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Inflation trifft Hartz-IV-Beziehende hart: „Speisekarte ist überschaubar: Spaghetti mit Ketchup“

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Von: Helena Gries

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Eine bedürftige Frau steckt den Einkauf in einem Tafel-Laden in ihre Tasche.
Eine gesunde Ernährung wird in Zeiten der Inflation für Hartz-IV-beziehende Menschen immer schwieriger. (Symbolbild) © Felix Kästle/dpa

Die Inflation macht besonders Hartz-IV-Beziehenden zu schaffen. Millionen Haushalte sind von Mangelernährung betroffen.

Frankfurt – Die gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie aufgrund des Ukraine-Krieges und der Inflation machen es besonders für einkommensschwache Haushalte immer schwieriger, die täglichen Ausgaben zu stemmen. Wie das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung mitteilt, betrug die Inflationsbelastung für einkommensschwache Familien im September 11,4 Prozent. Ende 2021 waren laut foodwatch schätzungsweise 12,5 Millionen Menschen in Deutschland zumindest zeitweise von Ernährungsarmut betroffen. Das Bundesernährungsministerium sieht das jedoch anders.

In einem Gutachten aus dem Jahr 2020 hatte das wissenschaftliche Beratergremium das Bundesernährungsministerium bereits klar festgestellt, dass eine gesunde Ernährung mit dem Hartz 4-Regelsatz nicht finanzierbar sei. Auch mit dem künftigen Bürgergeld und dem damit einhergehenden höheren Bürgergeld-Regelsatz können sich Betroffene kaum über Wasser halten.

Bürgergeld-EmpfängerBürgergeld-Regelsatz
Alleinstehende502 Euro monatlich
Volljährige Partner451 Euro monatlich
Kinder von 14 bis 17 Jahren420 Euro monatlich
Kinder von 6 bis 13 Jahren348 Euro monatlich
Kinder unter 6 Jahren318 Euro monatlich

Gesunde Ernährung laut Bundesernährungsministerium auch mit Hartz IV möglich

In einem offenen Brief an die Vorsitzende des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit hat ein Hartz-4-Beziehender seinem Unmut Luft gemacht: „Das Geld reicht nicht mehr fürs Essen und bei den Strompreisen rechne ich wie viele andere mit einer Stromsperre. Weihnachten gibt‘s bei uns keine Geschenke und die Speisekarte ist überschaubar: ‚Spaghetti mit Ketchup‘“, beschreibt er seine Situation.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sieht das allerdings anders. Aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei im Deutschen Bundestag geht hervor, dass „bei informiertem, preisbewusstem Einkauf eine gesunderhaltende Ernährung aus dem Regelbedarf“ möglich sei, so das BMEL. Es sei die „individuelle Entscheidung“ armutsbetroffener Menschen, „in welcher Art, Form und welchem Umfang“ sie ihren Bedarf an Ernährung deckten.

Steigende Kosten für ausgewogene Ernährung ins Bürgergeld einspeisen

Der gemeinnützige Verein foodwatch, der sich mit den Rechten von Verbraucherinnen und Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt, zeigt sich daraufhin empört und fordert, steigende Kosten für ausgewogene Ernährung ins Bürgergeld einzuspeisen.

„Die Bundesregierung verpasst Millionen armutsbetroffener Menschen in Deutschland eine Ohrfeige. Wer gesund essen wolle, müsse eben Ernährungsratgeber lesen und an anderer Stelle den Gürtel noch enger schnallen: Diese Empfehlung aus dem Ernährungsministerium ist nicht nur realitätsfern, sondern ignoriert die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Mangelernährung und deren katastrophalen Folgen insbesondere bei Kindern“, erklärte Luise Molling von foodwatch. (hg)

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