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Nebenjob und Arbeitslosengeld: Das müssen Hartz-IV-Beziehende wissen

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Von: Natascha Terjung

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Beziehende von Hartz-4 oder Arbeitslosengeld können mit Nebenjobs ihr Einkommen erhöhen. Dabei gibt es aber einiges zu beachten - das Wichtigste im Überblick.

Frankfurt – Menschen, die Hartz-4, Grundsicherung oder Sozialhilfe beziehen, bekommen im Juli eine Einmalzahlung von 200 Euro im Zuge des Entlastungspakets. Doch wer Arbeitslosengeld oder Hartz 4 bezieht und sein Einkommen dauerhaft erhöhen möchte, kann nebenbei arbeiten. Jedoch gibt es dabei einige Regeln der Agentur für Arbeit zu beachten. Generell gilt: Ein Nebenjob muss bei der Arbeitsagentur vorab angemeldet werden.

Menschen, die Arbeitslosengeld bekommen, dürfen laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit nicht mehr als 14 Stunden pro Woche arbeiten. Übersteigt die wöchentliche Arbeitszeit 15 Stunden, gilt man laut dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) nicht mehr als arbeitslos. Außerdem gibt es auf das Nebeneinkommen einen Freibetrag in Höhe von 165 Euro. Das bedeutet konkret: Übersteigt das Einkommen der Nebentätigkeit den Freibetrag von 165 Euro, wird das restliche Einkommen auf das Arbeitslosengeld angerechnet – es wird also gekürzt. Das gilt auch für Einkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit und für mithelfende Familienangehörige.

Nebenbei arbeiten trotz Arbeitslosengeld oder Hartz-4: Zusätzliche Freibeträge möglich

Auf den Corona-Bonus, den Arbeitgeber:innen als Zuschuss auszahlen können, wirkte sich das nicht aus. Laut Agentur für Arbeit galt das vom 1. März bis zum 31. März. Der Freibetrag kann außerdem mit Werbungskosten erhöht werden. Das sind Kosten, die durch die Nebentätigkeit entstehen wie etwa Fahrtkosten, Reinigungskosten für die Arbeitskleidung und Kosten für Arbeitsmaterial. Bei einem Verdienst von 250 Euro im Monat entstehen zum Beispiel Fahrtkosten in Höhe von 25 Euro. Dann erhöht sich der Freibetrag auf 190 Euro. Die übrig bleibenden 60 Euro werden vom Arbeitslosengeld abgezogen.

Wer Hartz-4 oder Arbeitslosengeld bezieht, kann sein Einkommen mit einem Nebenjob aufbessern. (Symbolbild)
Wer Hartz-4 oder Arbeitslosengeld bezieht, kann sein Einkommen mit einem Nebenjob aufbessern. (Symbolfoto) © Monika Skolimowska/dpa

Außerdem kann für Beziehende von Arbeitslosengeld ein zusätzlicher Freibetrag geltend gemacht werden. Menschen, die in einem Zeitraum von 18 Monaten vor Beginn der Arbeitslosigkeit neben einem Versicherungspflichtverhältnis mindestens 12 Monate einen Nebenjob unter 15 Stunden wöchentlich ausgeübt haben, haben darauf Anspruch. Auch wer in demselben Zeitraum mindestens 12 Monate selbstständig oder als mithelfendes Familienmitglied gearbeitet hat, kann den Freibetrag bekommen.

Nebenjob und Hartz-4: Freibeträge werden je nach Einkommen berechnet

Wegen des Ukraine-Konflikts sind die Lebensmittelpreise gestiegen – Hartz-4-Beziehende haben es beim Anlegen eines Notvorrats also doppelt schwer. Nebenbei zu arbeiten, kann sich für Hartz-4-Beziehende aber lohnen. Die Regeln bei Nebentätigkeiten sind jedoch etwas anders, als beim Arbeitslosengeld: Wie hoch der Freibetrag sein darf, hängt vom Bruttoeinkommen ab. 100 Euro bleiben aber immer frei, das ist laut Bundesagentur für Arbeit der Grundabsetzungsbetrag. Außerdem bleiben 20 Prozent des Teils des Bruttoeinkommens frei, der über 100 Euro und nicht mehr als 1000 Euro beträgt. Liegt der Bruttolohn über 1000 Euro und unter 1200 Euro, werden 10 Prozent davon nicht angerechnet. Für Hartz-4-Beziehende mit einem minderjährigen Kind liegt die Grenze bei 1500 Euro.

Nebenbei arbeiten trotz Hartz-4 oder Arbeitslosengeld ist möglich. Die Arbeitsagentur hat dafür aber einige Regeln.
Nebenbei arbeiten trotz Hartz-4 oder Arbeitslosengeld ist möglich. Die Arbeitsagentur hat dafür aber einige Regeln. © Michael Gstettenbauer/Imago Images

Ein Beispiel: Das Bruttoeinkommen beträgt 1900 Euro. Nach dem Abzug von Steuern und Sozialversicherungskosten bleiben 1500 Euro übrig.

Von den 1500 Euro bleiben frei100 Euro
20 Prozent der 900 Euro bleiben frei180 Euro
10 Prozent der übrigen 200 Euro bleiben frei20 Euro
Anrechnungsfrei insgesamt300 Euro
(Quelle: arbeitsagentur.de)

Die regelmäßigen Einnahmen aus einer Nebentätigkeit werden monatlich berücksichtigt. Einmalige Zahlungen wie Jahressonderzahlungen werden auch in dem Monat eingeschlossen, in dem sie ausgezahlt werden. Ist für diesen Monat schon die Hartz-4-Leistung ohne den Abzug der Einmalzahlung ausbezahlt worden, wird die einmalige Zahlung im folgenden Monat berücksichtigt. Sollte wegen der Sonderzahlung der Hartz-4-Anspruch komplett entfallen, wird sie auf sechs Monate aufgeteilt. (Natascha Terjung)

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