können möchte, ob die Ausgaben verhältnismäßig sind, kann einen Blick auf sogenannte Referenzbudgets werfen. Diese legen dar, was andere Haushalte in vergleichbarer Situation jeden Monat aufwenden – also abhängig von Kinderzahl, Wohnverhältnis und Einkommen. „Was dann jeder daraus macht, kommt letztlich auf die eigene Lebenssituation an“, so Peters.

Was andere ausgeben

Die Webseite Referenzbudget vom Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe zeigt, was andere Haushalte in vergleichbarer Situation jeden Monat ausgeben. Eine Beispielfamilie mit Kind unter fünf Jahren wohnt zur Miete und verdient 3000 Euro netto.

Ihre Ausgaben belaufen sich zum Beispiel für Ernährung auf 460 Euro monatlich, für Klamotten sind es 160 Euro, für Kommunikation 97 Euro und für Mobilität 365 Euro. Die Datengrundlage für die Beispielrechnung liefert das Statistische Bundesamt. Das Analysetool: www.referenzbudgets.de. tdb

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