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Wo der Hammer hängt: Handwerkergürtel mit Werkzeug.

Startup Crafty

Nie mehr Stress mit Handwerkern? 

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Marktlücke entdeckt: Schnell einen guten Handwerker zu finden, gleicht einem Glücksspiel. Ein Start-up will das ändern. 

Start-up-Unternehmen sind oft digital und Hightech. Sie kommen ohne viele Beschäftigte aus, werden von jungen Gründern geführt und sind in ihrem Tun ohne technisches Vorwissen bisweilen nicht leicht verständlich. Insofern tanzt Crafty ziemlich aus der Reihe. Hier geht es ganz bodenständig um Handwerkerdienste.

Das Gründerduo Christiane Wolff und Jens Zabel ist weder im Start-up-typischen Alter, noch sind die beiden Berufsanfänger. Trotzdem wagen sie etwas. „Wir sind hundertprozentig überzeugt, dass es klappt“, sagt Zabel. Handwerker seien gerade gesucht wie selten. Wolff nickt zustimmend. Die beiden sitzen um einen provisorisch aufgestellten Tisch in frisch bezogenen Büroräumen im Münchner Zentrum und wollen Handwerk zwar nicht neu erfinden, aber einiges anders machen.

Große Pläne für die Zukunft  

Der gebürtige Magdeburger Zabel ist 55 Jahre, dreifacher Handwerksmeister und erfolgreicher Unternehmer. Eine von ihm für technische Hausmeisterdienste aufgebaute Firmengruppe setzt knapp 100 Millionen Euro um. Sie läuft gut. Die 48-jährige Wolff war bis vor kurzem Kommunikationschefin der Werbeagenturgruppe Serviceplan. Sie hat ihre gesicherte Existenz gegen die Unwägbarkeiten einer Firmengründung aufgegeben. „Es gibt wenige, die verrückt genug sind, so etwas zu machen“, sagt Zabel und bezieht das „Verrückte“ vor allem auf die Personalpläne von Crafty. Denn klein denkt das Duo nicht. „In fünf Jahren wollen wie ein paar Tausend Mitarbeiter haben und bundesweit in Städten über 100.000 Einwohner präsent sein“.

Aktuell zählt das vorigen Herbst gegründete und im Februar aktiv gewordene Unternehmen neun Beschäftigte. Derzeit bietet Crafty in München, Berlin und Frankfurt Handwerkerdienste an. Von bestehenden Online-Plattformen wie My Hammer will man sich vor allem dadurch unterscheiden, dass Crafty Handwerkerleistungen nicht nur vermittelt, sondern überwiegend durch eigenes Personal selbst übernimmt. Ziel ist es, vier Fünftel aller Tätigkeiten in Eigenregie abzuwickeln, den Rest durch Partnerbetriebe.

„Wir wollen Kleinunternehmen und Mittelständler sowie Eigenheimbesitzer bedienen“, sagt Wolff zur Zielgruppe. Im Stil eines Generalunternehmers biete man alle Gewerke unter einer Marke an, was es im von Einzelkämpfern geprägten Handwerkermarkt so noch nicht gebe. Das biete auch die Chance zu mehr Kundenzufriedenheit. Dafür sorgen sollen sogenannte Koordinatoren, die als eine Art Bauleiter fungieren, anfangs beim Kunden vor Ort ein kostenloses Beratungsgespräch führen und dann auch einen Kostenvoranschlag erstellen.

Wolff und Zabel.

Wolff und Zabel sind zuversichtlich, dass ihre ehrgeizigen Pläne weder am nötigen Personal noch an der Finanzierung scheitern, obwohl Crafty ohne externe Kapitalgeber auskommen will. Für Geld sorgt Zabel. „Das ist kein Problem“, versichert er. Die nötigen Mittel stünden nach 30 Jahren erfolgreicher Unternehmertätigkeit mit seiner bestehenden Firmengruppe parat. Der Magdeburger kalkuliert mit einer niedrigen zweistelligen Millionensumme, die er in Crafty stecken muss, bis alles läuft.

