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Waffenstillstand im Handelskrieg: Beobachter rätseln, wie eine Einigung zwischen den USA und China aussehen könnte.

Die Eskalation des Handelskriegs zwischen USA und China ist fürs Erste abgewendet. US-Präsident Donald Trump hat angedeutet, dass er die Erhöhung der Strafzölle für Importe aus China erstmal aussetzen will. Ein Ultimatum würde eigentlich am 1. März auslaufen. An den Finanzmärkten wurden die Meldungen mit Erleichterung aufgenommen. Rund um den Globus ging es am Donnerstag mit den Kursen an den Börsen nach oben.

Die US-Regierung hatte im September 2018 zusätzliche Abgaben auf Waren aus der Volksrepublik von zehn Prozent erlassen – es handelt sich um Import-Produkte aller Art mit einem Wert von etwa 200 Milliarden Dollar pro Jahr. Peking reagierte mit Vergeltungszöllen. Zugleich drohte Trump, den Steuersatz zum 1. Januar 2019 nochmal deutlich auf 25 Prozent zu erhöhen. Allerdings einigten sich die Regierungen zwischenzeitlich auf einen vorläufigen „Waffenstillstand“, der am 1. März ausgelaufen wäre. Der soll nun nach Informationen von US-Medien um 60 Tage verlängert werden. Beobachter bewerten dies als Zeichen dafür, dass sich beide Seiten näher gekommen sind. Am Donnerstag trafen der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin in Peking ein. Zwei Tage soll um einen Kompromiss gerungen werden.

Die Zölle lähmen den Warenaustausch zwischen den größten Volkswirtschaften bereits massiv. Das hat Auswirkungen auf die globale Konjunktur. Vor allem chinesische Unternehmen leiden unter den Zöllen, was auch dazu führt, dass Einfuhren aus Europa in die Volksrepublik zurückgehen. Wirtschaftsexperten befürchten, dass eine Verschärfung des Konflikts mit den angedrohten Strafzuschlägen im schlimmsten Fall eine globale Rezession auslösen könnte. Auch das am Donnerstag gemeldete Null-Wachstum der deutschen Wirtschaft im vierten Quartal 2018 wird indirekt mit dem Handelskrieg in Verbindung gebracht.

Indes rätseln Beobachter, wie eine Einigung aussehen könnte. Trump geht es vor allem darum, das Handelsdefizit zwischen beiden Ländern einzuebnen. Trotz aller Sanktionen war der Wert der in die USA importierten Waren aus China in Januar um rund 27 Milliarden Dollar höher als die US-Exporte ins Reich der Mitte. Sicher ist, dass Trump die chinesische Regierung dazu bringen will, deutlich mehr Agrarprodukte aus den Staaten einzuführen. Es geht ihm vor allem um Sojabohnen, Baumwolle, Mais und Schweinefleisch. Das soll US-Farmern helfen - wichtige Wähler Trumps.

Das dickste Brett dürfte die massive Unterstützung chinesischer Unternehmen durch die kommunistische Regierung sein. Hightech-Konzerne wie Huawei oder Alibaba könnten die globale Dominanz von US-Giganten wie Amazon oder Facebook gefährden. Überdies hat Peking den massiven Ausbau der Zukunftsindustrien zu einem ihrer wichtigsten strategischen Ziele erklärt. Eng damit verknüpft: Die Amerikaner werfen den Chinesen zwangsweisen Technologietransfer bei US-Konzernen vor, die im Reich der Mitte aktiv sind. Zudem Produktpiraterie und Verstöße gegen geistiges Eigentum. Peking hat bereits ein Einlenken signalisiert. Offen aber ist, wie dies überprüft werden soll.

Sicher ist, dass Trump eine Einigung – falls sie kommt – auf großer Bühne mit Chinas Präsident Xi Jinping zelebrieren will. Aus dem Weißen Haus war laut Finanzdienst Bloomberg zu hören, dass es Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen Ende März gibt.

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