Skandinavien

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Die Banken in Skandivanien versinken immer tiefer im Geldwäsche-Skandal.

Auch Skandinaviens größter Bankkonzern Nordea hat über ein Jahrzehnt in großem Stil kriminelle Geldwäsche für russische Oligarchen sowie andere lichtscheue Kundschaft betrieben und gut daran verdient. Die am Dienstag von der Kopenhagener Zeitung „Berlingske“ zusammen mit dem TV-Sender YLE in Helsinki enthüllten Geldströme über 700 Millionen Euro sind nur eine Woche nach einer ganz ähnlichen Skandalgeschichte über die Stockholmer Swedbank ans Licht gekommen. Seit Ende letzten Jahres schon hängt der Danske Bank dank Aktivitäten ihrer estnischen Tochter in Tallinn ein wenig attraktiver Rekord am Bein: Die Transaktionen über 200 Milliarden Euro, zum Teil abgewickelt mit der Deutschen Bank als „Korrespondenzbank“, gelten als der bisher weltweit umfassendste Geldwäscheskandal.

„Wir haben da wohl ein Branchenproblem“ kommentierte der Stockholmer Analyst Joakim Bornold kühl im Fernsehen, als die Nordea-Aktie sofort nach der Ankündigung der Enthüllungen um sechs Prozent fiel. Der Swedbank-Kurs sackte nach einem Bericht über vier Milliarden Euro Geldwäsche im Baltikum gleich um 15 Prozent ab. Und die Danske Bank muss sich neben dem seit September niederschmetternden Blick auf den Aktienkurs (minus 30 Prozent) auch noch vor möglicherweise lebensgefährlich hohen Milliarden-Strafen durch die US-Finanzaufsicht fürchten.

Die Skandinavier waren bei ihren baltischen Nachbarn zuerst zur Stelle, als sich dort nach der Lösung von der Sowjetunion neue Geschäftsfelder auftaten. Die Banker aus Stockholm, Kopenhagen und Helsinki stellten keine Fragen, wenn russische Kundschaft märchenhafte Beträge aus der Ausplünderung des eigenen Landes über Tallinn, Riga und Vilnius auf seltsame Konten auf den Britischen Jungferninseln oder in Panama überführen ließ.

Die Danske Bank erklärte, man habe leider zu wenig im Blick gehabt, was denn die so kleine und ferne Tochter in Estland da trieb. Die aber in den fetten Jahren mit zehn Prozent zum Konzerngewinn beitrug. Nordea stand diese Ausrede nicht zur Verfügung, denn die eigene Geldwäschezentrale lag mitten in Kopenhagen. Sie bediente laut „Berlingske“ zwischen 2004 und 2014 mindestens 260 Scheinfirmen bei der Überführung von Geldern, meistens aus Russland, über die litauische Ukio Bank und Dänemark in ferne Steuerparadiese. Man habe die „für Missbrauch leider besonders verletzliche“ Auslandszentrale gegenüber dem Kopenhagener Hauptbahnhof ja schon 2014 geschlossen, erklärte Nordeasprecherin Julie Garbo.

Die „Verletzlichkeit“ führte etwa dazu, dass Nordea anstandslos 40 Überweisungen aus der Aserbaidschans Hauptstadt Baku weitervermittelte, angeblich für technische Ausrüstung einer Firma namens Lancon Limited in Neuseeland. Deren „Geschäftsführerin“ Nesita Manceau, mit zeitweiligem Wohnsitz auf der steuerfreien Insel Vanuatu, erwies sich als philippinische Hausfrau, die von 2007 bis 2011 von über 400 Scheinfirmen als „Direktorin“ aufgeführt wurde.

Prominenter ist der ukrainische Ex-Regierungschef Viktor Janukowitsch, für den die Swedbank als angebliches Honorar für ein nie geschriebenes Buch umgerechnet 3,2 Millionen Euro auf die Britischen Jungferninseln schaffte. Seit langem ist bekannt, dass der nach Russland geflüchtete Politiker durch Korruption ein gigantisches Vermögen angehäuft hat. Swedbank-Chefin Birgitte Bonnesen aber reagierte noch vor wenigen Tagen auf erste Zahlen über Geldwäsche für mindestens 50 Kunden mit der Behauptung, ihr Haus habe alle Transaktionen über die baltische Tochter „kraftvoll“ durchleuchtet und sei sauber.

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