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Digitalisierung

Das Handwerk vor sich selbst schützen

  • Christine Ax
    VonChristine Ax
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Räumliche Nähe ist kein Wettbewerbsvorteil mehr

Handwerk hat goldenen Boden. In der Tat ging es dem Handwerk schon lange nicht mehr so gut wie heute. Aber der Schein trügt. Denn auf die Digitalisierung sind die meisten Handwerkerinnen und Handwerker nicht vorbereitet. Die Frage, die sich heute stellt ist: Welche der alten Geschäftsmodelle, Alltagsroutinen, Konsumgewohnheiten, Produkte und Wertschöpfungsketten werden noch übrig sein, wenn die Digitalisierung ihren Siegeszug vollendet hat. Wer oder was ist dann „Handwerk“?

Die Digitalisierung schwächt die drei wichtigsten Alleinstellungsmerkmale des Handwerks. Erstens: Unikate und kleine Serien können von immer mehr Anbietern an jedem Ort der Welt hergestellt und weltweit vermarktet werden. Zweitens: Kundenindividuelle Lösung findet der Konsument am komfortabelsten im Internet. Drittens: Die Anbieter, die Big Data für sich nutzen, umwerben die Konsumenten an jedem Ort der Welt mobil und persönlich. Räumliche Nähe ist kein Wettbewerbsvorteil mehr.

Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg wird die „Position in der Nahrungskette“. Übernehmen die Internet-Geschäftsmodelle die Kontrolle über die Wertschöpfungskette, nutzen sie diese Chance um einen immer höheren Anteil an der Wertschöpfung abzuschöpfen.

Die Digitalisierung kann theoretisch dezentrale Wertschöpfung fördern. Praktisch werden diese „Schätze“ aber nicht gehoben. Der Brain-Drain in Richtung Zentren trägt dazu bei, das Handwerk mehr denn je intellektuell auszubluten. Die Mehrheit der Handwerksbetriebe hat mental den Anschluss an die kreativen Klassen, die Megatrends und die Digitalisierung verloren. Die Innovationsgeschwindigkeiten dieser Milieus passen nicht mehr zusammen.

Nicht das Handwerk sondern die Open Source Bewegung, die Makerszene, Urban Farming, produzierende Designer, Quereinsteiger wie die Craft-Bier-Hersteller und kleine Manufakturen in den urbanen Zentren sind die „Arts- and Crafts-Bewegung“ von heute.

Der digitale Gap ist ein mentaler Gap. Es ist höchste Zeit, dass das Handwerk raus aus seiner Komfortzone kommt. Zukunft gestalten heißt, Risiken in Chancen zu verwandeln. Das Handwerk sollte sich endlich öffnen: der Wissenschaft, der Social Entrepreneurbewegung, der jungen digitalen Gründerszene, der Nachhaltigkeitsbewegung. Möglicherweise muss man das Handwerk vor sich selber retten. Denn die Zukunft braucht Handwerk.

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