Beim Personal denkt das Duo zweigleisig. Zum einen ködern sie Maler, Klempner oder Elektriker damit, dass Crafty zehn bis 15 Prozent über Tarif bezahlt. Man will auch selbst ausbilden. Zum anderen setzen Zabel und Wolff auf die vielen Handwerksbetriebe, die mangels interner Nachfolger vor einer ungewissen Zukunft stehen.

„Handwerk kauft Handwerk“, sagt Zabel zu diesem Teil der Pläne. Zehn bis 15 solcher Übernahmen etablierter Handwerksbetriebe inklusive Personal binnen fünf Jahren schätzt er für realistisch ein. Derzeit stehe Crafty mit acht Kandidaten in Gesprächen. Das nötige Marketing, um Personal, ganze Firmen und auch Kunden an Land zu ziehen, übernimmt Wolff. Sie vertraut dabei auf das große Kommunikationsnetzwerk, das sie sich in den Jahren bei Serviceplan aufgebaut hat. Bei Handwerkern wird Marketing allgemein nicht gerade groß geschrieben. Die 48-Jährige will das ändern.

„2020 werden wir explodieren“, sagt Zabel und meint regionale Ausbreitung. Crafty will dann in Stuttgart, Hamburg, Köln und Städten des Ruhrgebiets aktiv werden, ergänzt Wolff. Die Expansion biete für das eigene Personal Aufstiegschancen, die es sonst in der Branche kaum gibt. „Bei uns kann man Verantwortlicher für eine Stadt oder eine ganze Region werden“, wirbt sie.

Große Mengen bieten Preisvorteile 

Größe bringe zudem Mengenvorteile, die kleine Handwerksbetriebe nicht haben, betont Zabel. „Ein gutes Waschbecken kostet 500 Euro, Hunderte Waschbecken pro Stück nur ein Fünftel“, rechnet er vor. Billigheimer will Crafty dennoch nicht sein, sondern etwas oberhalb von marktüblichen Durchschnittspreisen operieren, dafür aber neue Maßstäbe bei Auftragsabwicklung und Qualitätsmanagement setzen.

Wer schon einmal Ärger mit Handwerkern hatte, hört solche Versprechen gern. Sie müssen allerdings auch umgesetzt werden. Womit Handwerker derzeit in Deutschland aber wohl vor allem punkten könnten, wäre rasche Verfügbarkeit. Lange Wartezeiten sind derzeit oft der Normalzustand. „Bislang haben alle binnen eineinhalb Tagen ein Angebot erhalten und wir haben mit den Arbeiten binnen zwei bis fünf Tagen angefangen“, sagt Wolff. Das soll so bleiben.

Gewerke

Crafty versteht sich als Handwerkerservice für Sanierungen und Verschönerungen nicht komplette Neubauten. Es bietet alle wesentlichen Gewerke von Maler und Klempner über Elektriker sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bis zum Garten. Die Kontaktaufnahme erfolgt per kostenloser Telefonhotline oder E-Mail. Versprochen wird, Arbeiten mit wiederverwertbaren Materialien auszuführen.

Binnen zehn Jahren will Crafty nicht nur flächendeckend in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig sein sondern per Franchise auch in anderen EU-Ländern.

Mitgründer und Geldgeber Jens Zabel ist selbst Meister in den Bereichen Elektro, Sanitär, Heizung und Klimatechnik sowie Gebäudereinigung. Drei Jahrzehnte unternehmerische Erfahrung bringt der studierte Betriebswirt auch in Form seiner Zabel-Gruppe mit, einem bundesweit tätigen Facility Manager mit Großkunden wie Ikea, Karstadt oder Daimler. Für die leistet Zabel technische und teils handwerkliche Hausmeisterarbeiten. tma

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