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Interkontinentalflüge sind für die Lufthansa das beste Geschäft.

Lufthansa

Harte Landung in den roten Zahlen

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Teures Kerosin und sinkende Ticketpreise drücken Lufthansas Quartalsbilanz tief ins Minus.

Das kam plötzlich und unerwartet: Die Lufthansa hat im ersten Quartal tiefrote Zahlen eingeflogen: Ein Fehlbetrag von 336 Millionen Euro aus der betrieblichen Tätigkeit kam zusammen. Das ist erheblich mehr als Branchenkenner erwartet hatten. Wie so häufig spielen die Treibstoffkosten eine maßgebliche Rolle. Aber die Zahlen zeigen auch, wie stark der Druck auf alle Fluggesellschaften ist.

Dass Unternehmen der Branche in den Monaten Januar bis März in die Miesen rutschen, ist nicht ungewöhnlich. Schließlich ist das der Jahresabschnitt, in dem die wenigsten Urlauber unterwegs sind – und diese bilden die Haupteinnahmequelle der Luftfahrt. Doch die Höhe des Verlusts bei der Lufthansa fällt doch heftig aus. Zumal im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 52 Millionen Euro zu Buche schlug. Allerdings waren damals die Kapazitäten der Airlines in den deutschen Flughäfen als Folge der Air-Berlin-Pleite sehr eng. Das trieb die Ticketpreise in die Höhe. In diesem Jahr blieb ein ähnlicher Effekt aus.

Das Nachfrage-Angebot-Verhältnis kippte sogar ins Gegenteil. Die Lufthansa spricht von „marktweiten Überkapazitäten in Europa“. Dies habe zu einem hohen Preisdruck geführt: Für Fluggäste gab es viele preiswerte Tickets. Obwohl in der Branche gerade das stattfindet, was Ökonomen Konsolidierung nennen: Kleinere Gesellschaften müssen aufgeben. Hierzulande hat es kürzlich Germania erwischt.

Doch sobald sich Lücken im Angebot auftun, werden sie von Airlines gefüllt, die auf einem aggressivem Expansionskurs sind. Allen voran der irische Billigflieger Ryanair. Es geht darum, sich Marktanteile vor allem an den wichtigen Flughäfen zu sichern. Dies schlug bei der Lufthansa durch, sie büßte gut fünf Prozent bei den Einnahmen pro Ticket ein. In der Billigsparte Eurowings, die mit Ryanair und Easyjet konkurriert, gingen die Erlöse sogar um 8,5 Prozent zurück.

Zwar konnten die Lufthansa-Manager zugleich die Kosten leicht senken. Dabei wurden aber die Ausgaben für den Treibstoff nicht berücksichtigt. Bei diesem Posten musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr Mehrausgaben von 202 Millionen Euro verkraften – dies geht aus den Geschäftszahlen hervor, die überraschend schon zwei Wochen vor dem eigentlich geplanten Termin für die Zwischenbilanz vorgelegt wurden.

Die Kosten für den Sprit sind der größte Brocken bei den Aufwendungen einer Fluggesellschaft. Ihre Höhe ist eng mit den Entwicklungen auf dem Rohölmarkt verknüpft. Die für Europa maßgebliche Sorte Brent hat sich zwischen Anfang Januar und Ende März von 55 Dollar pro Fass (je 159 Liter) auf fast 70 Dollar verteuert. Inzwischen hat sich die Brent-Notierung oberhalb der 70-Dollar-Marke festgesetzt. Das dürfte das Geschäft für viele Fluggesellschaften erschweren.

Dennoch konnte Finanzchef Ulrik Svensson die Anleger beruhigen: Der Vorstand sehe für das nächste Quartal „eine gute Buchungslage“, sagte er. Zugleich habe die Lufthansa ihr Wachstum bei den Kapazitäten deutlich reduziert. Und insgesamt werde sich im europäischen Luftverkehr das Plus bei den angebotenen Sitzen verringern. Deshalb rechnet Svensson „wieder mit einem Anstieg der Stückerlöse“ – also mit höheren Ticketpreisen. Besonders gut sei die Nachfrage für Langstreckenflüge, insbesondere nach Nordamerika und Asien. Mit den Interkontinentalflügen macht das Unternehmen die höchsten Renditen. Von Börsianern gab es für diese Ansagen Applaus – und ein ordentliches Plus für die Lufthansa-Aktie.

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